Artenvielfalt, Energie und Nachhaltiges: Der Monat geht zuneige, Zeit also für einen Blick zurück und einen nach vorn’. Es ist Zeit für das Letzte.
Wenn die Kirschblüten sprießen, dann gleitet auch der betagte März in den frischen April. Und er ist nicht mehr weit, der Tag des Overshoots, österreichweit und auch weltweit: Der Tag naht, an dem jede und jeder in Österreich Lebende:r auf Pump lebt – ganz ungeachtet der Verpflichtungen eines Bankinstituts gegenüber.
Die Rede ist vom Ressourcenverbrauch und davon, wie nachhaltig wir leben. Ab 2. April verbrauchen wir mehr Ressourcen als uns statistisch zustehen (und wenn man von gleichem Verbrauch für jede und jeden ausgeht). In Deutschland und in der Schweiz ist dieses Datum einen Monat später, am 8. bzw. am 10. Mai.
Kurs auf den globalen Overshoot
Weltweit steuert die Erdbevölkerung auf einen anderen Overshoot zu, der wahrscheinlich ist, aber noch nicht mit wissenschaftlicher Exaktheit festgemacht werden kann. Es ist der Klima-Overshoot – der Zeitpunkt, zu dem das Kohlenstoff-Budget verbraucht sein wird.
Dabei geht es um jene Größe, die Klima-Wissenschafterinnen und -Wissenschafter errechnet haben und die vermeidet, dass die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur 1,5 Grad Celsius übersteigt (zum Ende des Jahrhunderts und verglichen mit der Durchschnittstemperatur in den fünf vorindustriellen Jahrzehnten 1850 bis 1900).
Je höher diese Temperatur steigt, desto wahrscheinlicher wird ein Erreichen von so genannten „tipping points“ – jenen Kipppunkten, bei deren Überschreiten die Reaktionen des komplexen Klima-Systems immer weniger von Klimamodellen abgebildet werden und außer Rand und Band geraten können.
Es gibt eine Schieflage
In der wissenschaftlichen Community ist unstrittig, dass der Globus diesen Overshoot in den 2030er Jahren erreichen wird; ihn wieder einzufangen wird in jeder Studie zu dem Thema eingefordert, ist derzeit aber nirgendwo ablesbar. Im Gegenteil.
Im März hat die Welt Meteorologie Organisation (WMO) den Jahresbericht 2025 veröffentlicht und dabei einen neuen Indikator eingebaut – Wie sehr ist die Erde meteorologisch in Balance? Für interessierte Beobachter des Geschehens ist die Antwort ablesbar, nicht zuletzt anhand immer öfter eintretender Extrem-Wetterereignisse zeichnet die Wissenschaft ein klares Bild.
Es gibt eine Schieflage. Und wenn – wie diesmal im März – der Südwesten der Vereinigten Staaten von einer zehntägigen Hitzewelle (mit Temperature von mehr als 41 Gard Celsius) mit Temperaturen, die um 17 Grad über den Durchschnittswerten für diese Jahreszeit heimgesucht werden, könnte selbst der größte Zweifler am Klimawandel aufwachen.
Unter der Oberfläche ein trauriges Bild
Solche „Aha“-Momente hat es freilich auch in der Vergangenheit schon gegeben, sodass die Wahrscheinlichkeit der Läuterung als eher gering eingeschätzt werden muss. Mehr noch: Im April steht uns – wider aller wissenschaftlicher Evidenz – wieder einmal ein zweitägiges Treffen von Zweiflern am Einfluss menschlichen Tuns auf das Klimageschehen bevor. Es ist wohl eher kein Zufall, dass dieses Meeting in Washington D.C. stattfindet.
Fernab der Konferenzsäle zeichnet sich mittlerweile unter den meist friedlich plätschernden Wasseroberflächen großer Flüsse ein trauriges Bild ab – Beinahe unbemerkt schwindet die Biodiversität der wandernden Arten, die Roten Listen der gefährdeten Tiere – zu Wasser und zu Land – musste auch diesmal wieder verlängert werden.
Neuer Strom und klare Worte
Gleichzeitig gibt dieser März auch Augenblicke der Hoffnung: Künstliche Fische werden in Flüssen so verankert, dass ein jeder für sich Strom produziert und alle zusammen immerhin 400 bis 500 Haushalte (mit vier Personen) zu versorgen in der Lage sind – klein und dezentral, möglich ab einer Fließgeschwindigkeit eines Flusses von 1,5 bis zwei Meter pro Sekunde.
Mut verspricht auch die Deutlichkeit, in der sich Rechnungshöfe zu Wort melden, wenn auf der Hand Liegendes vom Tisch gewischt wird und Oberflächliches danach ringt, die Oberhand zu bekommen. Selbst wenn das Wahre und vielversprechendes Neues gut ersichtlich sind.
Das Oberflächliche drängt sich nicht selten vor das Tiefgehende, wenn etwa an fossilen Energieträgern festgehalten wird, obwohl es – über die bekannten Mankos, Abhängigkeiten und finanziellen Bürden hinaus – neue Erkenntnisse gibt, die allein für sich schon Alarmsignale schrillen lassen sollten: etwa der Gehalt von krebserregendem Benzol, das im Erdgas nachgewiesen worden ist.
Etappensieg des Oberflächlichen
Und zum Ausklang des März ist noch von einem Etappensieg des Oberflächlichen zu berichten, den die EU-Kommission errungen hat: Es geht um den Neubau von vier französischen Atomkraftwerken und um Förderungen des französischen Staates an den Atomkonzern Électricité de France (der sich zu 100% im Staatseigentum befindet).
Die EU untersucht, ob wettbewerbsverzerrend ist, dass die EdF eine Darlehen mit staatlichen Garantien für 60% der Baukosten und eine Preisgarantie auf 40 Jahre gegeben wird. In der Ankündigung lässt die EU auch Befürwortung durchblicken – mit dem Argument, dass der AKW-Bau zur Dekarbonisierung beitrage.
Selbst wenn man der behaupteten CO2-Neutralität der Atomkraft Glauben schenken mag: Zu dem Zeitpunkt, zu dem die AKW in Betrieb gehen sollen (2038 bis 2044), sollte der Haupt-Job der Dekarbonisierung schon erledigt sein: Bis 2040 will die EU die Treibhausgas-Emissionen um 90% verringert haben.
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