„Eine vertane Chance“ – so betitelt die Weltbank den Bericht über das Abfackeln von Öl- und Gas. Öl und Gas bei den Bohrtürmen abzufackeln ist seit drei Jahren gestiegen.
167 Milliarden Kubikmeter Öl und Gas wurden im Jahr 2025 abgefackelt anstatt genutzt – der höchste Wert seit 2019. Der Wert der fossilen Rohstoffe, die im Vorjahr in Flammen aufgegangen sind, wird mit 54 Milliarden US-Dollar angegeben.
Soviel CO2 wie Großbritannien
Der Bericht der Weltbank wurde vor kurzem veröffentlicht und ist Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem Payne Institute an der Colorado School of Mines. Betont wird, dass die Erstellung des Berichts „unabhängig“ erfolgt sei. Die abgefackelte Menge fossiler Rohstoffe übersteigt die Menge von Gas, die 2025 durch den Persischen Golf transportiert worden ist.
Die größten Abfackel-Hot-Spots summieren sich auf 43.644,61 Millionen Kubikmeter, also etwa ein Viertel der Gesamtmenge – Im Jahr des Abschlusses des Pariser Abkommens, 2015, war es um ein Zehntel weniger: 39.034,93 Millionen Kubikmeter. In CO2-Äquivalent umgerechnet wird die Atmosphäre mit 429 Millionen Tonnen belastet – 34 Millionen Tonnen mehr als 2015. Die Menge entspricht etwa jenes von Großbritannien.
Verbrauch aller 54 afrikanischer Staaten
Ein anderer Vergleich: Die 167 Milliarden Kubikmeter übersteigen die Menge Erdgas, die alle 54 Staaten Afrikas in einem Jahr verbrauchen. Oder: Wenn das abgefackelte Erdgas zur Stromerzeugung verwendet würde, dann könnten so vier Milliarden KilowattStunden Strom erzeugt werden. Oder auch: Es sind auch mehr als 167 Millionen Kubikmeter Gas, die durch die Straße von Hormuz transportiert werden. Rein rechnerisch also bliebe es unbemerkt, wenn ein Jahr kein Gas durch die Straße von Hormuz transportiert würde, wenn anstatt dieser Menge das Abfackel-Gas nicht verbrannt, sondern genutzt würde.
Die Technologien, um Flaring zu stoppen, sind vorhanden, werden aber über weite Strecken nicht angewandt. Warum nicht? Jedenfalls liegt es nicht an den Kosten. Denn es würde 70 bis 100 Milliarden Dollar kosten, um die nötigen Maßnahmen zu ergreifen – also etwa jene Summe, die in zwei Jahren in Flammen aufgeht.
Schon in zwei Jahren profitabel
Warum also bleibt ungetan, was sich schon innerhalb von zwei Jahren rechnet? „Es ist der Mangel an Pipelines, an Zugang zu Geld, und vor allem mit Nachdruck eingeforderter Regelungs-Standards“, heißt es im Bericht.
Es sind neun Staaten, die für das Abfackeln zu vier Fünftel verantwortlich sind:
- Russland
- Iran
- Irak
- Venezuela
- Mexiko
- Libyen
- Algerien
- Nigeria und
- die USA
In diesen Staaten wird auch die Hälfte der globalen Menge an Öl gefördert. Beim Abbrennen des Begleitgases kommt es – aufgrund ungenügender Verbrennung – auch zur Emission von schwarzem Kohlenstoff.
„Die Maßnahmen sind bekannt“
Zubin Bamji, World Bank Manager der „Global Flaring and Methane Reduction (GFMR)-Partnership: „Die Technologien, Maßnahmen, Regulierungen und Finanzierungsmöglichkeiten, um das Gas einzufangen und zu nutzen, sind bekannt.“ Aber an zu vielen Bohrlöchern fehle „die Priorisierung, der politische Wille und die entsprechende Konsequenz zur Umsetzung.“ Und deshalb würden „die Kosten der mangelnde Aktivität gemessen in verschwendeten Milliarden an Gewinnen und Verlust an Energiesicherheit für Abermillionen Menschen.“
So wenig erfreulich die nähere Betrachtung dieses Themas ist – es gibt auch Positives zu berichten: So hat Kasachstan das Flaring um 87 Prozent verringert (seit 2012) und eine zusätzliche Verringerung um weitere 16 Prozent im Vorjahr verbucht. Das Rezept dafür war einfach: Konsequenz und Druck bei der Formulierung und Überwachung einschlägiger Regelungen, ein klares und unmissverständliches Bekenntnis der Regierung und gezielte Förderung der notwendigen Infrastruktur.
Warum wird überhaupt abgefackelt?
Warum wird Gas überhaupt abgefackelt? Bei der Förderung von Rohöl kann ein plötzlicher, starker Anstieg des Druck entstehen. Selten – aber doch – kann es dazu zu Explosionen kommen, worauf Brände die Folge sein können, die schwierig zu löschen sind. Das Abfackeln verringert den Druck.
