Der Klimawandel hat die Nase immer vorn. Aber die Ökosysteme reagieren darauf in unterschiedlichem Tempo. Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung.
In der Datenbank der Wissenschafterinnen und Wissenschafter sind 6000 Langzeit-Beobachtungsflächen enthalten; sie ist einzigartig und enthält Untersuchungen von Pflanzengemeinschaften – die in Wäldern, Grasländern und Berggipfeln leben. Für Europa ist dies die bisher umfassendste Analyse, die die Reaktionen verschiedener Ökosysteme direkt miteinander vergleicht. Die Arbeit wurde auf Nature veröffentlicht.
„Keine einheitliche Aussage über Auswirkungen“
Eines der Hauptergebnisse ist, dass alle untersuchten Ökosysteme langsamer auf Temperaturveränderungen reagieren. „Dies ist allerdings von Art zu Art und von Ökosystem zu Ökosystem unterschiedlich. Die durchschnittliche Veränderung der Temperaturpräferenz war auf Berggipfeln etwa fünfmal so hoch wie in Wiesen und Wäldern. Beobachtet wurde auch, dass die kälteangepassten Pflanzenarten in den Bergen schneller zurückgehen, der Bestand der wärmeliebenden Arten aber im Grasland zunahm.
Eine weitere Kernaussage der Studie ist, dass keine einheitliche Aussage über die Auswirkung der Klimaerwärmung auf die Vegetation möglich ist. Die Autorinnen und Autoren prägen den Begriff „Klimaschuld“, der in der Praxis für die aufgehende Schere steht, wenn Arten nicht mehr im bevorzugten Temperatur-Fenster leben, sondern in einem, das in ihrem Wuchsort besteht. Zumal Pflanzen nur träge auf geänderte Umweltbedingungen reagieren, leben sie durch den Klimawandel in einer für sie nicht optimalen Umwelt.
Umweltbedingungen für einzelne Arten ungünstig
„Daher könnte es in den kommenden Jahren zu schnelleren Veränderungen in der Vegetationszusammensetzung kommen“, sagt Co-Autor Markus Bernhardt-Römermann, Professor der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) sowie des Senckenberg Instituts für Pflanzenvielfalt Jena (SIP). „Dies passiert dann, wenn die Umweltbedingungen für einzelne Arten so ungünstig werden, dass diese lokal aussterben. Dieser Prozess variiert allerdings je nach lokalen Bedingungen.“
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