Der Amazonas-Regenwald emittiert deutlich mehr an Treibhausgasen als bisher vermutet. Die Flüsse Südamerikas emittieren deutlich mehr Methan als bisher angenommen.
Die Klimamodelle müssen mit den neuen Daten kalibriert werden: Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis einer Studie, welche die Folge einer zweimonatigen Feld-Forschung im Amazonas-Gebiet ist.
Im Dezember 2022 und Januar 2023 hat ein Team Forschender des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, des Forschungszentrums Jülich, des Cyprus Institute in Nikosia, des California Institute of Technology in Pasadena, sowie der University of Washington und der University of Michigan die Methan-Emissionen in Südamerika analysiert.
Viermal höhere Methan-Emissionen
Methan (CH4) ist ein Treibhausgas, das zwar eine deutlich kürzere Verweildauer in der Atmosphäre hat als Kohlendioxid (CO2), aber viel (re)aktiver ist als CO2. Bisher gab es vergleichsweise wenig Daten, zumal insbesondere in den Tropen Bewölkung die Satelliten-Beobachtung durch Wolkendecken erschweren.
Das Forschungsteam unter der Leitung des MPI hat mit einer Befliegung des Gebiets Daten gesammelt, die bisher nicht verfügbar gewesen sind. Die Studie wurde mittlerweile im Fachjournal „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht. In der Arbeit wurde festgestellt, dass die tatsächlichen Methan-Emissionen bis zu viermal größer sind als bisher in Klima- und Erdsystem-Modellen abgebildet.
Je näher am Boden, desto ungenauer
Linda Ort (MPI), Atmosphärenchemikerin und Erstautorin der Studie, stellt fest, „dass in Flughöhen ab sechs Kilometern die Mess- und die Modelldaten recht gut übereinstimmen. Je kleiner der Abstand zur Erdoberfläche jedoch war, umso größer wurden aber die Abweichungen.“ Dies führt sie darauf zurück, dass sich in größeren Höhen Methan gut durchmischt und die Klima-Modelle Transport und Durchmischung gut abbilden. Nicht aber in Bodennähe. In Flussdeltas waren die Methan-Konzentrationen um 26 Prozent höher, an Stauseen um 19 Prozent und an regelmößig überschwemmten Flussgebieten um 13 Prozent.
Der Zeitraum für die Befliegungen ist nicht von ungefähr gewählt worden – Dezember und Jänner bildet den Übergang zwischen Trocken- zur Regenzeit, hier gibt es auch weniger Brandrodungen, sodass die Messergebnisse nicht verzerrt werden. Die Menge des Methans wurde durch Satellitenmessungen indirekt ermittelt, indem die Bodenbeschaffenheit (Feuchtigkeit, Vegetation und Temperatur) analysiert wurde.
Messungen in Zentralafrika und Südostasien
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es in tropischen Feuchtgebieten wie dem Amazonas-Regenwald noch viele unterschätzte Methanquellen gibt,“ so Linda Ort. Sie meint, dass weitere Messungen notwendiger seien, um sich ein noch genaueres Bild machen zu können. Nötig sei dies vor allem auch in Zentralafrika und in Südostasien.
Die Erkenntnisse haben allerdings nicht das Grundverhältnis verändert, wonach etwas mehr als ein Drittel der Methan-Emissionen auf natürliche Prozesse zurückzuführen sind und 65 Prozent durch menschliche Aktivitäten verursacht werden.
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