1,6 Billionen Investitionen – Woher das Geld kommt, wohin es fließt

(c) Pixabay

Die grenzüberschreitenden Investitionen sind im Vorjahr weltweit um sechs Prozent gestiegen. Ist die Entwicklung nicht gleich um den Globus verteilt – das sind zwei Erkenntnisse des „World Investment Report“, den UNCTAD präsentiert hat. Grenzüberschreitend gibt es gibt weniger Geld für Erneuerbare Energien.

Nach zwei Jahren des Rückgangs ist 2025 die Summe aller grenzüberschreitenden Investitionen wieder gewachsen – um sechs Prozent. Allerdings zeigt sich bei der Analyse der Detail-Ergebnisse, „dass die Steigerung ungleich verteilt ist“, sagt Pedro Manuel Moreno, Generalsekretär der UNCTAD (UN trade and development; United Nations Conference on Trade and Development). Die Investitionen werden außerdem deutlich selektiver eingesetzt.

43 Milliarden für die wirtschaftlich Schwächsten

Dies zeigt auch die nähere Betrachtung dieser 1,6 Billionen (US-Dollar): In den Entwicklungsländern ist lediglich eine magere Steigerung von zwei Prozent zu verzeichnen (bei einer Gesamtsumme von 901 Milliarden , während in den gut und sehr gut entwickelten Ländern ein Plus von elf Prozent registriert wurden (mit einem Gesamt-Volumen von 723 Milliarden). Grenzüberschreitende Investitionen machen in den am wenigsten entwickelten Staaten (LDCs) 43 Milliarden aus, 2,3 %; in Summe bedeutete die Summe der Investitionen in LDCs ein Plus von 21%.

Big Player sind vor allem Europa, USA, Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea und China und es sind in erste Linie einige wenige Sektoren, die boomen: Künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien, digitale Infrastruktur, Halbleiter-Produktion, Abbau und Verarbeitung von Schlüssel-Mineralien und seltene Erden.

Fast die Hälfte für strategische Sektoren

Vor diesem Hintergrund kommt es dazu, dass die drei Top-Geber-Länder, die grenzüberschreitende Investitionen einsetzen, für mehr als zwei Drittel der Gesamtsumme stehen. Bei den drei Top-Empfängerländern sind es mehr als die Hälfte. Wer die „Top drei“ sind, lässt sich nicht absolut feststellen, weil es von den konkreten Sektoren abhängt (seltene Erden, Künstliche Intelligenz, etc.). Diese strategischen Sektoren machen 44 Prozent der Gesamt-Investitionen aus; 2020 waren es noch 16 % gewesen.

Regional betrachtet zeigt sich, dass eine Umschichtung im Gange ist. So geht der Wert der internationalen Projekte zurück – in Europa um vier Prozent, in Nordamerika um 24%, Afrika 21%; in Asien um 14% und schließlich in der Karibik und in Lateinamerika um 20%.

Drei Jahre Minus für Erneuerbare Energien

Dem Boom in den genannten Sektoren stehen spürbare Rückgänge gegenüber: So ist in den sich entwickelnden Staaten bei Erneuerbaren Energien ein Minus von fünf Prozent zu verzeichnen; ein Minus bereits das dritte Jahr in Folge, in denen das Investitionsvolumen abgenommen hat. Auch bei Projekten im Bereich Wasser, Abwasser und Hygiene ist ein Minus von fünf Prozent zu registrieren.

UNCTAD-Generalsekretär Pedro Manuel Moreno meint, dass das Geld vor allem in große Projekte fließe, die in vergleichsweise wenigen Staaten konzentriert sind. Zur Standort-Bestimmung der UNCTAD, sagt er: „Wichtig ist nicht, dass es grenzüberschreitende Finanzierungen um ihrer selbst willen gibt, sondern es geht darum, welche Entwicklung damit angekurbelt wird und wer davon profitiert.“

Subventionen verdreifacht

Die Organisation hat auch einen Rekord-Wert bei den Eingriffen in die Wirtschaft festgestellt: Im Vorjahre hat es 229 Regulierungen davon gegeben, so viele wie noch nie seit 1991, als der erste „World Investment Report“ publiziert worden ist. 62 dieser Regulierungen haben die Investitionslaune gebremst.

Die Subventionen stiegen im Vorjahr ebenfalls kräftig: In entwickelten Staaten auf das Dreifache (779 Milliarden), in Entwicklungsländern auf das Doppelte (179 Milliarden).

Transparenz, Bildung

Nan Li Collins, UNCTAD-Direktorin für den Bereich der Investitionen und Konzerne, sieht die Gefahr, dass Länder erläutert, dass es angesichts der gegenwärtigen Entwicklung „nicht selbstverständlich ist, dass Entwicklungsländer von Projekten profitieren können. Dazu muss Infrastruktur aufgebaut werden, Transparenz bei Regeln und Politik gegeben sein und auf dem Arbeitsmarkt ein Angebot an gebildetem Personal vorhanden sein.“

Umgekehrt sei auch festzustellen, dass in Entwicklungsländern darauf geachtet werde, welche konkreten Angebote Investoren machen können, dass Wertschöpfung auch im Empfängerland aufgebaut werden könne.


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