US-Trucker: „Wir haben nicht genug Kohlendioxid!“

(c) Pixabay

Der Vorstoß der US-Umweltbehörde EPA, Treibhausgase nicht mehr begrenzen zu wollen, ruft heftige Reaktionen hervor. Wissenschaft und Rechtsschulen sind glasklar; EPA-Befürworter auch.

Die Reaktionen auf die nunmehrige Ankündigung der EPA (Environmental Protection Agency, US-Umweltbehörde), keine Grenzwerte für die sechs Treibhausgase mehr gelten zu lassen, sind vergleichsweise verhalten, weil sich dieses Match in der Öffentlichkeit bereits im vergangenen Sommer abgespielt, zumal da alle öffentlichen Hearings über die Bühne gegangen sind. Die Frist für Stellungnahmen ist im September zu Ende gegangen.

Dabei haben – erwartbar – Umweltorganisationen in unmissverständlichen Wortmeldungen die Position der EPA verurteilt. Und es waren nur wenige, die sich mit dem Brustton der Überzeugung für die EPA-Vorgangsweise ausgesprochen haben.

„CO2 sollte gefeiert werden“

„Inside Climate News“ hat bei einem Hearing nicht mehr als zehn Wortmeldungen gezählt, die die EPA unterstützten – so habe sich das amerikanische Petroleum-Institut für die Aufhebung der Treibhausgas-Regulierung ausgesprochen, ebenso die National Automobile Dealers’ Association und die American Trucking Association.

Und auch die CO2-Coalition, dessen Direktor, Gregory Wrightstone, sagte: „CO2 sollte gefeiert werden, nicht dämonisiert. Wir haben nicht zuviel CO2, wir haben nicht genug davon!“ Die CO2-Coalition ist mit Meldungen, mit denen der Klimawandel grundsätzlich in Frage gestellt wird, in Erscheinung getreten.

Tür und Tor offen für Klagen

Auf der anderen Seite haben das American College of Physicians, die National Medical Association, and die American Public Health Association gewarnt, dass die EPA-Entscheidung „desaströse Folgen für die Gesundheit der Amerikanerinnen und Amerikaner haben werde — vor allem für jene, die Vorerkrankungen haben und gesellschaftlichen Randgruppen angehören.

„Im Falle des Klimawandels können die Fakten nicht klarer sein: Treibhausgase treiben den Klimawandel voran, das wiederum schädigt die Lungen der Menschen, überall im Land“, meint Harold Wimmer, Präsident und CEO der „American Lung Association“.

In einigen Jahren keine Rechtsmittel mehr

Unmissverständlich deutlich sind auch die Wortmeldungen von renommierten US-Rechtsschulen. So meint Deborah Sivas, Professorin für Umweltrecht an der Stanford University: „Die Regelung hat weitgehende Auswirkungen. Es kann sein, dass es in einigen Jahren keine Rechtsmittel mehr gegen den Klimawandel gibt.“

Und an der Harvard University meint man, dass der Rückzug der EPA dazu führen werde, dass Klagen „Tür und Tor“ geöffnet würden – nicht nur der Bundesstaaten, sondern auch gegen die Industrie, die Treibhausgase emittiert.


„Viel von dem Verständnis des Klimawandels, das 2009 noch unsicher und vorläufig war, ist mittlerweile durch wissenschaftliche Forschung belegt.“
US Academy of Sciences


Gnadenlos rechnet die US Akademie der Wissenschaften mit dem EPA-Vorstoß ab. In einem Bericht zum Thema („National Academies Publish New Report Reviewing Evidence for Greenhouse Gas Emissions and U.S. Climate, Health, and Welfare“) halten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass

  • die Emissionen von Treibhausgasen durch den Menschen die Konzentration dieser Gase in der Atmosphäre erhöhen
  • verbesserte Beobachtung des Klimas unwidersprochen bestätigt, dass Treibhausgas-Emissionen die Oberfläche der Erde erwärmen und das Klima der Erde verändern
  • durch Menschen verursachte Emissionen von Treibhausgasen und der sich daraus ableitende Klimawandel die Gesundheit von Menschen in den USA schädigen
  • das Fortsetzen der Emissionen der Treibhausgase zu Klimawandel in den USA führen wird – mit der Heftigkeit des zu erwartenden (Klima)wandels, der mit jeder Tonne Treibhausgas, die ausgestoßen wird.

In der Zusammenfassung dieses Berichts heißt es auch: „Der Bericht sagt, dass die Einschätzung durch die EPA 2009 (als die Umweltbehörde Treibhausgase als für Menschen gefährlich einstufte, Anm.) korrekt gewesen ist, Überprüfungen standgehalten hat und jetzt durch bessere Evidenz abgesicherter ist. Viel von dem Verständnis des Klimawandels, das 2009 noch unsicher und vorläufig war, ist mittlerweile durch wissenschaftliche Forschung belegt.“

Hitzewellen, mehr Todesfälle

Auch die Stanford University hat ein eindeutiges Statement abgegeben, die darauf hinausläuft, dass die nunmehrige EPA-Entscheidung entgegen jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis getroffen wird. Das Stanford-Statement erläutert das „Endangerment finding“ im Detail und meint schließlich: „Seit 2009 hat sich der Beweis für die Gefährdung (durch Treibhausgase, Anm.) verstärkt; Klimawandel verursacht ausgeprägtere Hitzewellen, größere Waldbrände, mehr Todesfälle, die durch Rauchgase der Waldbrände verursacht werden, Steigen der Meeresspiegel, wachsende Unsicherheit in der Versorgung mit Nahrungsmitteln und eine Reihe von Gesundheitsproblemen.“

Und Chris Field, Umweltwissenschaftler an der Stanford: „Wenn Unternehmen wissen, dass es die Regierung ernst meint mit der Reduktion von Schadstoffen, dann wird in Innovationen investiert – bessere Autos, sauberere Treibstoffe, effizientere Apparaturen. Diese Art politischer Berechenbarkeit treibt den Fortschritt an.“


Mehr:

Nachtrag

(14.2.2026) Etwas zeitverzögert nach der Eigen-Demontage der EPA-Zuständigkeit für Treibhausgase haben auch das Weiße Haus und die EPA Aussendungen veröffentlicht, in denen der Schritt von Zeldin und Trump über den grünen Klee gelobt wird. Bereits im vergangenen August hatte die EPA eine ähnliche Aussendung publiziert.

Als Begründung wird dabei untere anderem eine US-weite Ersparnis von 1,3 Billionen Dollar behauptet, die durch den Wegfall der Regulierung von Treibhausgasen entstehen sollen.

Eine detaillierte Erläuterung, wie diese Summe zustande gekommen ist, wurde nicht veröffentlicht. Unklar ist auch, in welchem Ausmaß Gesundheits-Folgekosten berücksichtigt worden sind.


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