Schweizer Klima-Statistik schwach positiv

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Bei der Bilanzierung der Treibhausgas-Emissionen für das Jahr 2024 schneidet die Schweiz schwach positiv ab: Die Menge der Treibhausgase aus Schweizer Quellen sinkt von 40,67 auf 40,11 Millionen Tonnen.

Mit der am Montag veröffentlichten CO2-Bilanz für das Jahr 2024 ist in der Schweiz der Gesamtausstoß aller Treibhausgase (THG) auf knapp ein Viertel des Niveaus des Referenzjahres 1990 gesunken, konkret auf 72,7 %. Gegenüber 2023 sind 2024 die Gesamtemissionen um 1,38% gesunken. Die Pro-Kopf-Emissionen liegen unter vier Tonnen.

Anstieg synthetischer Gase um 380 Prozent

Umgerechnet in CO2-Äquivalente sind die Emissionen von

  • Kohlendioxid um 26% gesunken,
  • Methan (CH44) um 22%,
  • Lachgas (N2O) um 36,3%;
  • der Ausstoß von synthetischen Gasen hat um 380% zugenommen und macht jetzt, in absoluten Zahlen, 1,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus.

Synthetische Gase werden als Kältemittel in Kühlräumen, Kühlschränken und Klimaanlagen verwendet, als elektrische Isolatoren und als Lösungsmittel sowie bei der Herstellung von Schaumstoffen. Diese Emissionen sind nach 1990 leicht gesunken, seit 1996 gestiegen; erst seit 2018 sinken die Werte.

Vor allem Pkw und Lieferwagen

Betrachtet man die einzelnen Sektoren, so ist es der Transport-Bereich, in dem zwar ein Rückgang der Emissionen ersichtlich ist, allerdings in einem äußerst geringen Tempo. Der Gesamt-Ausstoß aus diesem Sektor beträgt 13,09 Millionen Tonnen CO2equ, was einem Rückgang seit 1990 um weniger als eine Million Tonnen entspricht. Den größten Anteil verursachen dabei Pkw und Lieferwagen, die für 10,89 Millionen Tonnen verantwortlich sind.

Die Daten des Bundesamts für Umwelt (BAFU) sind witterungsbereinigt. Bei den Brennstoffen ist darauf hinzuweisen, dass zwischen 2008 und 2020 eine CO2-Abgabe periodisch erhöht worden ist. Auf Treibstoffe wurde eine solche Abgabe nicht eingeführt, wohl aber sind die Treibstoff-Importeure verpflichtet, die verursachten Emissionen zu kompensieren. Dieser Prozentsatz hat steigende Tendenz.

Wald schwächelt, Grünland kippt

Die Änderung der Landnutzung belastet das eidgenössische Klimabudget stärker als zuletzt: 1990 war dieser Bereich über alle Sektoren (Wald, Äcker, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungen, Holzprodukte und „übrige Flächen) noch eine Senke von Minus 1,99 Millionen Tonnen THG (und damit eine Entlastung für den CO2-Haushalt), während Ende 2024 ein Plus von 1,19 Millionen Tonnen zu verzeichnen ist. Aus der Entlastung für das Klima ist also eine Belastung geworden.

Der Wald, der 1996 noch 6,96 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gebunden hatte, bindet 2024 nur noch 1,10 Millionen Tonnen. Hier ist eine deutlich abnehmende Tendenz festzustellen, waren die diesbezüglichen Werte nahe am Kippen (mit einem mageren Minus von bloß 0,02 Millionen Tonnen). Grünland ist bei der Landnutzung der stärkste Faktor, der zu Buche schlägt (mit einer Steigerung von 0,18 auf 1,21 Millionen Tonnen).

„Graue Emissionen“ als große Dunkelziffer

Im Vergleich mit anderen Staaten schneidet die Schweiz deutlich besser ab: Denn die Pro-Kopf-Emissionen sind deutlich geringer als etwa in Deutschland oder in Österreich. Und: Auch wenn die Emissions-Reduzierungen im eidgenössischen Verkehrsbereich auch nur bescheiden sind – besser als in den deutschsprachigen Nachbarstaaten sind sie allemal. Die Klimabelastung durch Pkw und Lkw sind in der Schweiz unter dem Niveau des Referenzjahres 1990, während sie sowohl in Deutschland als auch in Österreich seit 1990 gestiegen sind.

Die offiziellen Statistiken enthalten allerdings keine „grauen Emissionen“. Dabei handelt es sich um Emissionen von Treibhausgasen, die bei der Produktion von Waren entstehen, die zwar im Ausland (insbesondere in Billiglohnländern in Asien) hergestellt werden, aber nach Fertigstellung gleich wieder auf dem europäischen Markt landen. Und es fallen Emissionen durch den Transport nach Europa an. Die beim Transport entstehenden THG werden dem Konto der internationalen Schiff- und/oder Luftfahrt zugeordnet, die wiederum aber kein nationale Treibhausgas-Budget belasten.

Nationale Emissionen deutlich höher

Diese Verzerrungen führen dazu, dass in der offiziellen Statistik die produktionsbezogenen THG-Emissionen vor allem asiatischer  Ländern zugeordnet werden – und den hoch entwickelten Industriestaaten nicht, in denen diese Produkte gekauft und genutzt werden (und dort auch oft in Auftrag gegeben werden).

Wenn vor diesem Hintergrund die „grauen Emissionen“ den einzelnen industrialisierten Volkswirtschaften zugeordnet würden, dann wären die Treibhausgas-Emissionen doppelt so hoch – oder möglicherweise mehr als das. Schätzungen gehen davon aus, dass die Treibhausgas-Belastung in Deutschland pro Kopf bei 10,3 Tonnen, in Österreich bei deutlich mehr als zehn und schließlich in der Schweiz bei 12 Tonnen liegen müsste. Eine Rolle spielt dabei auch, inwieweit durch den Kauf von Wertpapieren indirekt Emissionen ausgelöst werden. Aber: Diese „grauen Emissionen“ finden sich in keiner offiziellen Statistik, weil eine solche Berechnung in den Protokollen zur Klimakonvention nicht vorgesehen ist.


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