Aus dem Reaktorkern 1 – Erinnerung an nukleare Episoden

(c) Pixabay

Diesmal Fukushima in Japan. Am 11.3.2011, vor 15 Jahren, kam es im Atomkraftwerk Fukushima. Nach Erdbeben und Tsunami kam zu Kernschmelzen und Explosionen. Das sollte auch die Physikerin Angela Merkel, damals deutsche Bundeskanzlerin, beinahe sprachlos machen.

Der 11. März 2011 begann auch im Kraftwerk Fukushima routinemäßig. Reaktor 4 war wegen einer großen Revision außer Betrieb, die Brennelemente lagerten im Abklingbecken, Nummer 5 und 6 hatten eine kleinere Revision hinter sich und waren bereits wieder mit Brennstäben beladen. Die Blöcke 1 bis 3 waren in Betrieb, wobei der dritte Reaktor mit MOX-Elementen bestückt war (Mischoxid), während 1 und 2 mit üblichen Uran-Brennstäben befüllt waren. So also startete das Kraftwerk in den Tag.

Für unmöglich Gehaltenes

Nach der Mittagspause begann, was niemand für möglich gehalten hatte: Es kam nicht zu einem GAU – einem größt anzunehmenden Unfall -, sondern es sollten sich drei solcher Ereignisse zutragen; die Abkürzung wurde neu definiert – es sollte nicht mehr ein GAU eintrete, sondern derer gleich drei.

Um 14.23 Uhr Ortszeit ging ein Beben los, dessen Epizentrum 160 Kilometer nordöstlich des Kraftwerks lag. Die ersten Wellen erreichten das Kraftwerk nach 23 Sekunden. Die Horizontalbeschleunigung der Reaktoren 2, 3 und 5 lagen bis zu einem Viertel höher als die Auslegung der Bauten.

15 Meter hohe Welle

Um 15.35 trafen die Tsunami-Wellen mit einer Höhe von bis zu 15 Metern mit voller Wucht auf das Kraftwerk. Blöcke 1 bis 4 wurden bis fünf Meter überschwemmt, die Null-Ebene befand sich zehn Meter über dem Meeresspiegel. Die Reaktoren 5 und 6 standen einen Meter unter Wassereter – der Boden war gegenüber dem übrigen Gelände etwas erhöht.

All das ließ die Kühlung der Reaktoren ausfallen, sodass Wasserstoff nach außen drang und Kernschmelzen in den ersten drei Reaktoren begannen. Wasser fehlte auch zur Kühlung in den Abklingbecken, sodass auch hier wieder Kettenreaktionen einzusetzen begannen. Die Instabilität der Reaktoren dauerte Wochen an.

Durch den Ablauf der Katastrophe entwichen Edelgase, zudem stiegen vor allem Belastungen durch Jod-131 und Caesium-137. Offizielle Stellen behaupten, dass in der Präfektur wegen der Atomkatastrophe 19.763 Personen von Evakuierungen betroffen waren, und lediglich 4881 aus der Präfektur Fukushima. Andere Quellen meinen jedoch, dass 110.000 wegen der Atomkatastrophe aus ihrer Heimat haben wegziehen müssen, 55.000 wegen der Zerstörungen durch Tsunami und das Erdbeben. 20.000 Menschen gelten noch als vermisst oder umgekommen, allerdings ist dies keine Folge der Atomkatastrophe, sondern eine von Erdbeben und Tsunami.

Kontamination von Wasser und Erde

Ein Belastungsfaktor sind auch belastetes Wasser und Erdreich. 2024 hat die Betreiberfirma Tepco 55.000 Kubikmeter mit Tritium belastetes Wasser verdünnt und ins Meer abgelassen, während 25.550 m³ wieder hinzukommen. Insgesamt sind 1,3 Millionen belastetes und verdünntes Wasser zu entsorgen.

Im Umkreis des Kernkraftwerks sind zumindest 14 Millionen Tonnen Erdreich und Schutt angefallen. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben ist dieses Material bis 2045 zu entsorgen.

Die Höhe der endgültigen Kosten bewegen sich in Schwindel erregendem Ausmaß. Der World Nuclear Industry Status nennt 80,3 Milliarden US-Dollar als jene Summe, die Tepco bisher gezahlt habe. Die Gesamtkosten werden derzeit auf 166,6 Milliarden US-Dollar geschätzt.


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Aus dem Reaktorkern


„Aus dem Reaktorkern“ versteht sich als Beitrag zur Energie-Debatte, in der es des öfteren heißt, Atomkraft garantiere eine sichere und günstige Energiequelle, und erinnert an bekannt gewordene Vorfälle, die aufgrund der IAEA-Klassifizierung als INES 4 bis INES 7 eingestuft werden.

Diese Abgrenzung geschieht vor dem Hintergrund, dass Ereignisse ab INES 4 aufwärts rasch katastrophale Züge annehmen können, wenn im Ablauf eines Krisenmanagements im Kraftwerk Unwägbarkeiten auftreten. Je höher die INES-Einstufung desto schlimmer die Folgen. 


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