Der österreichische Biodiversitätsrat blickt zurück – nicht im Zorn, aber jedenfalls ernüchtert. Für 2025 ist nichts Erfreuliches zu vermelden.
In keinem der bewerteten Bereiche konnte eine Verbesserung festgestellt werden, erstmals konnte überhaupt keine grüne Ampel mehr vergeben werden – das ist die Zusammenfassung in Kurzform. Der österreichische Biodiversitätsrat – ein Gremium von 22 Expertinnen und Experten – kritisiert, dass „ein Regierungsprogramm ohne Biodiversität kein Zukunftsplan ist“.
Fünf Hauptforderungen
Der Biodiversitätsrat ist erstmals 2019 in der Öffentlichkeit aufgetreten und hat eine Einschätzung der Artenvielfalt in Österreich vorgelegt. Aufgrund der vorhandenen Defizite hat dieses Gremium fünf Hauptforderungen gestellt und diese in 23 Unterthemen näher definiert. Der Biodiversitäts-Monitor werden jährlich vorgelegt und zeigen die aktuellen Entwicklungen auf.
Die fünf Hauptthemen lauten:
- Schutz von Arten und Lebensräumen
- Nationale Verantwortung und internationale Verpflichtungen
- Natur als Leitprinzip politischer Entscheidungen
- Bildungsoffensive für Naturkompetenz
- Grüne Infrastruktur strategisch ausbauen
In einer Presseaussendung wird darauf hingewiesen, dass „Biodiversität die Grundlage für Ernährungssicherheit, Gesundheit, wirtschaftliche Stabilität und Lebensqualität ist. Ihr Erhalt ist damit eine zentrale Zukunftsfrage für Österreich. Die Sicherung von arten- und strukturreichen Lebensräumen entscheidet maßgeblich darüber, wie widerstandsfähig unsere Gesellschaft und Wirtschaft gegenüber Krisen und Umweltveränderungen bleiben.“ Gefordert werden „strukturelle Reformen, verbindliche Zielvorgaben und ausreichende finanzielle Mittel.“ Es sei „entschlossenes Handeln“ nötig, um geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen und den Bodenverbrauch zu verringern. „Biodiversität ist keine Randfrage,“ heißt es weiter.
„Massive Kürzungen“
Franz Essl, Professor an der Universität Wien und Wissenschafter des Jahres 2022: „Die Umweltpolitik der neuen Bundesregierung ist bisher enttäuschend, Im Umweltbereich wurden massive finanzielle Kürzungen durchgeführt.“

Andreas Tribsch (Uni Salzburg) ergänzt: „Bereits beschlossene Maßnahmen bleiben hinter ihren Zielen zurück, konkrete Zielsetzungen, verbindliche Maßnahmen und eine gesicherte Finanzierung fehlen weitgehend. Um internationalen Verpflichtungen gerecht zu werden, sind ein nationales Biodiversitätszentrum und akkordiertes Monitoring dringend notwendig.“
Alice Vadrot (Uni Wien) fordert, dass „Planungssicherheit und Kontinuität in der Biodiversitätspolitik gewährleistet werden.“ Außerdem sollten „Beteiligungsmöglichkeiten wie etwa bei der Renaturierung konsequent genutzt werden.“
„Zu zaghaft und zu kleinflächig“
Irmgard Greilhofer, außerordentliche Professorin an der Uni Wien, kritisiert, dass Biodiversität ein „politisches Randthema“ bleibe. „Österreich verpasst Reformen in Forschung und Bildung. Es fehlen ein nationales Forschungsprogramm, institutionelle Strukturen, wirksamer Wissenstransfer und eine zeitgemäße Bildungsoffensive – ein deutliches Zeichen für mangelndes Problembewusstsein und fehlenden politischen Umsetzungswillen.“
Und Privatdozent Johannes Rüdisser (Uni Innsbruck) räumt ein, dass Österreich Biodiversität zwar fördere, aber „noch immer zu zaghaft, zu kleinflächig und zu widersprüchlich. Mit der Wiederherstellungsverordnung der EU gibt es nun erstmals einen verbindlichen Rahmen, um ökologische Infrastruktur langfristig und strategisch zu planen.“
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