Schweiz: Auen stehen unter Druck

(C) Pixabay

Schweizer Schutzgebiete in ihrer heutigen Ausdehnung werden nicht genügen, um die Artenvielfalt zu erhalten. Das zeigt eine neue Studie.

Die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat sich die Auenlandschaften genauer angeschaut. In der Vergangenheit sind viele davon der Erschließung, Trockenlegung, Bau von Dämmen und den Flussbegradigungen zum Opfer gefallen. Es gibt einige Projekte der Renaturierung, die gut verlaufen – aber sie werden nicht einmal ausreichen, um die Artenvielfalt auf dem heutigen Stand zu halten.

Zwei Modelle verknüpft

Ein Team von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern hat versucht, in die Zukunft zu schauen – über den Umweg von Modellen. Konkret wurden zwei miteinander verknüpft. Einerseits wurde mit einem ökologischen Modell die Entwicklung der verschiedenen Arten unter sich verändernden Umständen – Pflanzen, Temperatur, Bodenbeschaffenheit und Neigung der Böschen – analysiert. Und dann wurden Überflutungen und Erosion hydrodynamisch unter verschiedenen Parametern variiert. Beide Modelle ineinander gewoben ergeben ein realistischeres Abbild dessen, was in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ablaufen könnte.

Ergebnis: Die meisten Schutzgebiete der Schweiz werden geprägt sein durch mehr Trockenheit und/oder durch eine verstärkte Erosion von Böschungen. Die Vernetzung wird abnehmen, ebenso wie die Ausdehnung der Flächen. Eine Folge davon ist, dass Tiere, Pflanzen und Pilze keine neuen Lebensräume erschließen können.

Seit 1994 schützt die Kantonsverfassung

„Angesichts der Verluste ist jedes einzelne Gebiet wichtig“, sagt die WSL-Ökologin Sabine Fink. Sie plädiert für eine stärkere Vernetzung, eine zentrale Forderung, weil sie es für unrealistisch hält, dass Flüsse im gesamten Verlauf in ihren Urzustand gebracht werden. „Nicht nur heutige Auengebiete müssen geschützt werden, sondern die Planung sollte auch schon jetzt Gebiete mit einbeziehen, die temporär oder langfristig zu ihnen werden können. Ziel ist, diese Lebensräume mit den heutigen geschützten Auengebieten zu vernetzen und so die bedrohten Ökosysteme zu erhalten.“

Gepriesen wird in der Arbeit der Kanton Aargau. Hier ist seit 1994 der Schutz von Auen und Flusslandschaften in der Kantonsverfassung verankert. Es gibt mittlerweile ein Netz von renaturierten Zonen an den Flüssen, weshalb bestehende Arten räumlich flexibler sind.“ Fink lobt: „Der Auenschutzpark ist ein gutes Beispiel für erfolgreichen Schutz. Die Vernetzung ist dort geglückt.“

Die Studie ist aus dem Topf für das Forschungsprogramm „Wasserbau und Ökologie“ finanziert worden. Die Mittel für dieses Programm werden durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zur Verfügung gestellt.


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