Obst: Breites Angebot, hohe Gefährdung

Obstmonitoring (c) Rupert Pessl, Arche Noah

Drei Viertel der Obstsorten sind nur mangelhaft abgesichert. Im Extremfall droht, dass sie aussterben. Das zeigt das Obst-Monitoring, das die „Arche Noah“ veröffentlicht. Diesbezüglich ist man in Deutschland und der Schweiz weiter.

Diese Erhebung hat es in dieser Form noch nicht gegeben: Mehr als 30 Expertinnen und Experten haben Daten über die genetische Vielfalt bei Obst gesammelt, ausgewertet und im Obstmonitoring-Bericht zusammengefasst. Konkret wurde der Bestand in 17 ausgewählten Obstsammlungen analysiert.

Demnach konnten insgesamt 2.606 genetisch unterschiedliche Sorten nachgewiesen werden. Die größte Gruppe stellt der Apfel dar, von dem 1.578 Sorten aufgelistet sind. Der Apfel rangiert vor Birnen, Zwetschken, Kirschen, Weichsel und Marille.

Nur vorläufige Namen

Als abgesichert gelten jedoch weniger als 25 Prozent , denn bei 1.859 (drei Viertel) der Sorten muss die Mindestanforderung als nicht erfüllt gelten. Sie wäre es erst, wenn eine Sorte in mindestens drei Sammlungen vorhanden wäre.

Mehr als 85 Prozent der gesammelten Sorten sind unzureichend verifiziert. Viele Sorten sind deshalb nicht eindeutig benannt, weil sie unzureichend verifiziert sind. Diese Sorten haben nur einen vorläufigen Namen.

Österreich ist durch zwei völkerrechtlich bindende Vereinbarungen verpflichtet, pflanzengenetische Ressourcen, zu denen auch Obstsorten gehören, dauerhaft zu erhalten: die Konvention zur Erhaltung der Biodiversität und der internationale Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft.

 

Eine Grunderfordernis ist bisher nicht erfüllt: nämlich die Existenz einer nationalen Strategie zur Ermittlung von Lücken in den Obstsammlungen und für gezielte Sammelaktionen zur Schließung der festgestellten Lücken. Der vorliegende Bericht der „Arche Noah“ kann diese Anforderung nur teilweise abdecken.

In der Erfassung der Sorten gibt es mehr oder weniger große Lücken:

  • Marille
  • Pfirsich
  • Kirsche
  • Weichsel
  • Mostbirne
  • Zwetschke
  • Walnuss
  • Haselnuss
  • Edelkastanie
  • Quitte
  • Mispel

Unter den Sorten, bei denen Lücken bestehen, dürften sich auch viele befinden, die ausschließlich in Österreich vorkommen. Im Bericht wird befürchtet, dass sich „ein Zeitfenster schließt“. Dies deshalb, weil es zum Erhalt einer Sorte notwendig ist, dass es die Bäume noch, zumal es keine sinnvolle Alternative zum Lebendarchiv gibt. Viele Bäume in den Sammlungen sind alt, sodass die Sorten-Vielfalt unter Druck gerät.

Während Österreich beim Monitoring bestenfalls auf halbem Weg ist, scheint Deutschland weit voraus zu sein. Hier gibt es eine aktuell gehaltene Datenbank, die von jeder Frau und jedem Mann abgerufen werden kann. Es gibt auch eine entsprechende Finanzierung. „Allerdings: Eine Auswertung gibt es nicht“, sagt Bernd Kajtna. Er ist Mitarbeiter des Obst-Teams der Arche Noah. „In der Schweiz ist die Situation nahezu optimal – hier ist die Datenbank vollständig und auch die Finanzierung ist gesichert.“ Aber auch hier gibt es keine Gesamtschau.

Deutschland und Schweiz berichten. Österreich nicht.

Die Food and Agriculture Organisation, eine UN-Unterorganisation, hat den internationalen Bereich im Blick, konkret ist die FAO-Kommission für genetische Ressourcen für Nahrung und Landwirtschaft dafür zuständig. An die FAO sind die nationalen Bericht über den Status der Biodiversität für Nahrungsmittel und Landwirtschaft zu richten. Deutschland und die Schweiz haben, wie 91 andere Länder auch, diesen Bericht abgeliefert. Österreich hat dies bisher nicht getan.

Deutschland räumt Probleme ein, die durch den Siedlungsdruck entstehen, aber auch durch die Landwirtschaft. So ist von einer Gesamtfläche von 35,7 Millionen Hektar ein knappes Drittel bewaldet und mehr als ein Fünftel besiedelt. 46,8 Prozent entfallen auf die landwirtschaftliche Nutzung, davon 56,9 Prozent (= 9,5 Mill. ha) werden für die Produktion für Futtermittel genutzt, während für die Produktion von Nahrungsmitteln lediglich ein Viertel der Landwirtschftsfläche bebaut werden – auf gerade einmal 4,6 Mill. ha. Nur 1,2% (oder 0,2 Mill. ha) sind für Brache und Stlllegungsflächen freigehalten.

Österreich: Fünf Forderungen

Auch die Schweiz räumt Probleme ein. So weist der Bericht an die FAO-Kommission das 47% aller Habitate gefährdet seien. Basierend auf den Zahlen von 2012 steht ein Viertel der 45.890 Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Flechten-Arten auf der Roten Liste.

Zurück nach Österreich: In dem nun publizierten Bericht werden fünf Forderungen gestellt:

  1. Sorten absichern – in erster Linie dadurch, dass die Absicherung in mehreren Sammlungen gewährleistet ist.
  2. Abklärung der Namen der Sorten – sie sei für die wissenschaftliche und praktische Nutzung unerlässlich.
  3. Die Krisenfestigkeit ist durch eine entsprechende Finanzierung sicherzustellen – damit die einzelnen Sammlungen gepflegt und weiterentwickelt werden können.
  4. Sammlungslücken müssen gefunden und gezielt geschlossen werden. Nur so lässt sich die Vielfalt auch schützen.
  5. Koordination verbessern. Zwischen den einzelnen Akteuren (Sammlungen, Ministerium, Bundesamt, AGES) ist die Koordination zu verbessern, sodass die Erhaltung der Artenvielfalt wirkungsvoller ist.

Charta der Obstsammlung

Ähnliches hat die „Charta der österreichischen Obstsammlung im Oktober vorigen Jahres in der „Vision 2035“ formuliert. Dann soll ein optimaler Zustand erreicht sein:

  • In Österreich sind alle Obstsorten vor dem Aussterben bewahrt.

  • Jede Sorte ist an mehreren Orten Österreichs in den Obstgärten der heimischen Obstsammlungen in Form von Bäumen abgesichert.

  • Alle Sorten sind genetisch analysiert, pomologisch beschrieben und vollständig dokumentiert.

  • Reiserschnittgärten stehen zur Verfügung, um für Baumschulen und Privatpersonen jederzeit ausreichend Vermehrungsmaterial bereitzustellen.


Mehr:


 

Übersichts-Grafiken zum Obst in Österreich

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