Die Biodiversität steht unter massivem Druck. Aber den Regierungen fehlt es an Daten, um Entwicklungen und Trends einordnen zu können. Dieses Problem soll durch die Umsetzung einer Studie gelöst werden.
Acht Millionen? Zehn Millionen? Oder sind es doch eher 20? Wenn von Biodiversität die Rede ist, dann sind auch viele Unwägbarkeiten im Spiel. Unter anderem auch deshalb, weil nicht immer vorhandenes Wissen vernetzt und aktuell abrufbar ist.
Fein gesponnenes Netz reißt
Fest steht, dass weltweit die Artenvielfalt unter Druck steht, die Wissenschaft beobachtet aus allen Ecken, dass sich die diesbezügliche Entwicklung verschärft. Sei es durch ein Schrumpfen oder Verschwinden der Habitate, durch Beeinträchtigungen der Nahrungsketten oder durch das Fortschreiten des Klimawandels: Das fein gesponnene Netz der Biodiversität ist massiven Spannungen ausgesetzt und reißt.
Der Politik ist dies (teilweise) bewusst, aber es fehlt an vielen Stellen an belastbaren Daten. Biodiversität verändert sich, aber ein Gegensteuern ist schwierig. Das will nun ein wissenschaftlicher Ansatz ändern, den Biodiversitäts-Expertinnen und Experten ausgearbeitet haben.
Eine diesbezügliche Studie der Universität Amsterdam, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurde vor kurzem veröffentlicht und schlägt einen umfassenden Fahrplan vor. Dessen Konkretisierung soll im Aufbau eines europäischen Netzes für Biodiversitäts-Beobachtung (BON) münden.
Zusammenhänge fehlen
Derzeit gebe es ein „chaotisches System des Monitorings“, das nicht zusammenhängend sei, meint Daniel Kissling, außerordentlicher Professor an der Uni Amsterdam, der die Arbeit koordiniert hat. Kissling: „Wir wollen ein einheitliches europaweites Netzwerk schaffen, das den Wandel bei Arten und Ökosystemen verfolgen kann – von der DNA von Pflanzen und Tieren bis hin zu ganzen Wäldern, Flüssen und Ozeanen.“
Es werden insgesamt 84 „Essenzielle Biodiversitätsvariablen“ definiert. Sie sollen quasi das Rückgrat eines abgestimmten Monitoring-Systems bilden. Dies können etwa Vogelstimmen sein, aber auch die Ausbreitung von Seegraswiesen, genetische Vielfalt oder die Produktivität von Ökosystemen.
„Isoliert und unvollständig“
„Europa verfügt über Hunderte von Monitoring-Programmen, aber die Daten sind oft isoliert, uneinheitlich oder unvollständig“, sagt Senior-Autor Henrique Pereira, Forschungsgruppenleiter bei iDiv und der Martin-Luther-Universität. „Unser Fahrplan ist das Gerüst für ein wirklich integriertes, transnationales System, das alle Biodiversitäts-Beobachtungen zu einem kohärenten Ganzen zusammenführt.“
Wichtig sei dabei auch, dass ein europäisches Koordinierungszentrum für Biodiversitätsbeobachtung (EBOCC) eingerichtet werde. Auf diese Weise sei gesichert, dass Arbeitsabläufe koordiniert über die Bühne gehen, die Methoden harmonisiert werden und eine transparente Datenverwaltung gewährleistet sei. Außerdem können bei Bestehen einer europäischen Anlaufstelle nationale und europäische Daten-Infrastrukturen verschränkt werden.
Technik und Menschen
Die vor kurzem veröffentlichte Arbeit schlägt auch vor, dass vermehrt auch technische Hilfsmittel eingesetzt werden, etw:
- automatisiert digitale Sensoren (Audio-Rekorder für Vogelstimmen)
- Wildtier- und Insektenkameras
- Bio- und Wetterradare
- künstliche Intelligenz zur Erkennung von Artenvielfalt
- automatisierte Datenverarbeitung
- Umwelt-DNA
- Metabarcoding zum Erkennen von Arten und Lebensgemeinschaften
- Fernerkundung mit Satelliten, Flugzeugen und Drohnen, um Monitoring von Lebensräumen, Vegetations-Strukturen und Ökosystem-Veränderungen zu ermöglichen
Der stärkere Einsatz von Technik bedeutet aber nicht, dass der Mensch in den Hintergrund gedrängt wird; im Gegenteil. Bürgerwissenschafterinnen und Bürgerwissenschafter spielen eine vitale Rolle, ebenso wie professionelle Netzwerke zum Biodiversitäts-Monitoring.
Mehr:












































































