Wie Bäume die Schwerkraft austricksen

(c) Pixabay

Je höher der Baum, desto anfälliger – das war für Wald-Experten bisher eine weit verbreitete These. Sie muss in Frage gestellt werden – das fordert eine Studie, die vor kurzem in „Science“ veröffentlicht worden ist.

Ein Team von 20 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern wollten es genau wissen. Die Forschenden aus Großbritannien, Malaysia, Prag und Brünn sowie Texas und Deutschland haben in Malaysia Urwald-Riesen genauer untersucht – Bäume im tropischen Regenwald, deren Kronen mehr als 70 Meter in die Höhe ragen. Vergleichsbäume waren gerade einmal etwas mehr als sieben Meter hoch.

Versorgung bis zum einzelnen Blatt

Die Fragestellung der Arbeit, die von Forschenden der englischen University of Exeter koordiniert worden ist: „Welche Auswirkungen hat die Höhe der Bäume?“ Ein Baum jedweder Höhe wird über ein System von „Adern“ versorgt, die Nährstoffe und Wasser von der Wurzel bis zu jedem einzelnen Blatt transportieren. Je höher, so der bisher verbreitete wissenschaftliche Konsens, desto schwieriger sei es, gegen die Schwerkraft anzukommen.

Die Schlussfolgerung daraus: Blätter in der Baumkrone schalten bei extremer Hitze auf einen Notfall-Modus und drehen die Photosynthese zurück. Der Transport von Wasser in die höheren Zonen des Baums limitiert das Wachstum des Baumes und lässt ihn außerdem anfälliger werden für Schädigungen durch Hitze und Dürre. Um hier einen Einblick zu bekommen, haben die Forschenden die extremen Trockenheits-Episoden vor, während und nach El Niño der Jahre 2023 und 2024 untersucht.

Weit gefehlt, sagt nun die Studie „Height does not impair the hydraulic system of the tallest tropical Dipterocarp trees“.

„Auswirkungen werden vollständig ausgeglichen“

Die Urwald-Riesen machen lediglich ein Prozent des Baumbestands aus, bunkern aber mehr als die Hälfte des Kohlenstoffs, die der Urwald bindet. Und eine Reduktion der Photosynthese sei nicht festzustellen, so die Studie. Im Gegenteil: Die mehr als 70 Meter hohen Bäume verursachen in lichten Höhen keine Verringerung der Versorgung mit Wasser und Nährstoffen und auch keine Einschränkung der Photosynthese.

Die Autorinnen und Autoren der Arbeit schreiben: „Mit zunehmender Höhe dieser Bäume passen sich ihre Holzstruktur und Blattfunktionen an, um die Auswirkungen von Weglänge und Schwerkraft vollständig auszugleichen. Unsere Studie legt nahe, dass Veränderungen in der Anfälligkeit eines Baumes für durch Trockenheit verursachte Embolien eher mit dem Mikroklima der Baumkrone und der Beschattung als mit der Baumhöhe zusammenhängen.“

„Annahme eingehender überprüften“

Und: „Folglich muss die weit verbreitete Annahme, dass die Anfälligkeit für Trockenheit mit der Baumgröße zunimmt, ebenso wie die Annahme, dass die negativen Auswirkungen der Höhe auf den Wassertransport in der Pflanze die erhöhte Sterblichkeit höherer Bäume erklären können, eingehender überprüft werden.“


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