Gesünder essen, mehr Klimaschutz, geringere Kosten

(c) Pixabay

15 Millionen Menschenleben, ein Drittel der Treibhausgasemissionen und weniger Nutztiere. Eine Studie zeigt, wie die Ernährung einer größeren Weltbevölkerung günstiger werden kann.

Wer isst, macht Politik: Diesen Satz unterstreicht eine Studie, die vor kurzem in Nature veröffentlicht worden ist. Die Arbeit wurde federführend von der Cornell University durchgeführt; beteiligt waren unter anderem Forschende des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Essen wie bisher?

Es geht von einer gewachsenen Weltbevölkerung bis 2050 aus und stellt zwei Szenarien gegenüber: „Essen wie bisher“ und eine gesündere Ernährung, die weitgehend der „Planetary Health Diet“ folgt – vor allem weniger Fleisch und mehr Gemüse.

Die derzeitige Situation bedeutet, dass global 15 Millionen Menschen durch die Folgen einer Ernährung vorzeitig sterben, weil sie vor allem zu viel Fleisch zu sich nehmen und übergewichtig sind – was unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht.

Ungesunde Ernährung ist auch verantwortlich für ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen. Was Menschen essen, führt auch dazu, dass planetare Grenzen überschritten werden. Dies würde sich noch weiter verschärfen, wenn die Weltbevölkerung zunimmt.

Starke Reduktion der Tierhaltung

Alternative wurden skizziert (siehe link zur Deutschen Gesellschaft für Ernährung), aber noch nicht konkret berechnet, so die Autorinnen und Autoren der neuen Studie, die eine solche Berechnung darlegen, wenn die Menge von weggeworfenen Lebensmitteln halbiert wird. Außerdem ist die Erhöhung der Produktivität eine Hauptsäule einer nachhaltigen Landwirtschaft. Zudem ist entscheidend, dass weniger Fleisch gegessen wird.

Das führt dazu, dass im Durchschnitt sechs Prozent weniger landwirtschaftliche Fläche benötigt wird (wobei die Bandbreite von einem bis zu 26 Prozent geht). Die landwirtschaftliche Produktion würde insgesamt um 17 Prozent unter den „Business as usual“-Szenario liegen. Wirtschaftlich wäre der Produktionswert um 1,6 Billionen US-Dollar geringer. Verursacht würde dies vor allem durch die Abnahme von Nutztieren (mit einem Minus von 49 bis zu 83 Prozent), während pflanzliche Nahrung um bis zu 106 Prozent zunähme (Durchschnittswert: ein Plus von 23 Prozent).

Gewinner und Verlierer

Hauptautor Matt Gibson, Research Fellow an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, der die Studie während seiner Zeit an der Cornell University koordinierte: „Über alle von uns verwendeten Modelle hinweg könnte eine Transformation verglichen mit dem Business-as-usual-Szenario die weltweite landwirtschaftliche Flächennutzung bis 2050 um 9 Prozent und den Produktionswert der Tierhaltung um 60 Prozent verringern.“

„Die gesamte landwirtschaftliche Produktion läge um 17 Prozent unter dem Business-as-usual-Szenario, was vor allem auf Veränderungen in der Viehwirtschaft zurückzuführen ist. Diese Rückgänge werden jedoch teilweise durch Wachstum in anderen Sektoren ausgeglichen: So dürfte der wirtschaftliche Produktionswert von Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten um 23 Prozent steigen.“

„Derzeitiger Kurs die teuerste Option“

Hermann Lotze-Campen, Leiter der Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK und Co-Autor der Studie: „Unsere Studie zeigt, dass die Fortsetzung des derzeitigen Kurses die teurere Option ist. Eine wachsende Weltbevölkerung bis 2050 mit gesunder Ernährung zu versorgen, würde den Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion in etwa auf dem Niveau von 2020 halten und gleichzeitig die Umwelt- und Gesundheitskosten im Vergleich zu einem Business-as-usual-Szenario senken.“

„Die Chancen für Umwelt und Gesundheit sind enorm. Gleichzeitig erfordert der Umgang mit den strukturellen Herausforderungen im Agrarsektor eine kohärente Ernährungs- und Agrarpolitik sowie einen Dialog, der alle relevanten Akteure einschließt“, sagt PIK-Wissenschaftlerin Felicitas Beier, ebenfalls Co-Autorin der Studie.

„Hoher politischer Gestaltungsbedarf“

Denn die Belastungen betreffen vor allem ländliche Regionen mit einer starken Ausrichtung auf die Tierhaltung. Andererseits „kämen die Vorteile für Gesundheit und Umwelt einer breiteren Bevölkerung zugute“, heißt es in der Studie. So würden die Netto-CO₂-Emissionen aus landwirtschaftlichen Landnutzungsänderungen im Transformationsszenario bis 2050 im Vergleich zum Business-as-usual-Szenario um 76 Prozent sinken. Direkte Methan- und Lachgas-Emissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion gingen um ein Drittel zurück. Die Forschenden fordern hier politischen Gestaltungsbedarf ein, um diese Umschichtungen tragbar für alle zu machen.


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