Früher war der heiße Sommer im Schuljahr eindeutig für Schülerinnen und Schüler eindeutig zugeordnet und häufig ein Sehnsuchtsort: schulfreie Monate, keine Prüfung, viel Freizeit. Heute wirft spätestens der Juni Schatten voraus – Hitze ist eine Gefährdung.
Spätestens im Juni, aber mit einrgermaßen hoher Wahrscheinlichkeit schon im Mai ist die Hitze in der Schule ein Problem. Das zeigt eine Umfrage, das AIT (Austrian Institute of Technology) gemeinsam mit der Technischen Universität Wien durchgeführt. Von 1.370 Schülerinnen und Schülern sowie 176 Lehrkräften aus fünf Schulen in Wien und Niederösterreich, haben 88% gesagt, dass Hitze in der Schule eine Belastung sei. Im Juni gelte dies für zumindest eine Woche.
Ideal: 18 bis 21 Grad
In einer Informationsveranstaltung von „Diskurs. Wissenschaftsnetz“ werden vor allem diese hitzebedingten Beschwerden genannt: Konzentrationsprobleme, Müdigkeit und Erschöpfung (von beinahe drei Viertel der Befragten). 66% sagen, dass es schwieriger sei, dem Unterricht bei Hitze zu folgen. Kopfschmerzen plagen 58%.
Die überwiegende Mehrheit glaubt, dass Hitzebelastung zunehmen werde, eine Raumtemperatur von 27 Grad Celsius wird bereits heute als „unbehaglich“ eingestuft.
Daniela Haluza (Medizinische Universität Wien, Zentrum für Public Health, Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin) grenzt die Bandbreite zwischen 18 und 21 Grad Celsius als die „optimale Raumtemperatur für kognitives Arbeiten“ ab. Bei einer Temperatur von 27 Grad sei ein Leistungsabfall von bis zu 15% möglich, bei 30 Grad eine um 30 Prozent geringere Leistung möglich. Bei 35 Grad ist dann nur noch die halbe Leistungsfähigkeit vorhanden.
Sozial ungleich verteilt
Haluza weist darauf hin, dass die Hitze für Kinder und Jugendliche besonders gefährlich sei, weil ihr Körper Wärme schlechter regulieren kann. Die Haut ist außerdem dünner, weshalb das UV-Risiko höher ist. Dazu kommt noch, dass bei Hitze Schlafstörungen und Einschlaf-Probleme häufiger auftreten.
Die Medizinerin weist darauf hin, dass „die Auswirkungen sozial ungleich verteilt sind. Schulen mit schlechter Gebäudestruktur, geringer Begrünung oder hoher Versiegelung sind deutlich stärker von Überhitzung betroffen.“ Und: „Die Klimakrise wird dadurch zunehmend auch zu einer Frage der Bildungs- und Chancengerechtigkeit.“
„Überhitztes Klassenzimmer kein geeigneter Lernort“
Sie sieht einen „klaren und dringlichen Handlungsbedarf“, um Schulen und andere Bildungseinrichtungen an die zunemende Hitzebelastung anzupassen. Etwa durch Entsiegelung, Schaffung von Grünräumen, gut durchdachte Lüftungsstrategie. „Ein überhitztes Klassenzimmer ist kein geeigneter Lernort.“
Im Rahmen eines Citizen Science-Projekts werden an fünf Schulen auch Vorschläge erarbeitet, wie die Hitzebelastung verringert werden kann. Martin Schneider (Meteorologe beim AIT mit fachlichen Schwerpunkten im Bereich Stadt- und Mikroklima): „Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass es in der Klimaanpassung an Schulen keine universelle Einzelmaßnahme gibt, die bei geringen Kosten eine hohe Wirkung erzielt und zugleich einfach umzusetzen ist.“
Stärkung der Klimaresilienz
„Vielmehr leisten die unterschiedlichen Einzelmaßnahmen jeweils einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Klimaresilienz und zur schrittweisen Verbesserung des Status quo.“ Beim Brain-Storming wurden zunächst einmal diese Vorschläge erarbeitet, um weniger von der Hitzebelastung abzukommen:
- Prüfungen verschieben (zeitlich und/oder räumlich)
- Trinkpausen während des Unterrichts erlauben
- (Unterhaltsame) Aktivitäten zum gemeinsamen ertragbar machen
- Lüftungskonzepte und – pläne
- Anpassung der Mahlzeiten in der Schulmensa
- Raumbelegung von Abschlussklassen berücksichtigen
- Entwicklung von Hitzeschutzplänen und – strategien
- Einsatz für die Anpassung des Schulkalenders und der Ferienzeiten
- Reduktion der Klassengröße
Mehr:
- news330-link „Mehr und mehr ist die Erde außer Balance“
- web link Nationaler Hitzeschutzplan
























































