Diesmal Fukushima in Japan. Am 11.3.2011, vor 15 Jahren, kam es im Atomkraftwerk Fukushima. Nach Erdbeben und Tsunami kam zu Kernschmelzen und Explosionen. Das sollte auch die Physikerin Angela Merkel, damals deutsche Bundeskanzlerin, beinahe sprachlos machen.
Der 11. Mรคrz 2011 begann auch im Kraftwerk Fukushima routinemรครig. Reaktor 4 war wegen einer groรen Revision auรer Betrieb, die Brennelemente lagerten im Abklingbecken, Nummer 5 und 6 hatten eine kleinere Revision hinter sich und waren bereits wieder mit Brennstรคben beladen. Die Blรถcke 1 bis 3 waren in Betrieb, wobei der dritte Reaktor mit MOX-Elementen bestรผckt war (Mischoxid), wรคhrend 1 und 2 mit รผblichen Uran-Brennstรคben befรผllt waren. So also startete das Kraftwerk in den Tag.
Fรผr unmรถglich Gehaltenes
Nach der Mittagspause begann, was niemand fรผr mรถglich gehalten hatte: Es kam nicht zu einem GAU โ einem grรถรt anzunehmenden Unfall -, sondern es sollten sich drei solcher Ereignisse zutragen; die Abkรผrzung wurde neu definiert โ es sollte nicht mehr ein GAU eintrete, sondern derer gleich drei.
Um 14.23 Uhr Ortszeit ging ein Beben los, dessen Epizentrum 160 Kilometer nordรถstlich des Kraftwerks lag. Die ersten Wellen erreichten das Kraftwerk nach 23 Sekunden. Die Horizontalbeschleunigung der Reaktoren 2, 3 und 5 lagen bis zu einem Viertel hรถher als die Auslegung der Bauten.
15 Meter hohe Welle
Um 15.35 trafen die Tsunami-Wellen mit einer Hรถhe von bis zu 15 Metern mit voller Wucht auf das Kraftwerk. Blรถcke 1 bis 4 wurden bis fรผnf Meter รผberschwemmt, die Null-Ebene befand sich zehn Meter รผber dem Meeresspiegel. Die Reaktoren 5 und 6 standen einen Meter unter Wassereter โ der Boden war gegenรผber dem รผbrigen Gelรคnde etwas erhรถht.
All das lieร die Kรผhlung der Reaktoren ausfallen, sodass Wasserstoff nach auรen drang und Kernschmelzen in den ersten drei Reaktoren begannen.ย Wasser fehlte auch zur Kรผhlung in den Abklingbecken, sodass auch hier wieder Kettenreaktionen einzusetzen begannen. Die Instabilitรคt der Reaktoren dauerte Wochen an.
Durch den Ablauf der Katastrophe entwichen Edelgase, zudem stiegen vor allem Belastungen durch Jod-131 und Caesium-137. Offizielle Stellen behaupten, dass in der Prรคfektur wegen der Atomkatastrophe 19.763 Personen von Evakuierungen betroffen waren, und lediglich 4881 aus der Prรคfektur Fukushima. Andere Quellen meinen jedoch, dass 110.000 wegen der Atomkatastrophe aus ihrer Heimat haben wegziehen mรผssen, 55.000 wegen der Zerstรถrungen durch Tsunami und das Erdbeben. 20.000 Menschen gelten noch als vermisst oder umgekommen, allerdings ist dies keine Folge der Atomkatastrophe, sondern eine von Erdbeben und Tsunami.
Kontamination von Wasser und Erde
Ein Belastungsfaktor sind auch belastetes Wasser und Erdreich. 2024 hat die Betreiberfirma Tepco 55.000 Kubikmeter mit Tritium belastetes Wasser verdรผnnt und ins Meer abgelassen, wรคhrend 25.550 mยณ wieder hinzukommen. Insgesamt sind 1,3 Millionen belastetes und verdรผnntes Wasser zu entsorgen.
Im Umkreis des Kernkraftwerks sind zumindest 14 Millionen Tonnen Erdreich und Schutt angefallen. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben ist dieses Material bis 2045 zu entsorgen.
Die Hรถhe der endgรผltigen Kosten bewegen sich in Schwindel erregendem Ausmaร. Der World Nuclear Industry Status nennt 80,3 Milliarden US-Dollar als jene Summe, die Tepco bisher gezahlt habe. Die Gesamtkosten werden derzeit auf 166,6 Milliarden US-Dollar geschรคtzt.
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- web-link World Nuclear Industry Status Reportย
- web-link Bundesamt fรผr Strahlenschutz: Der Unfall von Fukushimaย
- web-link Bundesamt fรผr die Sicherheit der nuklearen Entsorgungย
- web-link Encyclpodeia Brittanica
- web-link Bericht der japanischen Regierung an die Atomenergieagentur (IAEA) รผber die Aufrรคumarbeiten (die IAEA ist eine Sub-Organisation der UN und hat vor allem den Auftrag die friedliche Nutzung der Atomenergie zu propagieren und die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen zu รผberwachen)
- web-link Zusammenfassung dessen, was sich in Fukushima-Daiichi zugetragen hat (Mitglieder der World Nuclear Association sind Hersteller und Betreiber von AKW)
- web-link Informationen des Bundesamts fรผr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung รผber die INES-Einstufung 0 bis 7
Aus dem Reaktorkern
โAus dem Reaktorkernโ versteht sich als Beitrag zur Energie-Debatte, in der es des รถfteren heiรt, Atomkraft garantiere eine sichere und gรผnstige Energiequelle, und erinnert an bekannt gewordene Vorfรคlle, die aufgrund der IAEA-Klassifizierung als INES 4 bis INES 7 eingestuft werden.
Diese Abgrenzung geschieht vor dem Hintergrund, dass Ereignisse ab INES 4 aufwรคrts rasch katastrophale Zรผge annehmen kรถnnen, wenn im Ablauf eines Krisenmanagements im Kraftwerk Unwรคgbarkeiten auftreten. Je hรถher die INES-Einstufung desto schlimmer die Folgen.ย



































































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