Als wirtschaftliche Begründung für das Abfackeln wird ins Treffen geführt, dass die einzelnen Bohrtürme eines Ölfelds voneinander zu weit entfernt sind, sodass nicht genügend Begleitgas vorhanden sei, um ein Einfangen dieses Gases rentabel erscheinen zu lassen.
Ausweitung der Ölproduktion um ein Drittel
Die Ölproduktion weltweit ist zwischen 1996 und 2024 um ein Drittel gestiegen, das Abfackeln dagegen hat lediglich um ein Prozent zugenommen. Aber: In Russland wird am meisten abgefackelt (fast ein Fünftel der globalen Gesamtmenge) und hier gibt es eine Steigerung von neun Prozent (trotz abflachender Öl-Produktion). Rund 60 Prozent der Zunahme beim Abfackeln geht auf das Konto von Anlagen in drei Ländern:
- Russland
- Mexiko und
- Iran.
Programm läuft seit 2015
Die Weltbank hat 2015 ein Programm gestartet, dass mit dem Routine-Abfackeln bei neuen Anlagen erst gar nicht begonnen werden soll und dass bei bestehenden Anlagen, wo dies praktiziert wird, dies bis spätestens 2030 gestoppt wird.
Die Initiative der Weltbank, dem Abfackeln von Begleitgas bei der Ölförderung ein Ende zu bereiten, wird von vielen Staaten, Firmen und Institutionen mitgetragen – sie decken etwa 60 Prozent des Abfackelns ab.
- Ägypten
- Angola
- Azerbaijan
- Bahrain
- Brasilien
- California (U.S.)
- Colorado (U.S.)
- Deutschland
- Dänemark
- Ecuador
- Frankreich
- Gabun
- Indonesien
- Irak
- Kasachstan
- Kamerun
- Kanada
- Kolumbien
- Republic of Kongo
- Libyen
- Marokko
- Mexiko
- Niederlande
- Neuseeland
- Niger
- Nigeria
- Norwegen
- Oman
- Peru
- Russland
- Saudi Arabia
- Süd-Sudan
- Turkmenistan
- Usbekistan
- Vereinigten Königreich
- Vereinigte Staaten von America
- Western Australia
Drei große Öl und Gas produzierende Staaten tragen die Weltbank-Initiative nicht mit:
- Algerien
- Iran
- Venezuela
Entwicklungs- Einrichtungen
- African Development Bank (AfDB)
- Agence Française de Développement (AFD)
- Asian Development Bank (ADB)
- Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB)
- CAF – Development Bank of Latin America
- East African Development Bank (EADB) West African Development Bank (BOAD)
- ECOWAS Bank for Investment and Development (EBID)
- European Bank for Reconstruction and Development (EBRD)
- European Investment Bank (EIB)
- Inter-American Development Bank (IDB)
- Islamic Development Bank (IsDB)
- OPEC Fund for International Development (OFID)
- United Nations Sustainable Energy for All (SE4All)
- World Bank Group
Internationale Öl- und Gaskonzerne
- ADNOC
- bp
- Cairn Energy
- Cepsa
- Chevron
- Chord Energy
- Civitas Resources
- ConocoPhillips
- Ecopetrol
- Eni
- Entreprise Tunisienne d’Activités Pétrolières
- EOG Resources (Committed to ZRF by 2025)
- Equinor
- ExxonMobil
- Frontier Oil Limited
- Galp Energia
- Gazprom Neft
- Harbour Energy
- Hess Corporation (Committed to ZRF by the end of 2025)
- Ithaca Energy
- KazMunayGas
- KazPetrol Group
- Kuwait Oil Company
- LUKOIL
- MOL Group
- Neptune Energy
- Niger Delta Petroleum Resources Ltd.
- Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC)
- Nile Petroleum Corporation
- Oando Energy Resources
- Occidental
- Oil India Limited
- OMV Group
- ONGC
- Pan Ocean Oil Corporation Ltd.
- Pemex
- Pertamina
- Petroecuador
- Petrobras
- Petroleum Development Oman (PDO)
- Petronas
- Pioneer Natural Resources
- QatarEnergy
- Range Resources
- Repsol
- Santos
- Saudi Aramco
- Seplat Petroleum Development Company Plc
- Savannah Energy
- Shell (Committed to ZRF by 2025)
- SOCAR
- Societé Nationale des Hydrocarbures (SNH)
- Societé Nationale des Petroles du Congo (SNPC)
- Sonangol
- Sonatrach
- TotalEnergies
- Uzbekneftegaz
- Vista
- Wintershall Dea
- Woodside
Mehr:
news330-link Erdgas enthält krebserregendes Benzol
web-link Weltbank-Statistik über das globale Abfeckeln von Begleitgas bei der Ölförderung https://www.worldbank.org/en/programs/gasflaringreduction/global-flaring-data




























































