Die Antwort auf zwei Millionen Tonnen Salz

(c) Pixabay

Neu ist die Erkenntnis nicht, dass Salz der Natur nicht guttut. Dennoch wird Salz gestreutt, im deutschsprachigen Raum zwei Millionen Tonnen. Aber: Es gibt Alternativen.

Die Rekordkälte der vergangenen Wochen und die Mischung mit gefrierendem Regen und Schnee, haben den Einsatz von Salz in die Höhe schnellen lassen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) plädiert allerdiungs dafür, dass auch bei derartigen Eiseskälten jedenfalls Private auf Salz verzichten sollten.

Als Alternative werden

  • Sand oder Kies
  • Sägespäne (auf erneutes Überfrieren achten)
  • oder umweltzertifizierte Streumittel aus dem Handel
  • oder der Einsatz mit einer Schneeschaufel

angepriesen – wobei der BUND darauf hinweist, dass bei Streuung von Sägespänen darauf geachtet werden müsse, dass sie nicht wieder anfrieren, sodass dieses Streumittel in einem weiteren Durchgang ausgebracht werden müsse.

„Streusalz ist Baumkiller“

Der Einsatz von Streusalz ist jedenfalls für Vegetation – und für Tierpfoten – schädlich.„Streusalz ist ein schleichender Tod für Bäume,“ so Christian Hönig, BUND-Abteilungsleiter für Biodiversität. „In Verbindung mit der wiederkehrenden Trockenheit wird es zum Baum-Killer Nummer eins. Wenn die Bäume im Frühjahr besonders viel Wasser für den Blattaustrieb brauchen, ziehen sie statt der benötigten Nährstoffe schädliches Chlorid aus dem Boden. Langfristig beeinträchtigt es das Wachstum und ganze Kronenteile können absterben.“ 

Mais, Soja und Ackerbohne

Eine entsprechende Stunde ist unter der Patronanz der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft im September 2024 veröffentlicht worden. Dabei wurde untersucht, wie weit die Salzstreuung ins Bankett bzw. angrenzende Erdreich wirkt.

„Während zweier Streuperioden konnten im Feldversuch Erhöhungen der Chloridkonzentrationen und der elektrischen Leitfähigkeiten in den Böden (untersuchte Tiefenstufen von 0-20 cm und 20-40 cm) unmittelbar neben den Autobahnen und Schnellstraßen nachgewiesen werden“, heißt es in der Arbeit.

Mit zunehmender Entfernung von der Fahrbahn nahmen die Werte rasch ab. Einzelne Erhöhungen gegenüber den Referenzproben in 50 m Entfernung konnten bis zu rund 15 m neben der Fahrbahn gemessen werden.“

Untersucht wurden dabei die Ernteerträge von Mais, Sojabohne und Ackerbohne. Ergebnis: „Die Analyse der Bodenproben zeigte außerdem eine langfristige Erhöhung der Natriumgehalte unmittelbar neben der Straße, der auf die Immission des Streusalzes zurückgeführt werden kann. Diese Erhöhung nahm allerdings mit zunehmender Distanz von der Fahrbahn rasch ab und war in den Feldern so gering, dass davon keine negativen Einflüsse auf den Ertrag der angebauten Feldfrüchte abgeleitet werden kann.“ Allerdings: „Sonderkulturen und Pflanzen aus Gärtnereibetrieben, sowie Bäume wurden nicht betrachtet.“

Verätzte Wurzeln und Baumrinden

In einer Aussendung des BUND vom diesem Dienstag heißt es dann weiter, dass Streusalz (Natriumchlorid) den Gefrierpunkt von Wasser senke und so bis etwa minus zehn Grad Celsius die Eisbildung verhindere. Es löse sich dann im Schmelzwasser, versickere im Boden und bleibe dort über Jahre. Bäume nehmen dadurch zu viel Salz auf. „Salzlauge verätzt zudem Wurzeln und Rinde – und auch Tierpfoten“, heißt es weiter.

Insgesamt kommen auf die Natur erhebliche Belastungen zu: Nach Recherchen des deutschen Umweltbundesamts werden in Deutschland durchschnittlich 1,5 Millionen Tonnen Salz ausgestreut, während es in Österreich (nach einer Schätzung aus dem Jahr 2011 der Technischen Universität Wien) 271.000 Tonnen sind. In der Schweiz und in Liechtenstein werden nach Angaben der Salinen etwa 230.000 bis 240.000 Tonnen Salz gestreut. Insgesamt ergibt sich eine Gesamtmenge für diese Länder von zwei Millionen Tonnen.

„Im Frühjahr aktiv ausgleichen“

Der BUND fordert, dass Gemeinde- und Grünverwaltungen den massiven Streusalzeinsatz in diesem Winter „im Frühjahr aktiv ausgleichen“.

„Die Kommunen sollten sich jetzt darauf vorbereiten, ihren Bäumen im Frühjahr etwas Gutes zu tun“, so Hönig. „Wässern und Düngen vor dem Laubaustrieb kann Salzschäden abmildern. Langfristig brauchen wir einen Winterdienst, der Verkehrssicherheit gewährleistet, ohne die Stadtbäume zu ruinieren.

Besonders an Privatanwenderinnen und -anwender rät Hönig zu den eingangs erwähnten Alternativen. Denn die erhältlichen Auswege seien ebenso bedenklich. So seien Ameisensäure oder Gurkenwasser „leider nur bedingt umweltfreundlich“. Ameisensäure sei zwar biologisch abbaubar, verbrauche beim Abbau aber sehr viel Sauerstoff in den Gewässern. Und Gurkenwasser wirke nur über das darin gelöste Kochsalz.


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