325 Arten benötigen grenzüberschreitende, internationale Hilfe, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Sie laufen Gefahr auszusterben. Das ist eines der Erkenntnisse eines UN-Berichts, der zu Beginn der Konferenz über wandernde Arten in Flüssen veröffentlicht wurde.
Wandernde Frischwasser-Fische halten Flüsse sauber und gesund, sind wesentlich für die Binnen-Fischerei und sorgen dafür, dass Hunderte von Millionen Menschen das Auslangen finden. Seit 1970 hat die Vielfalt der Arten um 81% abgenommen, so eines der Ergebnisse im Bericht „Global Assessment of Migratory Freshwater Fishes“. Diese Tiere sind Thema einer UN-Konferenz in Brasilien.
Die Hot-Spots des Artenschwundes liegen in diesen Flüssen:
- Amazonas
- Mekong
- Donau
- Nil
- Ganges-Brahmaputra
Vielfach unbemerkt, weil unter Wasser, sind es vor allem Dämme, Fragmentierungen des Habitats, Verschmutzung, Überfischung und Klimawandel, die den Bestand dieser wandernde Arten mehr und mehr gefährden. Nach dem Beschluss der Konvention für wandernde Arten (CMS) liegt es nun an den 132 Vertragsstaaten dieser Konvention, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Sie treffen in dieser Woche zur 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP) in Campo Grande, Brasilien, auf einander.
Der Hot-Spot der wandernden Arten sind Brasilien und vor allem Asien. Von den 325 wandernden Arten, die in ihrem Bestand gefährdet sind, haben ihren Lebensraum in
- Asien 205 Arten, in
- Süd-Amerika 55
- in Afrika 42
- in Europa 50, und
- in Nord-America 32
Dass die Zahl der Arten größer ist als 325, ist kein Irrtum, sondern der Tatsache geschuldet, dass manche Arten auf mehreren Kontinenten vorkommen.
Korridore und Monitoring
Der Bericht steht auf einer sehr breiten Basis. Denn im Vorfeld wurden 15.000 in Flüssen lebende Arten analysiert worden sind. Daten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden gestellt von der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Damit wurde die bisher breiteste Wissens-Basis über wandernder Arten geschaffen.
Über die Erhebung des Status Quo liefert der Bericht außerdem Vorschläge, wie die gegenwärtige Entwicklung gestoppt oder zumindest gebremst werden könnte. So könnten zum Beispiel Korridore geschaffen werden, um den Fischarten eine Wanderungen zu ermöglichen. Erfolgsversprechend seien auch grenzüberschreitendes Monitoring, international angesetzte Artenschutz-Pläne und abgestimmte Fischerei. Das könnte sich durchaus auszahlen: Die Wertschöpfung der weltweiten Binnen-Fischerei wird auf 436 Millionen US-Dollar geschätzt.
Zeb Hogan, Lead-Autor des Berichts: „Die Wanderung dieser Arten findet unter Wasser statt. Dieses Assessment zeigt, wie Frischwasser-Arten in ernsthaften Problemen stecken und wie Länder zusammenarbeiten müssen, um die Flüsse miteinander verbunden, produktiv und voller Leben zu halten.“
Auf intakte Ökosysteme angewiesen
„Indem man Wissenschaft, Politik und internationale Kooperation zusammenbringt, können Regierungen sicherstellen, dass die großen Wanderrouten von Frischwasser-Fischen erhalten bleiben“, sagt Amy Fraenkel, Exekutiv-Sekretärin des CMS. „Und damit wird auch das Wohlergehen der Menschen gesichert, die auf intakte Ökosysteme angewiesen sind.“
Michele Thieme, Vize-Präsidentin des World Wildlife Fund in den USA und und Spezialistin für Süßwasser: „Flüsse nehmen keine Rücksicht auf Grenzen. Und die Fische tun das auch nicht. Die Krise, die sich unter der Wasseroberfläche ausbreitet, ist weitreichender als die meisten Menschen glauben. Uns läuft die Zeit davon. Flüsse müssen grenzüberschreitende gemanaged werden – als ein zusammenhängendes System. Wir brauchen Investitionen; und die jetzt, ehe es zu spät ist.“
„Ein ethisches und politisches Gebot“
„Der Schutz wandernder Tierarten stellt die Fähigkeit der Menschheit zur Zusammenarbeit vor eine schwierige Frage: Das Leben auf der Erde ist voneinander abhängig. In diesem historischen Moment ist dies nicht nur eine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern ein ethisches und politisches Gebot, das angemessene Reaktionen auf die vielfältigen Krisen erfordert, mit denen wir konfrontiert sind: Klimakrise, ökologische Krise und globale Governance-Problematik“, sagt Marina Silva, Brasiliens Ministerin für Umwelt und Klimawandel.
„Das Motto der COP15, ‚Die Natur verbinden, um das Leben zu erhalten‘, ist aktueller denn je. Wandernde Tiere – von Elefanten, Großkatzen, Greifvögeln, Süßwasserfischen, Meeresschildkröten und Walen bis hin zu Wasservögeln und sogar Schmetterlingen – sind nicht nur eine Attraktion. Sie bilden das Kreislaufsystem unseres Planeten und treiben Bestäubung, Samenverbreitung, Kohlenstoffspeicherung, Schädlingsbekämpfung und Nährstoffkreisläufe über ganze Kontinente hinweg voran. Wenn ihre Wanderkorridore zerstört werden, geraten auch die Ökosysteme in Mitleidenschaft“, so Inger Andersen, Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP).
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- web-link Was sind wandernde Arten?







































































