Eine Hitzewelle in der zweiten April-Hälfte hat in Indien und Pakistan sehr hohe Temperaturen mit sich gebracht. Mindestens 47 Menschen sind ums Leben gekommen. Eine Studie belegt, dass dies kein extremer Ausreißer in der Statistik ist.
Die Klimakrise wird immer deutlicher spürbar: Das zeigt die jüngste Forschungsarbeit der „World Weather Attribution“ (WWA) am Imperial College in London. Konkret wurde die Hitzewelle in Indien und Pakistan in den beiden letzten April-Wochen analysiert – hier gab es Temperaturen, die über 46 Grad Celsius hinausgingen.

Der Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit einer Hitzewelle mit extremer Hitze verdreifacht. Temperaturen von mehr als 40 Grad – was früher als extrem bezeichnet wurde, ist mittlerweile zu einem Ereignis geworden, mit dem alle fünf Jahre gerechnet werden muss.
Die Auswirkungen der Hitze im April und Anfang Mai waren drastisch: In Indien starben an den Folgen der Hitze mindestens 37 Menschen, in Karachi, Pakistan, zumindest zehn. Dazu kommt noch, dass außergewöhnliche Dürre die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen gefährdet. Außerdem führte die Hitze zu einem Rekord-Verbrauch von Strom, zumal der Bedarf nach Kühl-Aggregaten in die Höhe schnellte.

„Was früher in Südasien seltene Hitze war, ist heute Realität“, sagt Mariam Zachariah, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Extremwetter und Klimawandel am Imperial College London. „Die Temperaturen steigen auf gefährliche Werte, wodurch lebensbedrohliche Bedingungen für Hunderte Millionen Menschen in Indien und Pakistan immer häufiger werden. Besonders besorgniserregend ist, dass unsere Forschung zeigt, dass die heiße Vormonsunzeit sowohl heißer als auch länger wird, was bedeutet, dass die Menschen nun einen viel größeren Teil des Jahres extremer Hitze ausgesetzt sind.“
Vorindustriell um ein Grad kühler
Für diese Studie hat das WWA mit dem ICARUS Climate Research Centre an der irischen Maynooth University, der Meteorologie-Abteilung des indischen Ministeriums für Erd-Wissenschaften, dem Wetter- und Klimadienst Pakistans, dem Klima-Zentrum des Roten Halbmonds und Roten Kreuzes und dem schwedischen Roten Kreuz zusammengearbeitet.
Die Ergebnisse der Forschung haben dieses Ergebnis gebracht:
- Dasselbe Hitzeereignis wäre in einem vorindustriellen Klima etwa ein Grad Celsius kühler gewesen,
- Allein in den vergangenen zehn Jahren sind ähnliche Ereignisse um etwa 35 % wahrscheinlicher und um 0,3 °C heißer geworden,
- Die Katastrophe ist sozial ungleich: Hitzewellen legen tiefe soziale Ungleichheiten offen, wobei im Freien arbeitende Menschen und Bewohner ungekühlter Wohnungen weiterhin deutlich stärker gefährdet sind.
Roop Singh, Leiter der Abteilung für städtische Ursachenforschung beim Klimazentrum des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds: „Obwohl Indien und Pakistan in Hitzeaktionspläne investiert haben, zeigt dieses Ereignis, dass extreme Hitze weiterhin unverhältnismäßig stark diejenigen trifft, die im Freien arbeiten, und es sind Menschen in informellen Siedlungen und Tagelöhner, die am stärksten gefährdet sind. Der Ausbau sozialpolitischer Schutzmaßnahmen und die Einstufung von Hitzewellen als meldepflichtige Katastrophe könnte die Bereitstellung wichtiger Katastrophenhilfegelder erleichtern.“
„Wir sind schlichtweg nicht vorbereitet“
Ben Clarke, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Extremwetter und Klimawandel am Imperial College London, meint schließlich: „Unsere Forschung zeigt immer wieder, dass gefährliche Hitze, die einst selten und außergewöhnlich war, schnell zum Normalfall wird. Wir sind auf das Ausmaß der Erwärmung, das wir bereits erleben, schlichtweg nicht vorbereitet, und diese tödlichen Ereignisse werden sowohl an Häufigkeit als auch an Intensität zunehmen, wenn wir die Emissionen jetzt nicht drastisch reduzieren.“
























































