Eine Kommission legt in Oslo einen Bericht über die Atomkraft vor. Der Befund ist eindeutig: Atomkraft ist keine Option, sie rechne sich nicht.
Im Juni 2024 hat die norwegische Regierung eine 12-köpfige Kommission von Expertinnen und Experten eingesetzt und beauftragt zu untersuchen, ob Atomkraft eine sinnvolle Option für das skandinavische Land sei. Nun hat die Kommission einen knapp 500 Seiten umfassenden Bericht an Energieminister Terje Aasland übergeben.
Norwegen hat bisher kein Atomkraftwerk in Betrieb. Strom kommt zu mehr als 90 Prozent aus Wasserkraftwerken und zu 8,6 Prozent aus Windkraft-Anlagen.
Atomkraft ist nicht profitabel
Der Schluss, der gezogen wird, könnte nicht eindeutiger sein: „Unsere Analyse kommt zu einer klaren Overall-Beurteilung. Angesichts der derzeitigen Kosten und der bestehenden Preise für Elektrizität können wir für die kommenden Jahre sagen, dass es nicht profitabel ist, in die Atomkraft zu investieren“ sagt Linda Nøstbakken. Sie ist Direktorin für Forschung in der Wirtschafts-Abteilung der Statistik-Behörde Norwegens und Professorin an der Norwegischen School of Economics. Nøstbakken ist eines der Mitglieder der Atomkraft-Kommission.
Und weiter: „Die Kommission empfiehlt nicht, zum jetzigen Zeitpunkt ein Atomkraft-Programm zu starten.“ Damit Atomkraft wirtschaftlich werde, müssten Strompreise massiv in die Höhe gehen und die Investitionskosten müssten „dramatisch“ sinken.
Klima: „Atomkraft käme zu spät“
In der Arbeit werden Elektrizität und Technologien analysiert und auch weitergehende Fragen erörtert, wie etwa Beschäftigungseffekte, industrielle Entwicklung, neue Wertschöpfungsketten, ethische Fragen und schließlich auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Beleuchtet wird auch die Frage, inwieweit Atomkraftwerke in der Klimadebatte eine Relevanz haben. Nøstbakken: „Es ist kaum realistisch zu erwarten, dass Atomkraft vor 2045 eine Rolle in Norwegens Energiepolitik spielen könnte. Das bedeutet auch, dass Atomkraftwerke – selbst unter günstigsten Annahmen – zu spät fertiggestellt würden, um eine signifikante Rolle spielen zu können, wenn Norwegen seine Klimaziele bis 2050 erreichen wird.“
„Argumente zu schwach“
Angesichts dieses Befunds stelle sich damit die Frage von Zuschüssen: „Soll der Staat eine Technologie stützen, die nicht profitabel ist, aber andere Vorzüge mit sich bringt? Einige Länder haben dies getan. In Norwegen sind dafür allerdings die Argumente nur sehr schwach.“ Nøstbakken verweist auf den hohen Anteil Erneuerbarer Energien und auf die Nicht-Verfügbarkeit einer nuklearen Expertise.
Zuletzt ist die Atomkraft als in Frage kommende Energievariante 1978 untersucht worden. 1986 (nach der Katastrophe im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl) hat das norwegische Parlament beschlossen, dass Atomenergie „keine relevante Energieform in Norwegen“ sei.
Der Kommissionsbericht wird nun zur Konsultation aufgelegt. Diese Periode endet am 8. Oktober, dann ist wieder die Regierung am Wort. Sie sicherte in einer Aussendung zu, dass das Parlament „in geeigneter Weise“ eingebunden werde.
Trotzdem: Atom-Projekte in Diskussion
In der Vergangenheit gab es des öfteren Meldungen über AKW-Pläne, etwa ganz im Norden des Landes an der Grenze zu Russland. Konkreter erscheint ein Atom-Projekt 50 Kilometer südwestlich von Trondheim. Bereits 2023 ist der Plan für den Bau des Atomkraftwerks Taftøy Næringspark in Aure und Heim bekannt geworden.
Dieses AKW soll aus mehreren „Small Modular Reactors“ bestehen und jährlich 12,5 TerraWattstunden Strom produzieren. Die Ministerien für Energie, Gesundheit sowie Umwelt und Klima haben zu Jahresbeginn eine Umweltverträglichkeitsprüfung für dieses AKW initiiert. Die Regierung hat daraufhin allerdings angekündigt, keine Stellungnahme zu dem Projekt abgeben zu wollen, solang der Kommissionsbericht nicht vorliege.
Mehr:
- web-link Norskkjernekraft – Kraftwerksbetreiber möchte trotzdem ein AKW errichten































































