Wann Erneuerbare Strom liefern

(c) Pixabay

Im Burgenland beginnt die Energiezukunft – In Nickelsdorf werden Probleme gelöst, die bisher als beinahe unlösbar punziert worden sind. Der Ausweg ist ein Kombi-Kraftwerk.

Zugegeben: Ganz neu ist die Kraftwerks-Anordnung nicht, aber sie gibt es bisher nur selten und in der breiten Öffentlichkeit ist die Meinung vertreten, dass die Erneuerbaren Energien ein Makel nicht loswerden: Nicht immer können Windkraft oder Photovoltaik Strom ausgerechnet dann liefern, wenn er auch benötigt wird. Großkraftwerke seien als Backup unerlässlich; Erneuerbare seien deshalb nur bedingt markttauglich.

Vollbetrieb im Juli

Dieses Narrativ ist nicht mehr zutreffend. Ein Beispiel dafür liefert ein Kraftwerks-Kombi, die im Burgenland kurz vor der Fertigstellung steht. Hier werden eine Photovoltaik-Anlage, Windkraft und Stromspeicher gekoppelt. Entwickler ist der Stromanbieter Püspök, ein Vorbetrieb startet in den nächsten Wochen, in denen unter anderem die Batteriespeicher zugeschaltet werden. Die Aufnahme des Vollbetriebs ist für Juli geplant.

Püspök nennt das Projekt schlichtweg “Super-Hybrid-Kraftwerk“. Hier liefern 23 Windkraftanlagen Energie (insgesamt 84 MW), zwei Photovoltaik-Parks, die zusammen 82,52 Megawattpeak liefern. Installiert werden schließlich Batteriespeicher, die auf 5.000 Quadratmeter stehen. Es ist der größte Batteriespeicher Österreichs. Die gesamte Anlage liefert Strom für 27.300 Haushalte.

Kühe grasen unter der PV-Anlage

Windkraftwerke benötigen vier bis fünf Hektar (Kran- und Betriebsflächen) Photovoltaik-Zellen sind auf 65 Hektar aufgebaut und als „Agri-PV“ angelegt – unter den PV-Zellen kann also die in der Gegend übliche Landwirtschaft betrieben werden.

Püpsök-Strom liefert aus anderen Anlagen (PV und Windkraft) Strom für etwa 330.000 Haushalte. Mit dem nun dazukommenden neuen Kraftwerk im Burgenland könnte rechnerisch der Strom fast aller Haushalte in Salzburg und im Burgenland gedeckt werden.

Weiter Ausbau bis Ende 2027

Die jetzt ans Netz gehende Anlage ist nicht das einzige Kombi-Projekt. Es ist dezidierte Unternehmensstrategie, die bestehenden Windkraft- und PV-Anlagen mit Speicher-Batterien zu ergänzen, sodass auch in Gattendorf, Mönchhof Nord, Mönchhof Süd und St. Andrä Hybrid-Standorte entstehen. Dieser Ausbau ist für die kommenden eineinhalb Jahre geplant.

Im Zuge einer Präsentation der Anlage sagt Geschäftsführer Lukas Püspök: „Mit dem Super-Hybrid-Park in Nickelsdorf zeigen wir, wie die Energieversorgung der Zukunft funktioniert, und zwar erneuerbar, flexibel und unabhängig von fossilen Energieträgern.“ Und: „Super-Hybrid-Systeme ermöglichen es, erneuerbare Energie nahezu unabhängig von Wetter und Tageszeit verlässlich verfügbar zu machen.“

Studie: 100 Milliarden liegen auf Eis

Unterdessen hat das Netzwerk „Beyond Fossil Fuels“ bei der schwedischen Beratungsfirma „Afry“ eine Studie in Auftrag gegeben, um den Stand der Wende hin zu Erneuerbaren Energien in acht europäischen Ländern zu erheben. Analysiert wurde der Statusquo in Deutschland, Bulgarien, Griechenland, Großbritannien, Italien Polen, Spanien und in der Tschechischen Republik.

In diesen Ländern sind Erneuerbare-Projekte (PV und Wind) im Ausmaß von 375 Gigawatt und 455 GW Batterie-Projekte in der Warteschleife – konkret sind dies etwa 11.000 Anfragen pro Jahr. Dabei gehe es um ein Auftragsvolumen von 100 Milliarden Euro. „Allein in Deutschland handelt es sich um 140 bzw. 130 GW“, so Henri Schmitz, Referent für Energiepolitik bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation „Germanwatch“. Es gehe in Deutschland um verzögerte Investionen in der Höhe von 45 Milliarden.

Zankapfel sind „Redispatch“-Ausgleichszahlungen

In der deutschen Bundesregierung werden nun die Vorhaben zu Erneuerbaren und zu Stromnetzen heftig diskutiert. Dabei nimmt „Germanwatch“ Anstoß am „Redispatch“-Vorbehalt, den Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche in die Debatte gebracht hat.

Bei Redispatch geht es darum, dass im Fall einer Überlastung des Stromnetzes Betreiber von Erneuerbaren ihre Anlagen vom Netz nehmen müssen, um eine Überlastung des Netzes zu verhindern. Bisher bekommen sie dafür eine Entschädigung. Jährlich ergeben sich „Redispatch“-Kosten von bis zu 1,9 Milliarden in Deutschland (in Österreich etwa zwischen 125 und 150 Millionen jährlich). Dem will Reiche mit einem Vorbehalt einen Riegel vorschieben.

„Wir brauchen einen Netzanschluss-Booster“

Das wiederum verunsichert die Betreiber von Erneuerbarer Energie, Investitionen in neue Kraftwerke steht damit in Frage. Schmitz: „Verzögerungen beim Verteilnetzanschluss blockieren Investitionen in zentrale Zukunftstechnologien und verhindern einen schnelleren Abschied von fossilen Abhängigkeiten – das ist in der aktuellen Krise doppelt teuer. Statt des kontraproduktiven Netzanschlusspakets der Bundesregierung braucht es jetzt einen Netzanschluss-Booster.“

„Problem ist viel größer“

„Gleichzeitig häufen sich Berichte von Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, die bis zu zehn Jahre auf einen Netzanschluss für Investitionen in die Elektrifizierung warten. Ohne Zweifel ist das Problem also noch viel größer, als es die Studie vermuten lässt“, berichtet Imke Irmer, Teamkoordinatorin Erneuerbare und Infrastruktur bei der Deutschen Umwelthilfe.


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