Falschabbieger

Die EU will in den kommenden Wochen und Monaten der Atomkraft unter die Arme greifen, mehr oder weniger kräftig. Ein falsches Signal.

Es mag Zufall sein, aber bezeichnend ist es doch: Genau am Vorabend der 15. Wiederkehr der Atomkatastrophe in Fukushima-Daiichi hat sich in Paris eine Runde zusammen gefunden, die für Atomkraft, für Finanzspritzen und für begünstigte Kredite für diese Energieform eintritt. Solche Ansinnen sind nicht weiter überraschend.

Nach all den Omnisbus-Regelungen, die die EU zuletzt auf die Reise geschickt hat, war es auch nicht weiter verwunderlich, dass auch die EU der Unterstützung der Atomkraft-Betreiber einiges abzugewinnen hat. Dass Kommissionspräsidentin von der Leyen gleich soweit geht, den Ausstieg aus der Atomkraft einen „strategischen Fehler“ zu benennen, sei ihr als freie Meinungsäußerung unbenommen.

Als energiepolitische Aussage ist diese Einschätzung allerdings schlichtweg falsch. Denn der Boost in der Ablehnung der Nukleartechnologie ist durch zwei Katastrophen entstanden (Tschernobyl und Fukushima), die – rein wirtschaftlich betrachtet – ein Desaster ausgelöst haben und nicht vertretbar sind – von Todesopfern, Erkrankten und Unbewohnbarkeiten ganzer Landstriche einmal abgesehen. Das Verursacherprinzip, das bei einem Verkehrsunfall ganz selbstverständlich gilt, ist bei der Atomkraft außer Kraft gesetzt. Wirtschaftpolitisch unglaublich.

Es waren diese Gründe, weshalb Länder der Nuklarenergie den Rücken zugekehrt haben. Das zeigt sich sehr gut am Beispiel Deutschland. Dort hat die damalige Kanzlerin, Angela Merkel, die Abkehr sehr gut begründet: Ihr war – als Physikerin – klar, was da an der japanischen Ostküste abgelaufen ist und man hatte den Eindruck, dass sie persönlich zumindest überrascht, wenn nicht sogar betroffen war von der Erkenntnis, vielleicht auch Einsicht, dass Atomkraft eine Technologie ist, die man nie völlig beherrschen kann.

Risiken eingehen ist dann notwendig, wenn es keine Alternativen gibt. Aber: Die Alternativen sind ja da. Und Erneuerbare Energien sind mittlerweile die günstigsten Energieformen überhaupt.

Es ist schon richtig, dass es unterschiedliche Verfügbarkeiten gibt: Wenn kein Wind geht und keine Sonne scheint, dann wird in der betroffenen Anlage kein Strom produziert.

Dieses Manko kann aber überbrückt werden durch Stromspeicher. Investitionen in deren Entwicklung, Unterstützung für Verbraucherinnen, Verbraucher und für Gemeinden entschärft den Hunger nach elektrischer Energie rascher, nachhaltiger und günstiger.

Die EU ist gerade im Begriff, falsch abzubiegen und Geldströme in die falsche Richtung zu leiten. Falsch, weil die Klimakrise dadurch nicht entschärft wird und weil der Atomstrom viel später verfügbar sein wird als jener aus Photovoltaik oder Wind.


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