Ende 2027 wird die Klimaerwärmung 1,71 Grad ausmachen

(c) Pixabay

Eine Studie der Universität Graz zeigt, dass – und wann – der Korridor des Pariser Abkommens verlassen wird: Die Klimäänderung bewirkt bis Ende 2027 eine Erwärmung von 1,71 Grad Celsius (gegenüber der vorindustriellen Zeit).

Ein Team Forschender der Universität Graz berechnet, dass bis Ende 2026 die globale Durchschnittstemperatur auf 1,62 Grad gestiegen sein wird. Bis Ende 2027 sollen es dann 1,71 Grad sein.

Im Pariser Abkommen ist Ende 2015 fixiert worden, dass die globale Klimapolitik so ausgestaltet sein muss, dass bis zum Jahr 2100 die globale Durchschnittstemperatur um „deutlich weniger als zwei Grad, idealerweise aber um nicht mehr als 1,5 Grad“ steigen solle. Das „Deutlich weniger als zwei Grad“ wird in der Wissenschaft mit 1,7 Grad eingeordnet. Referenz für die Temperatur-Steigerungen ist die vorindustrielle Zeit, konkret der Mittelwert der Jahre 1850 bis 1900.

Kompromiss zwischen Notwendigem und Möglichem

Die Ziele des Pariser Abkommens sind ein Kompromiss zwischen Wissenschaft und Politik – zwischen Notwendigem und Möglichem. In der Klimawissenschaft wird eine Erhöhung der globalen Mittel-Temperatur als der Wert angesehen, bei dem die Folgen dieser Erwärmung noch im Bereich des Beherrschbaren bleiben.

Bei Steigerungen um 1,7 oder mehr Grad wird dieser Bereich verlassen – mit unbekannten Folgen. In der chemisch und physikalisch komplexen Atmosphäre können Rückkoppelungen entstehen, die das Gesamt-System völlig durcheinander bringen, wenn diese „Tipping Points“ erreicht werden.

„Zuverlässige Prognose“

Vor diesem Hintergrund kommt der Grazer Studie eine hohe Bedeutung zu. Die Berechnung ist möglich geworden, „weil wir mittlerweile den Wärmeantrieb durch die menschgemachten Treibhausgasemissionen im Zusammenwirken mit natürlichen Schwankungen wie El Niño so gut verstehen, dass wir die Prognose zuverlässig erstellen konnten“, erklärt Gottfried Kirchengast, Klimaforscher am Wegener Center und Institut für Physik der Universität Graz.

Sein Doktorand Moritz Pichler, der mit ihm gemeinsam die innovative Methodik entwickelt hat, ergänzt: „Wir nutzten bis Mai 2026 Beobachtungsdaten, ab Juni Saisonvorhersagen und für das Jahr 2027 das gute Vorwissen über die weiter zunehmende Erderwärmung sowie den Temperaturverlauf bei starken El-Niño-Ereignissen.“ 

Besonders besorgniserregend finden die Forscher „den durch die Treibhausgasemissionen angeheizten langfristigen Temperaturanstieg.“

„99 Prozent statistische Sicherheit“

„Ihr neuer Referenzdatensatz zur globalen oberflächennahen Lufttemperatur seit 1850 zeigt mit mehr als 99 Prozent statistischer Sicherheit eine beschleunigte Zunahme seit 1980 und mittlerweile eine drastische Kollision mit den Pariser Klimazielen.“ Die langfristige Erwärmung (Mittelung über 20 Jahre) erreicht nächstes Jahr 1,55 Grad und überschreitet voraussichtlich bereits 2032 mit 1,7 Grad“

1,7 Grad sind das Grenzziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 („deutlich unter zwei Grad“). Kirchengast: „Ursache ist die fehlende Ambition beim Klimaschutz. Vermeidbar gewesene Klimagefahren wie die derzeitige extreme Hitzewelle in Europa sind die direkte Folge.“

„Wirklich bestürzt“

Und weiter: „Fachlich bin ich nicht überrascht, aber wirklich bestürzt, wie deutlich wir an einer einzelnen Hitzewelle schon den Einfluss der Erderwärmung und damit das bisherige Klimaschutzversagen sehen. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit gegenüber wenig emittierenden und stark betroffenen ärmeren Menschen und der jetzigen Kindergeneration.“


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