Neun Stürme haben in weniger als einem Monat im westlichen Mittelmeerraum mehr als 50 Menschenleben gefordert. Eine Studie zeigt auf, was das mit der Klimakrise zu tun hat.
Stürme zu benennen, erfolgt weltweit nach unterschiedlichen Kriterien, haben aber gemein, dass sie eine bestimmte Stärke überschreiten müssen; die Definitionen dafür werden vom jeweiligen meteoerologischen Dienst des Landes festgelegt.
Im westlichen Mittelmeerraum haben innerhalb kürzester Zeit neun starke Stürme die iberische Halbinsel und das nördliche Marokko heimgesucht. Auf Initiative von World Weather-Attribution (WWA) wurden diese Extrem-Wetterlagen nun genauer untersucht.

Eine Ausnahmesituation, denn das portugiesische Festland wird relativ selten von Unwettern dieser Intensität heimgesucht. So hat es hier laut Auswertungen der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) seit 1918 lediglich zwei Hurrikans (2020, 2022) gegeben.
In nicht einmal vier Wochen haben zu Jahresbeginn gleich neun schwere Stürme ihre Wucht ausgebreitet. Die Folgen sind fürchterlich. Allein in Marokko starben 43 Menschen, 300.000 verloren ihre Unterkunft, 110.000 Häuser und Wohnungen wurden überschwemmt, 280 Millionen an Hilfsgeldern ausgeschüttet.
115.000 verloren ihre Unterkunft
In Spanien, in der Sierra Cádiz, waren 12.400 Fälle von Evakuierungen nötig, 115.000 Personen in 19 Gemeinden waren davon betroffen. Die spanische Regierung hat in dieser Region sieben Milliarden Euro an Hilfsgeldern ausbezahlt, und für Betroffene in Andalusien weitere 1,78 Milliarden.
In Portugal raste der Sturm Kristin mit einer Gechwindigkeit von bis zu 202 Stundenkilometern über das Land. Eine Million Menschen waren zeitweise ohne Strom. Die Regierung in Lissabonn hat bisher 3,5 Milliarden Euro als Soforthilfe ausgeschüttet. Die Sturmereignisse sind – abgeschwächt, aber immer noch wuchtig – weiter ostwärts gezogen und haben dabei schwere Schäden hervorgerufe, etwa in Italien. Insgesamt sind mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen.
20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von acht Forschungseinrichtungen haben nun untersucht, wieviel Klimaänderung in der Wucht dieser neun Stürme und der damit verbundenen Extrem-Regenfälle steckt. Von den meteorologischen Gegebenheiten ist das untersuchte Gebiet in eine nördliche und eine südliche Region einzuteilen. Die Arbeit wurde von WWA koordiniert.
36 bzw. 29% mehr Regen
In Grazalema im Süden Spaniens fiel innerhalb weniger Tage so viel Reghen, wie ansonsten in einem ganzen Jahr. Ähnliches war während des Sturms Leonardo in Marokko und Portugal zu beobachten.

Die im Jänner und Februar erhobenen Daten zeigen deutlich, dass Ein-Tages-Starkregenfälle deutliche zugenommen haben – um 36% im Süden und um 29% im Norden. Konkret bedeutet dies, dass heute die nassesten Regentage um etwa ein Drittel nasser sind als in der vorindustriellen Zeit (1850 bis 1900), in der die globale Durchschnittstemperatur um 1,3 Grad geringer gewesen ist.
In der nördlichen Region wurde bei der Intensität der Regenfälle (gegnüber der vorindustriellen Zeit) eine Zunahme um elf Prozent festgestellt. Für die südliche Region konnte kein Trend festgestellt werden.
In dem Gebiet ist zu beobachten, dass die Extrem-Regenfälle zu einem steigenden Risiko für Infrastruktur – also etwa Häuser – werden. Bei den Extrem-Wetterlagen, die durch die neun Stürme verursacht worden sind, ist auch deutlich zutage getreten, dass die Umsetzung von Notfallplänen weitgehendere Folgen hat abwenden können, dass aber immer noch Defizite bei Koordination und Zusammenarbeit zwischen zentralen Stellen und jenen in den betroffenen Regionen bestehen (Dazu hat Europäische Umweltagentur vor kurzem eine Studie veröffentlicht – link am Artikel-Ende).
Atmosphärische Flüsse
Die Meerestemperatur vor und um Marokko, Spanien und Portugal ist zwar nicht erhöht, die Häufung dürfte allerdings durch „atmosphärische Flüsse“ verstärkt worden sein. Dieses Phänomen bringen wärmere Luftmasssen aus Regionen, in denen die Meerstemperaturen höher sind als normal – ein Grad wärmeres Wasser bedeutet sieben Prozent mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre.

Kennzeichnend für die Region war eine meteorologische Blockade. Hochdruck über Skandinavien und Grönland war gewissermaßen eine Barriere in der Atmosphäre, die zuließ, dass Sturm um Sturm in Richtung Westeuropa entstehen konnte. Ähnliche Wettersituationen hatten in der Vergangenheit mehr Feuchtigkeit nach Großbritannien, Irland und Frankreich verfrachtet. Ob und inwieweit diese Blockade mit dem Klimawandel zusammenhängt, ist noch ungewiss. Hier laufen intensive Forschungen weltweit.
„Wie Klimawandel aussieht“
David García-García (Universität von Alicante): „Diese Studie bestätigt, dass die wärmere Atmosphäre, die von den Treibhausgas-Emissionen verursacht worden ist, mehr Extrem-Regenfälle hervorruft. Politikerinnen und Politiker müssen sich vorbereiten und anpassen, um Leben und Infrastruktur zu schützen.“
Friederike Otto (Zentrum für Umweltwissenschaften am Imperial College in London): „Was wir beobachtet haben, zeigt deutlich, wie Klimawandel aussieht. Wir sind überzeugt, dass sich die Wettermuster zu noch gefährlicheren Desastern hin verändern. Wir haben das Wissen, das nötig ist, um diese Folgen zu bremsen. Wir brauchen jetzt nur noch den Willen, die nötigen Besserungen auch umzusetzen.“
„Klimawandel ist jetzt und er ist nahe“
Maja Vahlberg, technische Beraterin des Klimazentrums beim Roten Kreuz und Roten Halbmond: „Die umgekommenen Menschen und Hunderttausende Betroffene sind ein tragischer Weckruf. Wir bekämpfen eine humanitäre Krise, die vom Klimawandel angetrieben wird.“
Clair Barnes (Zentrum für Umweltwissenschaften am Imperial College in London): „Oft wird der Eindruck vermittelt, dass Klimawandel etwas fern in der Zukunft Liegendes sei, auch dass die Betroffenen fern sind. Aber diese Ereignisse, um die es heute geht, zeigen: Klimawandel ist jetzt und es braucht nur wenig, dass jede und jeder selbst davon betroffen sein können. Er ist nahe.“
Mehr:
- news330-link Wie gut ist Europa auf Unwetter vorbereitet












































































