„Bis zu 17 Grad über dem Durchschnitt“

(c) Pixabay

„Ohne Klimawandel praktisch unmöglich“ – das ist die Kurzfassung der Analyse, die World Weather Attribution (Imperial College) über die Hitzewelle im Südwesten der USA herausgefunden hat. In Phoenix wurden 41,0 Grad Celsius gemessen.

In einer Schnell-Analyse hat das Team von „World Weather Attribution“ (Grantham Institute des Imperial College in London) die derzeitige Hitzewelle im Südwesten der USA unter die Lupe genommen. Dabei wurden auch Prognose-Daten für die nächsten Tagen mit einbezogen. Die Frage, deren Beantwortung gesucht wurde, lautet: Wie wahrscheinlich wäre diese Hitzewelle gewesen ohne den durch Menschen verursachten Klimawandel.

Der hat eine klar umrissene Größenordnung: Seit Beginn der weltweiten Industrialisierung im Jahr 1900 hat die globale Durchschnittstemperatur um 1,3 Grad Celsius zugenommen (verglichen mit den Durchschnittsstemperaturen gegenüber dem Zeitraum 1850 bis 1900).

Temperaturen zwischen 37 und 40 Grad

Aufgrund der Temperaturen der vergangenen Tage und der Prognosen für die kommenden Tagen, die Temperaturen zwischen 37 und 40 Grad Celsius vorhersagen, kommen die Attributionsforscherinnen und -forscher zu einem eindeutigen Schluss. Ohne dem Plus von 1,3 Grad, das durch menschliche Aktivitäten verursacht worden ist, wäre eine derartige Hitzewelle „praktisch unmöglich“, meint Ben Clarke, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Extremwetter und Klimawandel am Imperial College.

Die Hitzewelle, die sich zwischen Pazifikküste und Rocky Mountains ausbreitet, betrifft etwa 100 Städte in zehn US-Bundesstaaten. Die bisher bestehenden Temperatur-Rekorde könnten in den nächsten Tagen übertroffen werden – mit bis zu 17 Grad über dem Durchschnittswerten für diese Jahreszeit. Im Durchschnitt über die gesamte Region haben die Expertinnen und Experten ein Plus von 2,6 Grad ausgemacht (verglichen mit einem Szenario, aus dem der menschliche Klima-Einfluss herausgerechnet worden ist).

Mit wissenschaftlicher Vorsicht

Trotz der zunehmenden Wahrscheinlichkeit ist eine Hitzewelle dieser Größenordnung im heutigen Klima immer noch ein seltenes Ereignis und tritt voraussichtlich etwa alle 500 Jahre auf. Um wissenschaftlich auf der sicheren Seite zu sein, hat das Team die Annahmen modifiziert: „Angesichts der beispiellosen Stärke des prognostizierten Ereignisses ist es äußerst schwierig, mithilfe der Extremwerttheorie eine genaue Wiederkehrperiode zu schätzen. Daher verwenden wir für den Rest dieser Studie die Referenzwiederkehrperiode von 1 zu 100 Jahren, wobei wir zusätzlich berücksichtigen, dass die Prognose die endgültige Stärke des Ereignisses überschätzen könnte.“

Festzustellen sei deshalb, dass „diese Wahl der Wiederkehrperiode das geschätzte Wahrscheinlichkeitsverhältnis des Ereignisses infolge der Erwärmung beeinflusst, jedoch nur quantitativ, und dass die geschätzte Intensitätsänderung unabhängig von der Stärke des Ereignisses ist.“

Herausgefunden wurde außerdem, dass innerhalb nur eines Jahrzehnts dieses Ereignis aufgrund des Klimawandels etwa viermal wahrscheinlicher geworden und um etwa 0,8 °C heißer als es ohne den Klimawandel gewesen wäre.

Hitze is häufigste wetterbedingte Todesursache

Die Gesundheitsgefahr wird als hoch eingeschätzt, vor allem auch deshalb, weil diese Hitzewelle sehr früh im Jahresgang auftritt und der Temperatursprung höher ist, sodass es an der Akklimatisierung mangelt. Extreme Hitze ist die häufigste wetterbedingte Todesursache in den USA, heißt es in der Studie.

Clarke: „Es ist erschreckend, dass ein Kind, das 2016 geboren wurde, bereits vor dem Ende der Grundschule eine deutliche Zunahme der Extremwetterereignisse erlebt hat, die in diesem Teil der USA möglich sind. Der Klimawandel ist kein Problem, das wir aufschieben können.“

Otto: „Bedrohung ist da, und sie verschärft sich“

Friederike Otto, Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College London: „Diese Ergebnisse lassen keinen Zweifel. Der Klimawandel treibt das Wetter in Extreme, die in einer vorindustriellen Welt undenkbar gewesen wären. Im Westen der USA verschwinden die Jahreszeiten, an die Mensch und Natur seit Jahrhunderten gewöhnt sind, und bringen viele Menschen, darunter im Freien Arbeitende und solche ohne Klimaanlage, in Gefahr. Die Bedrohung ist nicht fern – sie ist da, sie verschärft sich, und unsere Politik muss der Realität gerecht werden.“

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