Eine Hitzewelle erfasst halb Europa, die ersten Todesfälle, die direkt oder indirekt auf Hitze zurückzuführen sind, sind zu beklagen. Und in Indien kommen bei mehr als 46 Grad Dutzende ums Leben.
In einer Jahreszeit, die gewöhnlich im Durchschnitt bei 17 bis 18 Grad Celsius liegt, wurden in dieser Woche Ausreißer festgestellt, die ihresgleichen suchen. In Key Garden im Süden von London wurden 34,8 Grad gemessen, und sogar in Irland waren es noch 28,8 Grad. In London selbst wurde auch in der Nacht die 20-Grad-Grenze nicht unterschritten.
49 Grad
Großbritannien war der nordwestliche Teil dieser Hitze-Glocke, die in Kontinental-Europa viel extremer ausgefallen ist. In Frankreich. Spanien und Italien war ebenfalls von Extremwetter betroffen.
In Paris wurde heuer erstmals mehr als 30 Grad Celsius gemessen, und die Lufttemperatur in französischen Hauptstadt lag beinahe um zwei Grad darüber, konkret bei 31,9oC. In Spanien und Italien wären dies beinahe „Normaltemperaturen“ gewesen, in diesen Ländern bewegten sich die Temperaturen häufig zwischen 35 bis knapp unter 40 Grad, und brachten häufig neue Höchsttemperaturen in die einzelnen Regionen.
58 Opfer in Indien
In Pakistan und Saudi-Arabien wurden 48oC gemessen, in Indien 49oC. Dort appellierte Premier Narendra Modi an die Bevölkerung, sich vor Hitze in Schutz zu nehmen, was ihm auf Social Media-Accounts einen Shit-Storm aussetzte, zumal ihm vorgeworfen wird, zu wenig gegen die Klimakrise zu unternehmen.
In Europa wird von einigen Todesopfern berichtet, die direkt oder indirekt durch die Hitze umgekommen sind. In Berufung auf die indischen Gesundheitsbehörden der Zentralregierung und der Bundesstaaten melden indische Medien 58 Tote – in Uttar Pradesh kamen 17 ums Leben, in Telangana 16, in Mayda Pradesh 14 und in Maharashtra 11.
„Ohne den Hauch von Zweifel“
Die wissenschaftliche Einordnung dieser Wettersituationen ist eindeutig: „Ohne den Hauch von Zweifel wissen wir, dass Hitzewellen wie diese ausgeprägter und kräftiger werden durch unseren Ausstoß von Treibhausgasen“, sagt Peter Thorne, Direktor des Icarus Klimaforschungszentrums an der Maynooth Universität in Irland.
Attributionsforscherin Friederike Otto, Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College in London: „Das Klima, mit dem wir heute leben, ist nicht mehr das Klima, in dem wir aufwuchsen. Diese Hitzewelle ist voll mit lauter Fingerabdrücken des Klimawandels. Solche Temperaturen waren selbst in heißen Sommertagen eine Seltenheit.“
„Schlicht gefährlich und potentiell tödlich“
„Aber die Wissenschaft ist klar: Klimawandel macht diese Hitzewellen heißer, länger und häufiger.“ Otto konzediert, dass es auch Erfolge gebe, die Emissionen zu verringern, „aber das ist nicht genug. Temperaturrekorde werden weiterhin überboten werden, solange wir nicht konsequent die Emissionen verringern und Netto-Null erreichen.“
Garyfallos Konstantinoudis, ebenfalls Klimaforscher am Imperical College in London: „Diese außergewöhnliche Hitzewelle mitten im Frühjahr, ist mehr als eine unangenehme Unterbrechung unseres Schlafs, der Arbeit oder des Studiums. Für geschwächte Menschen ohne Zugang zu Kühlung sind diese Temperaturen schlicht gefährlich und potentiell tödlich.“
854 Städte – Tausende Tote
„Im Frühling sind solche Wetter-Konstellation besonders gefährlich, weil unsere Körper sich an derartige Temperaturen noch nicht akklimatisiert haben. Unsere Modelle zeigen, dass durch solche Hitzewellen in England und Wales 250 Menschen zusätzlich ums Leben kommen könnten. Das passt zu einer Studie, die wir im vorigen Sommer in 854 europäischen Städten gemacht haben. Ergebnis ware, dass Hitze Tausende vermeidbarer Todesfälle verursacht hatte – zwei Drittel davon gehen auf das Konto jener Emissionen, die dem Klimawandel zuzuschreiben sind.“
Mehr:
- news330-link Extreme Hitze ist nicht mehr extrem
- web-link Ein Blick auf das weltweite Wetter
























































