Keine gute Mischung: Feinster Ruß und Schmieröl am Flughafen

(c) Pixabay

Forscher des Paul Scherrer Institut (PSI) weisen nach, dass die Belastung durch Flugzeuge bisher unterschätzt worden ist. Es gibt eine gefährliche Mischung aus Rußpartikeln mit Schmieröl.

Zwischen dem Winter 2022 und dem Sommer 2024 haben die Forscher Daten bei der Start- und Landebahn des Züricher Flughafens Kloten unter die Lupe genommen. Dabei haben sie festgestellt, dass Flugzeuge bei Start und Landung ultrafeine Partikel (UFP) emittieren, die kleiner als 100 Nanometer sind. Ein Nanonmeter entspricht einem Milliardstel Meter (109). Feinstaubkategorien, die im Straßenverkehr gemessen werden, sind deutlich größer 2,5 bis 10 Mikrometer. Ein Mikrometer ist ein Millionstel Meter groß (106).

Deutliche mehr Schadstoffe als bei „Hintergrund-Belastung“

Forscherinnen und Forscher haben am Flugfeld nicht weniger als 300.000 UFP pro Kubikzentimeter Luft gemessen. Das ist mehr als das Zehnfache der normalen Hintergrundwerte bei Nacht, wenn keine Flugzeuge starten oder landen. In Städten liegen die UFP-Werte bei 5.000 bis 40.000 Partikeln.

„Bezogen auf die Partikelmasse ist die Feinstaubbelastung am Flughafen daher geringer als in der Stadt, wo sie vornehmlich aus Straßenverkehr, Heizungen und Industrie stammt“, sagt Studienautorin Sarah Tinorua, Forscherin am Zentrum für Energie- und Umweltwissenschaften des PSI.

Kein Grund zur Entwarnung

Aber: Auch wenn das Gewicht der ultrafeinen Partikel geringer sind, besteht noch kein Grund zur Entwarnung: Denn die ganz feinen Partikel dringen weiter in die Lunge und weiter ins Blut und ins Gehirn vor; außerdem ist die Oberfläche der Partikel insgesamt größer, sodass mehr andere Schadstoffe anhaften können – zum Beispiel Chemikalien oder Plastik-Partikel.

Das Paul Scherrer Institut ist nicht die erste Forschungseinrichtung, die entsprechende Untersuchungen an Flughäfen durchgeführt hat. Aber bisher wurden Tagesmittelwerte errechnet. Anders bei der nunmehrigen Arbeit des PSI: „Wir dagegen haben das Schmieröl in Echtzeit erfasst, also unmittelbar nachdem ein Flugzeug vorbeigeflogen war“, berichtet Studienautorin Sarah Tinorua. Jedes Mal, wenn ein Flugzeug in rund 80 bis 100 Metern Höhe über die Messstation hinwegeflogen sei, hätten die Forschenden eine starke Zunahme der UFP-Konzentration registriert.

Keine Spitzenwerte mehr über einer Höhe von 300 Metern

„Das liegt daran, dass die Turbinenabgase hinter den Flügeln durch den Abwind nach unten gedrückt werden – gewissermaßen direkt in den Trichter unserer Fangvorrichtung“, so Studienkoordinator Benjamin Brem. Erst bei Flughöhen von mehr als 300 Metern seien solche Spitzen nicht mehr feststellbar, da sich die Partikel je nach Wind rasch in der Luft verteilen und kein Luftaustausch mit dem Boden mehr stattfindet, heißt es in einer Aussendung des PSI weiter.

Dass Flugzeuge vor allem ultrafeine Partikel ausstoßen, ist auf die im Vergleich zu anderen Motoren recht vollständige Verbrennung des Treibstoffs in den heißen Gasturbinen zurückzuführen. Brem: „Allerdings sind Flugzeug-Triebwerke für den Reisebetrieb in großer Höhe optimiert. Deshalb sei die Partikelbelastung bei Start und Landung höher.

Flugzeuge nur noch im Schlepptau?

Lösungsmöglichkeiten könnte der Einsatz nachhaltiger Treibstoffe sein oder die Auflage, dass Passagiermaschinen am Boden verstärkt mit elektrischen Schleppern gezogen werden.


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