Der Copernicus Climate Change-Dienst (CCCS) läst in seinem aktuellen Bericht keine Zweifel aufkommen: Die Klimaänderung legt an Tempo zu, der menschliche Einfluss ist völlig unstrittig.
Im Jahr, in dem die Klimakonvention in Rio de Janeiro unterschrieben worden ist, summierten sich die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen auf 37,9 Gigatonnen (= Milliarden Tonnen). 2025 wurde ein neuer Höchstwert erreicht – mit 56,8 Gigatonnen – einem Plus also von 49,8%.
Meeresspiegel stieg um 23 Zentimeter
Diese Zahl ist eine von vielen, die ein Team von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern in globaler Zusammenarbeit zum Bericht „Indicators of Global Climate Change“ zusammengetragen und bewertet hat.
Mitgearbeitet haben 70 Expertinnen und Experten, unter ihnen auch IPCC Lead Autorinnen und Autoren von 56 Forschungseinrichtungen, die sich in 17 Ländern befinden. Noch deutlicher ist die Veränderung der Energiebilanz des Globus. 1750 war sie noch bei Null Watt pro Quadratmeter; 1950 lag sie bei 0,35 W/m2, 1992 dann schon bei 1,35 W/m2, 2025 aber bei 3,1 W/m2. Der Meeresspiegel ist seit 1901 um 22,96 Zentimeter gestiegen.
Diese Indikatoren werden alljährlich untersucht:
- Treibhausgas-Emissionen
- Treibhausgas-Konzentrationen
- Emissionen kurzlebiger klimawirksamer Gase
- Effektiver Strahlungs-Antrieb
- Energie-Ungleichgewicht der Erde
- Beobachtung der globalen Oberflächentemperatur
- Vom Menschen beeinflusste Temperatur-Änderung
- Verbleibende Carbon-Budget
- Maximale Temperatur an der Land-Oberfläche
- Globaler Niederschlag an Land
- Globaler Durchschnitts-Anstieg des Meeresspiegels
- Marine Hitzewellen-Tage

Die Aufschlüsselungen, woher die Belastung durch die Treibhausgase stammt, ist ebenfalls glasklar:
- Fossile Brennstoffe 36,8 Gigatonnen (70 % der Gesamtemissionen)
- Landnutzung (inkl. Forstwirtschaft) 4,6 Gt; 8,1%
- Methan 9,3 Gt, 16,4%
- Lachgas 2,6 Gt, 4,6%
- F-Gase (Klimaanlagen) 1,7 Gt, 3%
Gegenüber den Basis-Jahren zwischen den Jahren 1850 und 1900 hat die Temperatur um 1,39 Grad Celsius zugenommen. 1,37oC sind dabei auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Die Erwärmung steigt immer rascher, derzeit nimmt die Durchschnittstemperatur pro Dekade um 0,27 Grad zu.
Mehr Emissionen – häufiger und heftigere Schäden
Vor etwas mehr als zehn Jahren ist im Dezember 2015 in Paris beschlossen worden, dass die Emissionen von Treibhausgasen so reduziert werden, dass die globale Durchschnittstemperatur um deutlich weniger als zwei Grad und idealerweise nicht mehr als 1,5 Grad Celsius (verglichen mit dem Referenzwert, des Durchschnitts zwischen 1850 und 1900.
Dieser Wert – 1,5oC – ist ein politischer Kompromiss gewesen, nachdem Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Menge an Emissionen und die Heftigkeit und Häufigkeit der klimatischen Änderungen in Beziehung gesetzt haben. Je mehr emittiert wird, desto häufiger und heftiger treten die Folgen auf. Die Schadensereignisse in den vergangenen zehn Jahren haben die Aussagen von damals bekräftigt.
Nur noch zehn Milliarden Tonnen
1,5oC steht als Ziel immer noch im Raum, ebenso wie zahlreiche Ankündigungen und Versprechen von Emissions-Reduktionen. Angesichts der realen Entwicklung steigender Emissionen stellt sich allerdings die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das 1,5oC-Ziele zu erreichen.
Auch dazu gibt es im Indicator-Report Berechnungen und die Frage lautet: Wie viel an Treibhausgasen darf noch in die Atmosphäre geblasen werden?
Wenn die Welt beschließen sollte, die 1,5oC-Grenze mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht überschreiten zu wollen, dann darf nur noch ein Rest an Treibhausgasen in die Atmosphäre gelangen: zehn Gigatonnen, weniger als ein Viertel der Jahres-Emissionen des Jahres 2025. Mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit bleibt der Welt ein Rest-Budget von 130 Gt. Bei derzeitigem Ausmaß der Emissionen sind auch diese 130 Gt nach nicht einmal zweieinhalb Jahren verpulvert.

