„Uran verstärkt Abhängigkeit von Russland“

(c) Pixabay

Sechs zivilgesellschaftliche Organisationen legen eine Neuauflage des Uranatlas’ vor und warnen vor einer wachsenden Abhängigkeit von Russland.

Auch in Deutschland, das aus der zivilen Nutzung der Atomkraft ausgestiegen ist, sind Stimmen zu hören, die einen Wieder-Einstieg in die Nuklearenergie fordern, und zwar über Small Modular Reactors (SMR) – dies sind kleine Reaktoren. Die Hoffnung der Atomindustrie ist, dass diese kleinen Kraftwerke zum Teil aus Fertigbau-Elementen errichtet werden können und dadurch auch Genehmigungen rascher erteilt werden.

Söder plädiert für SMR

Allerdings: Die Idee kleinere Reaktoren zu errichten hat es schon in den 1950er Jahren gegeben; zu einer Umsetzung kam es nicht, weil in den größeren Atom-Kraftwerken mehr Strom erzeugt werden kann. Derzeit sind tatsächlich erst SMR auf einem Schiff vor der sibirischen Küste und in China im Einsatz; in Argentinien ist ein Projekt abgebrochen worden, aus Kostengründen. Trotzdem liebäugelt der bayerische Ministerpräsident Mrkus Söder mit dem Bau solcher SMR, zuletzt im November des Vorjahres.

Sechs Organisationen legen nun kurz vor der 15. Wiederkehr des verheerenden AKW-Unfalls in Fukushima-Daichii (11. März 2011) und 40 Jahre nach der Reaktor-Explosion in Tschernobyl (26. April 1986) die Neuauflage des Uranatlas vor.

  • International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW, ein Zusammenschluss von Ärztinnen und Ärzten und weiteren Gesundheitsfachkräften)
  • Nuclear Free Future Foundation (NFFF)
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Greenpeace
  • .ausgestrahlt

Auf 64 Seiten wird der Weg von Uran in die Atomkraftwerke dargestellt – mit allen Problemen, die damit verbunden sein können.

„SMR-Hype ist Nebelkerze“

Ein genehmigtes Endlager für hoch-radioaktive Abfälle gibt es derzeit lediglich in Finnland. Nach einem Probebetrieb, der seit 2024 läuft, wird für 2026 die endgültige Genehmigung für die Lagerstätte in 437 Metern Tiefe erwartet. Die Genehmigung läuft für 100 Jahre und ist auf den Abfall der beiden finnischen Atomkraftwerke, Loviisa und Olkiluoto, ausgelegt.

Susanne Gerstner, stellvertretende Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Einen Wiedereinstieg in die Atomkraft darf es in Deutschland nicht geben. Kleine sogenannte smarte Reaktoren sind teuer, gefährlich und unwirtschaftlich. Zudem scheitern weltweit immer mehr Projekte an den horrenden Kosten und fehlender Wirtschaftlichkeit. Der SMR-Hype ist eine Nebelkerze, die unnötig Steuergelder verbrennt.“

„Atomgeschäfte beenden“

Der Atomatlas zeigt auch die nicht unerhebliche Abhängigkeit von Europa(aber auch der USA) von Atom-Exporteur Russland. Derzeit läuft gerade ein Verfahren, die Brennelementefabrik Lingen (Niedersachsen) auszubauen. Ein entsprechender Antrag liegt auf dem Tisch des niedersächsichen Umweltministeriums. Hier wollen Framatome und Rosatom ein Joint Venture umsetzen. Das Uran dazu kommt von Rosatom-Töchtern, die den Nuklear-Brennstoff aus Minen Mittelasiens beziehen.

„Die Bundesregierung muss die Kapazitätserweiterung untersagen und die Atomgeschäfte mit dem Kreml in Lingen beenden,“ sagt Bettina Ackermann, Sprecherin der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. „Die Abhängigkeit Europas von Uran und Brennelementen aus Russland ist ohnehin schon so groß, dass trotz des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine der gesamte Atomsektor Russlands bislang nicht sanktioniert worden ist. Diese Abhängigkeit darf durch eine mögliche Zusammenarbeit mit Rosatom am Standort Lingen nicht noch weiter wachsen.“ Innerhalb der EU sind 19 Reaktoren russischer Bauart in Betrieb.

„Rosatom ist treibende Kraft“

Von den 65 derzeit im Bau befindlichen Atomkraftwerken (weltweit) werden 63 in oder von Atomwaffenstaaten gebaut. Die Abhängigkeit Europas und der Welt von der global vernetzten Uran-Industrie, insbesondere von Russland, sei trotz des Ukraine-Kriegs weiter gewachsen, heißt es. „Der russische Staatskonzern Rosatom ist treibende Kraft beim Bau neuer Atomkraftwerke und geopolitischer Arm des Kremlchefs Putin“, so das gemeinsamen Statement.

Angelika Claußen, Co-Vorsitzende der Ärzteorganisation IPPNW, ergänzt: „Wir sind überzeugt, dass zu einer langfristig effektiven nuklearen Abrüstung auch der Ausstieg aus der Atomenergie gehört. In Deutschland müssen wir diesen Ausstieg noch vollenden, indem wir die Urananreicherung und die Produktion von Brennelementen beenden.“

„Uranbergbau schädigt Lebesgrundlagen“

Horst Hamm, geschäftsführender Vorstand der NFFF und Projektleiter des Uranatlas, erkennt sogar im Uranbegrbau „neokolonialen Strukturen“: „Uran wurde und wird zu großen Teilen vom Land indigener Völker in Kanada, Australien, Niger und den USA oder in autoritären Staaten wie Kasachstan und Russland abgebaut. Uranbergbau schädigt die Lebensgrundlagen in den jeweiligen Regionen massiv und verstößt gegen die Menschenrechte. Uranbergbau muss verboten werden.“

Ergänzend dazu meint Heinz Smital, Atom-Campaigner von Greenpeace: „Der Versuch von US-Präsident Donald Trump den Uranbergbau im eigenen Land wieder zu beleben und mehr Uran aus Kanada zu beziehen, geht zu Lasten der First Nations, die unter den gesundheitlichen Folgen des Uranbergbaus leiden.“


Mehr:

Newsletter

Wir versenden keinen Spam. Der Newsletter wird verschickt, wenn auf news330 neue Beiträge erschienen sind. Der Bezug des Newsletters ist gratis und kann jederzeit gestoppt werden.

rss feed

https://news330.earth/feed - diesen link kopieren, im feed-reader aufrufen und abonnieren - so versäumst Du keinen Artikel!

Archiv