Rechnungshof: Kritik an EU-Rohstoffpolitik

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Der Europäische Rechnungshof mahnt die EU zu einer konsequenten Rohstoffpolitik. Derzeit erscheinen die EU-Ziele kaum erreichbar.

Ob Energiewende oder umweltverträglichere Mobilität: Die EU ist stark abhängig von Mineralien, die in einigen wenige Ländern vorkommen, konkret in China, Türkei oder Chile. Es geht dabei um Nickel, Lithium, Kobalt, Kupfer und Seltene Erden, die für Windturbinen, Batterien oder Photovoltaik-Paneele benötigt werden.

Der Rechnungshof der Europäischen Union hat sich dieses Themas angenommen und legt nun einen Bericht vor, welche Fortschritte bei diesem Thema zu verzeichnen sind; wenn überhaupt. Der Bericht „Kritische Rohstoffe für die Energiewende“ wurde am Montag vorgelegt.

Hohe Abhängigkeit von China, Türkei, Chile, Kasachstan

Im Zeitraum 2016 bis 2020 kamen bei 18 kritischen Rohstoffen mehr als 25 Prozent des EU-Verbrauchs aus einem einzigen Land (außerhalb der EU).

LandRohstoffAnteil
RusslandNickel29 %
KasachstanPhosphor65 %
ChinaArsen39 %
Baryt44 %
Gallium71 %
Germanium45 %
Magnesium97 %
Natürliches Grafit40 %
Wolfram31 %
TürkeiAntimon63 %
Bar99 %
SüdafrikaMangan41 %
GabunMangan39 %
GuineaAluminium62 %
ChileLithium79 %
BolivienAntimon26 %
MexikoFlussspat33 %
MarokkoBaryt28 %

Aber auch innerhalb der EU gibt es hohe Abhängigkeiten von Einzelstaaten.

LandRohstoffAnteil
SpanienStrontium99 %
FrankreichSiliciummetall27 %
BelgienArsen60 %
Germanium32 %
NorwegenSiliciummetall33 %

Insgesamt hat die EU 34 kritische Rohstoffe im Visier. 26 von ihnen wird eine zentrale Bedeutung für die Erneuerbaren Energien zugesprochen. Zusätzlich werden 17 der Rohstoffe als „strategisch“ bezeichnet. Um die Abhängigkeit zu verringern, hat die EU 2024 eine Verordnung über kritische Rohstoffe beschlossen. Allerdings sind darin keine konkreten Maßnahmen und Zielsetzungen dargelegt.

„In gefährlicher Weise abhängig“

Zwar wurden 14 strategische Rohstoff-Partnerschaften ausgerufen, allerdings hätten die Importe aus 14 Partnerländern in den Jahren 2020 bis 2024 abgenommen. Keit Pentus-Rosimannus, die als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung zuständig war, sagt: „Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben. Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU abhängig“

Dazu kommt noch, dass Verhandlungen über Rohstoff-Importe aus anderen Ländern aus unterschiedlichen Gründen auf Eis liegen – so sind etwa diesbezügliche Gespräche mit den USA seit 2024 eingefroren worden – und sehen angesichts einer instabilen globalen Großwetterlage wohl einer unsicheren Zukunft entgegen. Ähnlich sieht es beim Mercosur-Abkommen aus; betroffen davon ist auch ein etwaiger Rohstoff-Bezug aus den an kritischen Rohstoffen reichen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay bei weitem noch nicht in trockenen Tüchern.

Mängel beim Recycling

Bei 26 Rohstoffen, die für die Energiewende benötigt werden, sind die Recyclingquoten derzeit zwischen 1 % und 5 %, kritisieren die Prüfer. Und zehn Rohstoffe werden überhaupt nicht recyclet. Auch der Ansatz, die Binnen-Versorgung zu steigern, kommt nicht vom Fleck. Für die Prüfer ist nicht ersichtlich, wie das Ziel – ein Plus von zehn Prozent zu erreichen.

Die Erkundung neuer Rohstoffe sei „unterentwickelt“, so der Bericht der Rechnungsprüfer, die außerdem das mangelnde Tempo kritisieren, in dem die Rohstoffe abgebaut werden, wenn sie erst einmal erkundet worden sind. Deshalb sei ein konkreter Beitrag, die gesteckten Ziele bis 2030 zu erreichen, „nur schwer vorstellbar“.

„EU soll sich stärker ins Zeug legen“

Bis 2030 insgesamt 40 % der in der EU verbrauchten strategischen Rohstoffe innerhalb der EU zu verarbeiten, rückt für die Prüferinnen und Prüfer in weite Ferne, zumal die entsprechende Anlagen stillgelegt werden. Zurückzuführen ist dies teilweise auf die hohen Energiekosten zurückzuführen.

Die Warnung der Prüfer: „Die EU könnte in einen Teufelskreis geraten, in dem eine mangelnde Versorgung mit Rohstoffen den Ausbau der Verarbeitung hemmt, was wiederum den Anreiz zur Sicherung der Versorgung verringert.“ In den Worten von Keit Pentus-Rosimannus, die diesen Bericht koordiniert hat, klingt das so: „Für die EU ist entscheidend, sich stärker ins Zeug zu legen und ihre Verwundbarkeit auf diesem Gebiet zu verringern.“


web-link: Sonderbericht 04/2026: Kritische Rohstoffe für die Energiewende – Keine solide Strategie vorhanden

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