Südafrika: Klima verursacht 40 Prozent mehr Unwetter-Risiko

(c) Pixabay

Die Intensität der verheerenden Unwetter im südlichen Afrika ist durch die Klimaänderung deutlich erhöht. Das zeigt eine nun veröffentlichte Studie.

Das südliche Afrika – zwischen Mozambique, Südafrika, Eswatini und Zimbabwe – ist heftigen Unwettern ausgesetzt gewesen, die in den letzten Dezember-Tagen eingesetzt haben. Die Unwetter-Katastrophe hat sich über mehr als zehn Tage hingezogen.

Dabei wurden Regenmengen gemessen, die weit über den durchschnittlichen bisherigen Werten gelegen sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dieses Geschehen untersucht – und vor allem erörtert, in welchem Ausmaß der Klimawandel dafür verantwortlich ist.

Heftige Regenfälle setzten in den letzten Dezember-Tagen ein und weiteten sich auf den Süden Mozambiques aus. Dabei wurden Regenmengen bisher nicht dagewesenen Ausmaßes gemessen. Gemessen wurden

  • 271,9 mm in Gaza, einer südlichen Provinz von Mozamique
  • 213 mm in der Hauptstadt Maputo
  • 253 mm in Inhambane
  • 945 mm in der sudafrikanischen Provinz Limpopo
  • 575 mm in Punda Maria
  • 573 mm Shangoni (im Kruger Nationalpark)
  • die beiden letztgenannten Messwerte lagen deutlich über den Jahresmittelwerten von 531 und 458 mm

Von den Folgen dieses Unwetters waren Hunderttausende betroffen. Ersten Berichten zufolge sind mehr als 100 Menschen umgekommen. 700.000 waren Betroffen. Unzählige Häuser und Infrastrukturen sind zerstört oder beschädigt worden.

Die 22 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der

  • Royal Netherlands Meteorlogical Institute
  • Centre for Environmental Policy Imperial College
  • Instituto Nacional de Meteorlogical
  • University of Cape Town
  • Red Cross Red Crescent Climate Centre
  • University of Copenhagen
  • University Utrecht
  • Instituto Nacional de Saúde

sowie ein unabhängiger Forscher kommen zu einem eindeutigen Schluss: Die Intensität des Unwetters ist durch den Klimawandel – durch die 1,3 Grad wärmere Atmopshäre – verstärkt worden.

Wahrscheinlich, nicht quantifiziert

Über die Häufigkeit lässt sich ein konkretes Ausmaß der Verschärfung nicht festlegen. Beim nunmehrigen Unwetter handelt es sich um eines, zu dem es alle 50 Jahre kommt. Die Auswertung der Daten untermauert allerdings, dass davon auszugehen ist, dass die 1,3 Grad mehr in der Atmosphäre eine höhere Häufigkeit wahrscheinlich macht.

Darauf deuten die bisher gemessenen Daten klar hin, allerdings nicht die Klimamodelle, die in der Simulation von Ereignis und Trend undeutlich sind. Dabei spielt auch La Niña eine Rolle. Dieses periodisch auftretende Wetterphänomen betrifft vor allem die Südhalbkugel und bringt unter anderem dem südliche Afrika eine höhere Niederschlags-Wahrscheinlichkeit und -Menge; der heurige La Niña-Effekt erklärt allerdings nicht das Ausmaß dieses nunmehrigen Unwetters.

„Brutalere Flut“

Die außergewöhnliche Dimension des Unwetters hat auch zu außergewöhnlichen Situationen für die in der Region lebenden Menschen verursacht. Die Wassermassen führten dazu, dass viele die nächst gelegenen Krankenhäuser nicht mehr erreichen konnten, die Versorgung mit Trinkwasser und Nährung wurde beeinträchtigt oder unterbrochen.

Izidine Pinto (KNMI Royal Netherlands Meteorological Institute): „Die Wissenschaft ist klar. Was bisher schon als ein ernstes Unwetter gewesen ist, wurde zu einer noch brutaleren Flut, der die betroffenen nichts entgegen halten können.“

„Struktureller Kollaps ganzer Dörfer“

Bernardino Nhantumbo (INAM National Institute of Meteorology, Maputo): „Dieses Ereignis bringt ein Zusammentreffen eines gefährlicher werdenden Klimas mit weitgehenden Verwundbarkeiten, die in der Region bestehen. Wenn 90 Prozent der Häuser aus sonnengetrockneter Erde gebaut sind, dann können sie diesen Regenmengen einfach nicht standhalten. Der strukturelle Kollaps ganzer Dörfer zeigt, dass sie einer Belastung durch das Wetter ausgesetzt sind, der sie einfach nicht standhalten können.“

Und Friederike Otto (Centre for Environmental Policy, Imperial College London): „Das ist ein Paradebeispiel für Klima-Ungerechtigkeit. Die Menschen in Südafrika, Mozambique, Zimbabwe und Eswatini haben zum Klimawandel nichts beigetragen und profitieren auch nicht vom Gebrauch oder Verkauf fossiler Bernnstoffe. Dennoch sind sie diejenigen, die ihr Leben, ihre Häuser und ihren Lebens-Unterhalt verlieren.“

„Keine statistische Anomalie“

„Die Erhöhung der Intensität von Unwettern ist keine statistische Anomalie. Es kann der Unterschied sein zwischen nassen Füßen und einem völligen Zusammenbruch. Solche Überschwemmungen sind das direkte Ergebnis eines Systems, das auf Ausbeutung und ein globales Versagen beim Ausstieg von den fossiolern Brennstoffen. Wir haben das Know-how und die Möglichkeiten, um zu verhindern, dass es schlimmer wird.“

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