Die zunehmende Hitze setzt dem Urwald im Amazonas-Becken zu – die Bäume aber wehren sich. Sie verändern die Chemie ihrer Umgebung, um so mit der Hitze besser fertig werden zu können.
Der Regenwald am Solimoes und Rio Negro, deren Zusammenfluss bei Mañaus dann als „Amazonas“ Tausende Kilometer zum Atlantik fließt, laboriert immer stärker an Hitze-Stress. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die heftigen El Niño-Episoden, die in immer kürzer werdenden Abständen auftreten.
Erst vor kurzem hat die Welt Meteorologie Organisation (WMO) gewarnt, dass innerhalb der kommenden Wochen erneut mit einer El Niño-Episode zu rechnen sein wird; und mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer sehr ausgeprägten. Denn die oberste Wasserschicht des Pazifiks der Südsee ist um sechs Grad Celsius wärmer als der Durchschnittswert.
Bäume kommunizieren
Zurück an den Amazonas: Hier haben Wissenschafterinnen und Wissenschafter des Max Planck-Instituts für Chemie in Mainz den Regenwald in der El Niño-Periode 2023 und 2024 beforscht. Dabei haben sie entdeckt, dass die Bäume mit der Umgebung kommunizieren – sie geben flüchtige organische Verbindungen ab, so genannte Sesquiterpene. Dies sind biogene flüchtige organische Verbindungen.
Ihr Ausstoß – unter dem Einfluss der El Niño-Hitze, der damit verbundenen Trockenheit und verdoppelter Konzentration des Reizgases Ozon – wächst um nicht weniger als 122 Prozent. In der Arbeit heißt es weiter: „Dies deutet darauf hin, dass der Wald mit diesen Emissionen auf oxidativen Stress reagiert – also auf biochemische Schäden, die Hitze und Wassermangel in den Pflanzenzellen auslösen.“
Entstehung in den Wurzeln?
Joseph Byron, Erstautor der Studie: „Das spiegelt einen grundlegenden Wandel im Stoffwechsel des Waldes wider. Der Regenwald versucht, Folgen des extremen Trockenstresses abzumildern.“ Und: In der Regenzeit nach der Dürre wurden auch „weniger flüchtige Sesquiterpenalkohole, darunter Beta-, Alpha- und Gamma-Eudesmol“ ausgestoßen.
Angenommen wird, dass Sesquiterpenoide außerhalb des Blattwerks, beispielsweise in den Wurzeln, entstehen und dann mit Wasser durch das Gefäßsystem zu den Blättern transportiert werden, wo sie schließlich in die Atmosphäre abgegeben werden. Diese Hypothese muss jedoch noch überprüft werden.
Vergleichbar mit ätherischen Ölen
Ebenfalls eine Vermutung ist derzeit (noch), dass der vermehrte Ausstoß dieser Verbindungen eine funktionelle Wirkung in den Pflanzenzellen haben und oxidative Schäden mindern können – vergleichbar etwa mit ätherischen Ölen, die beim Menschen entzündungshemmende und antioxidative Wirkung haben.
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