Eine Klimakonferenz entschlossenerer Art ist soeben in Santa Marta in Kolumbien zu Ende gegangen. Das Meeting gibt dem Ausstieg aus der fossil-getriebenen Wirtschaft Rückenwind.
56 Staaten waren auf dem zweitägigen Treffen in Santa Marta vertreten, mehr als 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt und viele der Länder waren mit Ministerinnen und Minister vertreten. Insgesamt, so hat das „International Institute for Sustainable Development (IISD)“ errechnet, waren ein Drittel des Konsums von fossilen Energien zu dieser Konferenz gekommen, und ein Fünftel der Fossilen-Produzenten. Das ist – angesichts des Namens der Zusammenkunft – nicht wenig: „Erste Konferenz zur Abkehr von fossilen Energien (TAFF 1 – „Transitioning Away from Fossil Fuels).“ Vor diesem Hintergrund wundert es auch nicht, dass in Santa Marta keine verbindlichen Beschlüsse gefasst worden sind.
Erst einmal in mehr als 30 Jahren
Trotzdem lassen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Ende der zweitägigen Konferenz keinen Zweifel aufkommen, dass TAFF 1 als Erfolg zu werten sei. Der Grund dafür liegt in der langen Geschichte der offiziellen Klimakonferenzen, in denen es bisher mehr um die Emissionen von Treibhausgasen und deren Folgewirkungen gegangen ist, als um die Verursacher selbst.
Deren expliziter Nennung hat es in mehr als drei Jahrzehnten erst in ein Schlussdokument einer COP (Conference of the Parties – Vertragsstaaten-Konferenz der Unterzeichner-Staaten des Klimaprotokolls) geschafft. Als die Erwähnung der Fossilen auf der COP 30 in Belém vor einem knappen halben Jahr in Brasilien scheiterte, war der Unmut so groß, dass sich – auf Initiative der kolumbianischen und der niederländischen Delegation eine „Gruppe der Willigen“ gefunden hatte, um die Fossilen explizit zu zu thematisieren. Dabei wurde der Termin in Santa Marta fixiert – zu einer Klimakonferenz der entschlosseneren Art gewissermaßen.
Drei Arbeitsgruppen + neue Expertise durch SPGET
Von dieser Entschlossenheit haben die teilnehmenden Staaten auch während dieses Treffens nichts abgelegt, allerdings gab es auch keine Beschlüsse von verpflichtenden Maßnahmen und Verschärfung von Reduktionen der Treibhausgase. Diskutiert wurden mögliche Wege, wie die wirtschaftliche Abhängigkeit von fossiler Energie überwunden werden könne und wie die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit in einer Umwelt ohne Fossile Energien etabliert und ausgeweitet werden kann.
Breiten Raum der Gespräche nahm ein, wie konkret ein Übergang zu einer Wirtschaft ohne Fossile Energie erreicht werden könne. Dazu gibt es drei Arbeitsgruppen – zu makroökonomischen Abhängigkeiten, zur Finanzarchitektur und zu Handelssystemen ohne Fossile. Die wissenschaftlichen Fragen, wie aus Öl, Gas und Kohle ausgestiegen werden kann, soll ein neu geschaffenes wissenschaftliches Gremium erarbeiten: das „Science Panel for the Global Energy Transition (SPGET)“. Als wesentlich wird schließlich herausgestellt, dass 2027 eine weitere Konferenz der Willigen organisiert wird (TAFF 2), federführend dabei werden Tuvalu und Irland sein.
„1,5 Grad-Grenze wird überschritten“
Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung legte in Santa Marta dar, dass die Welt die 1,5 Grad Grenze überschreiten werde; die Reduzierung der Emissionen von diesem Overshoot sei möglich, erfordere aber erheblichen Einsatz. Das SPGET habe vier Zielrichtungen:
- die Überarbeitung der von der Wissenschaft erarbeiteten Zeitpläne;
- eine Neubewertung der effektivsten und sozial akzeptabelesten Maßnahmen-Pakete;
- Aufzeigen der Hindernisse, die der Transformation in eine fossil-freie Welt behindern;
- Erarbeiten von Strategien für Regierungen und Modelle der internationalen Kooperation.
Irene Vélez Torres, kolumbianische Ministerin für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, strich in ihrem Statement hervor, dass die Fossilen Energien nicht nur die Klimakrise anheizen, sondern auch für die Ungleichheiten der Weltwirtschaft verantwortlich sind, aber auch dafür, dass sie „eine neokoloniale Wirtschaft“ etabliert haben. Drei Jahrzehnte lang sei versucht worden, die Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle multilateral zu diskutieren.
„Bruchlinie der globalen Ordnung“
Zu den TAFF-Konferenzen meint sie: „Die Hoffnung liegt im kollektiven Ansatz; diese Klimakrise kann es möglich machen, dass eine neue internationale Kooperation entstehen könnte. Wir leben an der Bruchlinie der globalen Ordnung, wie wir sie kennen.“
Die Mitglieder der türkischen Delegation legte dar, dass es keine Patent-Lösung für alle gebe. Bei der Abkehr von den Fossilen müssten die natioanlen Umstände, Entwicklungs-Prioritäten, Zugang zu Finanzen und technische Voraussetzungen in Betracht gezogen werden. Für die COP 31-Präsidentschaft seien drei Zugänge zentral: Dialog, Konsens und Aktion.
Möglicherweise ist diese Wortspende auch erste Andeutung, dass ein Schlussdokument der 31. COP, die in Antalya, in der Türkei im November stattfindet, auch ohne die explizite Erwähnung der fossilen Energien möglich sei – jedenfalls für die Türkei.
Mehr:
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