Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima gelten auf den ersten Blick als Abschreckung, wie wenig konkurrenzfähig diese Energieform sei. Allerdings: Für manche ist auch das Gegenteil wahr.
Die Story, die oft erzählt wird, hat einen klaren Handlungsstrahl: Bedienungsfehler gemixt mit einer Technik, die nicht beherrscht wird und einem politischen System, das einen professionellen Austausch von Erfahrungen aktiv blockiert und bedrohlich für jene ist, die an einer Lösung von Problemen professionelles Interesse haben. Das ist die Geschichte von Tschernobyl in der Ukraine.
Die zweite Story: Ein Zusammentreffen von Ereignissen (Erdbeben, Tsunami), deren Wahrscheinlichkeit jenseits des Vorstellbaren liegt. Das ist die Geschichte von Fukushima in Japan. Beide Atom-Katastrophen müssen fallweise dafür herhalten, die Zukunftshoffnungen für die Atomkraft zu steigern.
Beide Ereignisse liefern eine Basis, mit der versucht wird, Bedenken zu zerstreuen: So unwahrscheinlich und so außergewöhnlich seien die Umstände, dass eine Wiederholung dieser Verkettung des Ungünstigen ebenso unwahrscheinlich und außergewöhnlich ist. Unter „normalen“ Umständen seien derartige Ereignisse nicht möglich.
Und wenn doch, dann wird auf das Zauber-Konzept verwiesen: Small Modular Reactor (SMR) – kleine Anlagen, die etwa ein Drittel der bisher üblichen Reaktoren an Leistung liefern, und die – einmal genehmigt – mit bewährter Technologie rasch an anderen Standorten errichtet werden können – modern, modul und schlank. Ähnliches war auch die Überlegung bei der Entwicklung der RBMK-Reaktoren vor 60 Jahren.
Das grundsätzliche Konzept führt noch weiter in die 1950er Jahre zurück, als gerade solche SMR-Phantasien die Runde machten – bis hin zu einem atombetriebenen Auto. Daraus wurde nichts – auch deshalb nicht, weil sich die größeren Reaktoren als die bessere Einnahmequelle erwiesen haben. Wirtschaftlich rechnet sich das für Unternehmen, sofern die Kosten für etwaige Extremunfälle nicht die Betreiber, sondern andere zahlen.
Wie bei allen Technologien, so bleiben Restrisiken. Wie die Beispiele Tschernobyl und Fukushima zeigen, können die Konsequenzen alle Rahmen des technisch, politisch, gesundheitlich und gesellschaftlich Beherrschbaren sprengen.
Somit bleibt die Frage: Was rechtfertigt, solche Konsequenzen in Kauf zu nehmen, wenn andererseits andere Energien existieren, die weitaus günstiger, weniger gefährlich, rascher umsetzbar und dezentral eingesetzt werden können. Gerade in Zeiten der Klimakrise.
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- news330-link Aus dem Reaktorkern 4
























































