Renaissance: Kein Zufall, sondern Strategie

Aus allen Ecken ist von einer „Renaissance“ der Atomkraft die Rede. Das kommt nicht von ungefähr, sondern ist Strategie.

Es sind knapp mehr als 70 Jahre ins Land gegangen, seit – erst in der Sowjetunion, dann kurz danach in England – ein Atomkraftwerk in Betrieb genommen worden ist. Der anfänglichen Euphorie ist kein Boom gefolgt. Ist es zunächst aufwärts gegangen, so ist darauf bald wieder ein Abschwung gefolgt. Auf und Ab gab es mehrmals, des öfteren schon ist von einer „Renaissance“ die Rede gewesen.

Tun, was sie ohnehin schon lange tun

So wie derzeit. Wir sparen uns die Erörterung, inwieweit dieser Begriff – Renaissance – überhaupt zum Auf und Ab einer Technologie passt, und beleuchten die Frage, ob es derzeit einen Aufschwung gibt. Die Frage ist ja nur dann zu bejahen, wenn man auf Menge und Intensität von Wortmeldungen zu dem Thema blickt.

Hier scheint eine ausgetüftelte Strategie dahinter zu stecken. Beginnend mit einer Klimakonferenz, in der sich Länder, die in den meisten Fällen ohnehin schon auf Atomkraft setzen und Konzerne, die daran verdienen, eine Allianz schmieden, die tut, was deren Mitglieder ohnehin schon lange tun: die Werbetrommel für Atomkraft rühren.

Segen in festgefahrenen Debatten

Und dann der Auftritt der Kommissionspräsidentin von der Leyen, die es als „strategischen Fehler“ bezeichnet hat, den Ausstieg aus der Atomkraft favorisiert zu haben. Derartige Statements werden untermalt von geschäftigen Untertönen einer Atomkonferenz, ausgerechnet in Paris, in der die nukleare Wiederbelebung beschworen wird. Immer wieder zu hören ist eine Abkürzung, die beinahe als Segen in festgefahrene Debatten gehaucht wird: SMR – kleine, modulare Reaktoren. Solcherart Gedanken standen bereits zu Sowjet-Zeiten Pate (RBMK), vor 50 Jahren; aber sei’s drum.

Es gibt auch noch andere frohlockende Abkürzungen wie „EPR 2“, der auch gerne als „Evolutionary Power Reactor“ vermarktet wird. Beliebt ist auch, die einzelnen AKW Generationen zuzuordnen, was insinuiert, hier gebe es bahnbrechende Weiterentwicklungen. In diesem Windschatten bemüht sich der französische staatseigene Konzern EdF um ein Joint venture mit einer Rosatom-Tochter.

Offene Grundsätzliche Fragen

Und dahinter stehen oft Konstrukte von Projekten, die Jahr um Jahr an Verspätung aufreißen und Budgets sprengen, ohne dass grundsätzliche Fragen gelöst sind: die der Endlagerung, die einer Vollkostenrechnung für Bau, Betrieb, Versicherung und Abriss von Atomkraftwerken, die der Abhängigkeit von Uran aus Russland und seiner Einflusssphäre, die der Rechte jener Indigener, die in der Nähe einer Uranmine zu Hause sind. All das soll dieses eine Wort in den Hintergrund drängen: „Renaissance“.

Und jetzt werden zwei zentrale Richtlinien zu dem Thema durchgerüttelt und durchgeschüttelt. Um die darin enthaltenen wesentlichen Fragen haben die Mitgliedsstaaten einen kleineren, vielleicht auch größeren Bogen gemacht, der Relaunch des bestehenden wird vielleicht mit einer weiteren Brüsseler Richtlinie angereichert.

Die Dichte soll’s richten: Macron und von der Leyen, zweite und dritte Generation, „small“ und „modular“, ein bisschen Klimakrise da, ein wenig Richtlinie dort – so soll Atomkraft wieder salonfähig werden.

Dezentrale Sicherheit

Darüber sollten wir uns nicht hinwegtäuschen lassen: Erneuerbare sind billiger und vor allem schneller am Netz. Sie sind weniger gefährlich und bieten dezentrale Sicherheit. Bei der Speichertechnologie tut sich jetzt schon viel, mit mehr Geld täte sich aber deutlich mehr. Erneuerbar statt Renaissance.


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