1,5oC noch vor 2030
Vor diesem Hintergrund heißt es im Bericht, dass es im Bereich des Wahrscheinlichen liegt, dass die bei der Klimakonferenz in Paris festgelegten 1,5oC-Grenze noch vor 2030 erreicht werden kann. Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die diesen Copernicus-Report erstellt haben, sind in ihren Einschätzungen und Kommentaren eindeutig.
Piers Forster, Direktor des Priestley Centre for Climate Futures an der Universität Leeds und Hauptautor der Studie: „Ein wichtiger Indikator ist die Energiebilanz der Erde. Sie misst, wie schnell sich Wärme im Klimasystem ansammelt und liefert ein entscheidendes Maß für das Tempo des Klimawandels. Ohne menschlichen Einfluss sollte sie nahe null liegen, doch sie wächst seit den 1970er Jahren und hat nun einen Rekordwert erreicht; sie hat sich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt.“
„Weltweit spürbar“
Samantha Burgess, Strategische Leiterin für Klima beim Copernicus Climate Change Service (C3S) des European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF), erklärt: „Unsere Studie belegt, dass die Erwärmung des letzten Jahrzehnts fast vollständig auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Die Auswirkungen auf Lebensgrundlagen und Ökosysteme sind bereits weltweit spürbar und werden sich mit weiter steigenden Temperaturen noch verstärken.“
Matt Palmer, Wissenschaftler beim britischen Wetterdienst Met Office: „Es lässt sich auf ein einfaches Prinzip zurückführen: Wir emittieren mehr Treibhausgase als je zuvor. Dadurch steigen die Treibhausgaskonzentrationen, was immer mehr Wärme in der Atmosphäre speichert und das globale Gleichgewicht stört.“
„Schädigt Lebensgrundlagen und Ökosysteme“
Karina Von Schuckmann, Seniorberaterin für Meereswissenschaften und -politik bei Mercator Ocean International, fügt hinzu: „Das Energie-Ungleichgewicht der Erde verschärft sich rasant und führt zu Veränderungen in allen Komponenten des Klimasystems, darunter die Erwärmung der Ozeane und Kontinente, das Auftauen des Permafrosts, der Eisverlust und der Anstieg des Meeresspiegels.“
Das zunehmenden Energie-Ungleichgewicht der Erde beschleunigt sich der globale der Anstieg des Meeresspiegels. Aimée Slangen, Forschungsleiterin am Königlich Niederländischen Institut für Meeresforschung (NIOZ), meint dazu: „Im Jahr 2025 erreichte der globale Meeresspiegelanstieg mit 23 cm seit 1901 einen neuen Rekordwert. Dies entspricht einer Rate von etwa 1,8 mm pro Jahr, und diese Rate nimmt rasant zu. Das mag gering erscheinen, doch selbst diese Veränderung führt zu verstärkten Küstenüberschwemmungen in tiefliegenden Gebieten weltweit und schädigt Lebensgrundlagen und Ökosysteme.“
65 marine Hitzewellen
June-Yi Lee, Professorin am Forschungszentrum für Klimawissenschaften der Pusan National University, streicht die Zahl der marinen Hitzewellen hervor. Sie treten immer häufiger auf, was mit der fortschreitenden Erwärmung der Meeresoberfläche einhergeht.
Die Anzahl der Tage mit marinen Hitzewellen hat sich weltweit zwischen 1991 und 2025 mehr als verdreifacht. 2025 gab es 65 marine Hitzewellen. „Diese Ereignisse schädigen marine Ökosysteme und bedrohen Nahrungsmittelproduktion, Wirtschaft und Küstenschutz. Sie stören außerdem den Kohlenstoffaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre, den Säuregehalt und den Sauerstoffgehalt der Ozeane und können extreme Wetterereignisse an Land verstärken.“

Chris Smith, Senior Research Scholar am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), weist schließlich auf eine prekäre Situation von Forschungsprogrammen hin: „Die diesjährige IGCC-Konferenz umfasste über 40 globale Datensätze, von denen viele nun durch Finanzierungsentscheidungen gefährdet sind.“
Gefährdete Finanzierung
„Wir brauchen konzertierte internationale Maßnahmen und eine enge Koordination, um die Kontinuität der Klimabeobachtungen zu gewährleisten. Andernfalls werden künftige Bewertungen deutlich schwieriger, gerade jetzt, wo dringender Klimaschutz geboten ist.“
Erst durch jüngste Entscheidungen der Trump-Administration, Klimaforschungen finanziell auszuhungern, zeigt sich, wie schwach manche Forschungen und Datenbanken abgesichert sind.
Mehr:
- news330-link Klima-Forscher streichen zwei Szenarien
- web-link Dashboard der wichtigsten Indikatoren des Klimawandels. Hier lassen sich auch individualisierte Auswertungen erstellen. Das Dashboard wurde von der IIASA entwickelt.
- web-link Der Bericht: Indicators of Global Climate Change 2025: annual update of key indicators of the state of the climate system and human influence
Videos und Graphiken werden von Copernicus zur Verfügung gestellt.




























































