Mehr Windkraft im Süden kann 1,8 Milliarden ersparen

(c) Pixabay

Windkraft wird vor allem im Norden Deutschlands gebaut, weniger im Süden. Dadurch entstehen Netzengpässe, die teures Gegensteuern erfordern. Das ist kein „Muss“, so das Ergebnis einer Studie.

Mit der Zunahme der Zahl von Windkraft-Anlagen in unterschiedlichen Regionen sind verstärkte Steuerungsmaßnahmen notwendig, um die Netzstabilität aufrecht zu erhalten. Diese Maßnahmen („Redispatch“) bedeuten, dass die Leistung eines Kraftwerks gedrosselt werden muss, während ein anderes (in einer anderen Regelungszone) mehr Strom ins Netz eingespeisen kann.

Ausgleich kostet Milliarden

Diese Schere droht in Deutschland jedenfalls stark aufzugehen – denn aufgrund des aktuellen Standes der Ausschreibungen wäre der Windkraft-Zubau in Baden-Württemberg und Bayern mit 2,85 Gigawatt bzw. 3,72 GW deutlich geringer als aufgrund des Netzentwicklungsplans für 2030 vorgesehen (7,46 bzw 9,37 GW). Dadurch ergibt sich, dass 10,26 GW in den Norden verlagert werden.

Allerdings führt die Verlagerung des Windkraft-Stroms in den Norden Deutschlands, dass dort Maßnahmen ergriffen werden müssen, die teuer sind – Jährlich ergeben sich so „Redispatch“-Kosten von bis zu 1,9 Milliarden in Deutschland (in Österreich etwa zwischen 125 und 150 Millionen jährlich).


„Redispatch“ ist notwendig, wenn sich Stromproduktion und Stromverbrauch nicht decken. Es kann zu Schwankungen im Stromnetz kommen, die ausgeglichen werden müssen. Die Standardfrequenz beträgt im Netz 50 HZ, bei Über- und Unterschreitung sind Netzausfälle möglich. Bereits eine Schwankung von 0,1 Hz kann destabilisieren. „Redispatch“ bedeutet, dass diese Schwankung ausgeglichen wird, indem in einem Kraftwerk die Produktion gedrosselt wird, während ein anderes (in einer anderen Region) auf Vollast fährt.

Die Analyse wurde von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE) erstellt, Auftraggeber sind Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und des Landesverbands Erneuerbare Energien Bayern (LEE Bayern). Die Arbeit hat diese Kernaussagen:

  • Der Markt tendiert zu einem einseitigen Nord-Ausbau. Daraus schlussfolgern die vier Autoren, dass „die heutigen Ausschreibungsregeln nicht zu einem ausgewogenen Ausbau führen und süddeutsche Potenziale ungenutzt bleiben.“
  • Trotz höherer Erzeugung im Norden unterscheiden sich die erzeugten Energiemengen nach Abregelung kaum. Aufgrund höherer Abregelung im Norden nähern sich die real nutzbaren Energiemengen beider Szenarien stark an.
  • Ein Gutteil des im Norden zusätzlichen Stroms geht durch nötige Netz-Ausgleichs-Maßnahmen verloren, nur der deutlich geringere Teil ist real nutzbar.
  • Ein stärkerer Wind-Ausbau im Süden kann im Stromsystem bis zu 1,8 Milliarden Euro einsparen. Die erzeugte Strommenge ist zwar nur wenig höher, aber es wären weniger Ausgleichs-Maßnahmen nötig.
  • Ein regional ausgewogenerer Windausbau führe zu geringfügig weniger Stromerzeugung, könne jedoch insgesamt zu deutlichen wirtschaftlichen und systemischen Vorteilen beitragen.“

Geringere Gesamtkosten

„Die heutigen Ausschreibungsregeln führen nicht zu einem ausgewogenen Ausbau – süddeutsche Potenziale bleiben weitgehend ungenutzt, obwohl sie energiewirtschaftlich dringend gebraucht würden“, sagt Jürgen Scheurer, der Geschäftsführer der PEE BW. Weniger Abregelung sei nötig, es gebe weniger Engpässe, geringeren Bedarf an zusätzlichem Nord‑Süd‑Netzausbau; die Gesamtkosten der Energiewende seien geringer.

Süddeutsche Projekte gerieten in den Ausschreibungen ins Hintertreffen – wegen des „Referenzertragsmodell, das eigentlich schwächere Windstandorte gegenüber sehr ertragsstarken Regionen ausgleichen soll“, meint Ariane Lubberger, Geschäftsstellenleiterin des LEE Bayern.

„Überproportional benachteiligt“

„In der Praxis aber werden Standorte mit einer Standortgüte unter 60 Prozent nicht gleichmäßig kompensiert, sondern überproportional benachteiligt.“ Und weiter: „Moderat höhere Förderkosten für Anlagen an weniger windstarken Standorten würden durch sinkende Systemkosten mehr als aufgewogen.“


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