Aller Propaganda zum Trotz auf die Bremse getreten

Berlin, Wien, Zürich. Und dann Olso. Der Monat geht zuneige, Zeit also für einen Blick zurück und einen nach vorn’. Es ist wieder Zeit für das Letzte.

Statistiken sind ein Luder. Denn manchmal ist es so, dass die Zahlen, die einer Statistik zugrunde liegen, unbestechlich sind. Das gilt jedenfalls für den Energieverbrauch: Die KilowattStunde hat zwar kein Mascherl, an dem man die Herkunft erkennen könnte. Aber es kann gemessen werden, von wo wohin wie viel Energie fließt.

Verschiebung nur um ein paar Tage

Und das ermöglicht aufzuzeigen, wer von wem abhängig ist. Für Deutschland. Österreich und die Schweiz zeigt sich da ein ziemlich ähnliches Bild, das sich nur um ein paar Tage verschiebt: Alle drei Länder sind aber dem frühen Frühjahr abhängig von Energieimporten – Öl und Gas.

Die Ursache dafür liegt wohl in zwei Faktoren: Mobilität und Heizen. Das allein wäre zuwenig, weil hier auch noch der Staat bzw. dessen Finanzministerium eine wichtige Rolle spielt: Es sind Milliarden an Förderungen aus der Staatskasse, die die Benutzung fossiler Energien begünstigen.

Geld in vernünftige Bahnen lenken

Es wäre also eine mehr oder weniger leichte Übung, hier die Vorzeichen zu verschieben und Geld aus den Staatskassen in vernünftigere Bahnen zu lenken – etwa hin zu Investitionen in die sanfte Mobilität. Mehr Geld also für einen Verkehr, der mehr auf die Bedürfnisse jener ausgerichtet ist, die zu Fuß unterwegs sind, oder Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel benützen. Und bei Heizungen die Weichen konsequent umzustellen, um hier von den fossilen Optionen wegzukommen. Es geschieht allerdings zu wenig und das zu langsam. Es ist ein unglaubliches Schauspiel, das man fassungslos frei Haus geliefert bekommt.

In vielen Bereichen ist Skandinavien anders, so auch in diesem Fall. Zugegeben, Norwegen kann über Energieprobleme nicht wirklich klagen, aber es hat einen grundsätzlichen Schritt in der Energeipolitik getan. Einen richtungsweisenden. Norwegen hat der Atomkraft eine Absage erteilt. Der mehr als 500 Seiten umfassende Bericht scheint eine Antwort auf eine Werbe-Kampagne der Atomindustrie zu sein, die in allen Erdteilen abgespielt wird.

Die letzten, die schnell ans Netz kommen

Originell etwa ist die Behauptung, dass Atomkraftwerke nötig seien, um den Energiebedarf in Zeiten des Klimawandels zu decken. Hier sind die AKW besonders anfällig, weil im Szenario einer heißeren Welt das Kühlwasser zu warm wird (zum Beispiel in den Vorjahren in Frankreich). Und: Die AKW sind die letzten Kraftwerke, die schnell ans Netz kommen. So kommt der von der norwegischen Regierung in Auftrag gegebene Bericht zu einem deutlichen Gesamturteil: In Norwegen seien „die Arguemnete zu schwach“.

Bleibt nur abzuwarten, ob sich dadurch für zwei konkrete Atom-Projekte, die private Firmen realisieren wollen, etwas ändert. Die Regierung ist jedenfalls aller Pro-Atom-Propaganda auf die Bremse getreten.


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