Das deutsche Umweltbundesamt legt ein Handbuch über Umweltkosten vor. Der Kernsatz lautet: „Wir müssen Klimaschutz als zentrale wirtschaftliche und soziale Vorsorge begreifen.“
Anhand der vorliegenden Abschätzungen der Treibhausgase 2024, die aus deutschen Quellen in die Atmosphäre gelangt sind, haben die Expertinnen und Experten des Umweltbundesamts in Dessau, eine Rechnung fortgeführt, die Kostenwahrheit zum Ziel hat. Nadia Eser, Astrid Matthey und Björn Bünger haben es sich nicht leicht gemacht. Sie haben eine sehr komplexe Berechnung angestellt, die eine Antwort sein soll auf eine schnelle gesagte und einfach klingende Frage: Wie viel kostet Belastungen und Schädigungen der Umwelt?
Das bessere Geschäft
Die Frage lässt sich auch umdrehen: Wie viel an Folgekosten ersparen wir uns, wenn wir in den Umweltschutz investieren? Oder: Bis zu welchem Betrag ist Umweltschutz ein gutes, das besser Geschäft?
Beantworten lassen sich diese Fragen nicht so einfach, denn es hängt davon ab, was man berechnet. Und wie. Die Antwort(en) liegen in der Bewertung zunächst einmal von drei Ebenen:
- Schadenskosten
- In ihnen wird zusammengeführt, welche materiellen Verluste Einzelpersonen oder die Gesellschaft erleidet.
- Vermeidungskosten
- Wie viel kosten Maßnahmen, die zur Verringerung von Folgeschäden beitragen?
- Wiederherstellungs-Kosten
- Welche Summen fallen an, um eingetretene Schäden zu reparieren?
Auf der Strecke bleiben oft die immateriellen Werte, deren Höhen überwiegend an Bereitschaften gemessen werden können, zu zahlen, um einen Verlust erst gar nicht entstehen zu lassen.
Sechs Themen berechnet
Trotz aller Komplexität: Es gibt in der internationalen Wissenschaft ein international akkordiertes und unstrittiges Set von Parametern, um diese Kosten vergleichbar darzustellen – auch wenn die konkreten Zahlen dann vor allem Größenordnungen darstellen, nicht auf den Cent genaue Summen.
Das Expertinnen-Trio hat sechs Themen genauer unter die Lupe genommen.
- Emission von Treibhausgasen
- Emission von Luftschadstoffen
- Umwelteffekte von Strom- und Wärmeerzeugung
- Umwelteffekte des Verkehrs, einschließlich Lärm
- Emission von Stickstoff und Phosphor
- Umwelteffekte der Landwirtschaft
14,5% des deutschen BIP
In Summe kommt der Report zu einem eindeutigen Schluss: „Die 2024 in Deutschland freigesetzten Treibhausgasemissionen führen nach aktuellen Modellierungen während ihrer Verweildauer in der Atmosphäre zu globalen Wohlfahrtsverlusten in Höhe von 647 Milliarden Euro. Grundlage für dieses Ergebnis ist, dass die Schäden für heutige und künftige Generationen gleichermaßen berücksichtigt worden sind.
Diese 647 Milliarden machen etwa rechnerisch 14,5 % des deutschen Inlandsprodukts aus. Wobei es eine groteske statistische Wirklichkeit darstellt, dass zum Beispiel Aufräumarbeiten nach einer klimabedingten Überschwemmung eine Wertschöpfung darstellt, die das BIP steigern.
990 Euro pro Tonne
Die errechnete Summe bewertet UBA-Präsident Dirk Messner so: „Die Berechnungen nach dem neuen Handbuch zeigen, welche enormen Schäden unsere Emissionen bei uns und weltweit verursachen. Wenn wir die Schäden für heutige und künftige Generationen ernst nehmen, müssen wir Klimaschutz als zentrale wirtschaftliche und soziale Vorsorge begreifen. Jede eingesparte Tonne Treibhausgase reduziert reale Schäden: an Gesundheit, Wohlstand, Infrastruktur und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Das Handbuch Umweltkosten zeigt klar, dass uns der Klimawandel teuer zu stehen kommt und unterstreicht die Notwendigkeit von ambitioniertem Klimaschutz.“
Konkret zeigt sich bei den Berechnungen etwa, dass die die Emission von Treibhausgasen aus deutschen Quellen Schäden von etwa 990 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent verursachen. Wenn die Betrachtung auf die jetzt lebende Generation einschränkt, dann sind es 345 Euro pro Tonne. 2020 waren diese Schäden billiger – 935 bzw. 310 €.
1.240.- Euro im Jahr 2050
Der Bericht hat auch errechnet, mit welchen Größenordnungen bis 2050 zu rechnen sein wird: 2030 dürften dies 1050.- € (375.- €), 2040 1.150 € (485.- €) und schließlich 2050 1.240,. € (485.-€) sein. Zum Vergleich: Der derzeitige CO2-Preis beträgt für eine Tonne zwischen 55 und 65 Euro.
Vergleichbare Berechnungen zeigt der Report auch a für andere Schadstoffgruppen; und die Tendenz ist über all vergelichbar. So schlägt etwa die Emission von einer Tonne winziger Partikel (PM2,5) mit 128.200,- € zu Buche.
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