Der Golfstrom tritt auf die Bremse

(c) Pixabay

Eine neue Studie nährt die Vermutung, dass sich die Strömungen im Atlantik rascher durch die Klimaänderung verändern. Die Schwächung des Golfstroms wäre eine der Folgen.

Es ist eine neu berechnete Wahrscheinlichkeitsrechnung, die Valentin Portmann, Didier Swingedouw, Omar Khattab und Marie Chavent, Forscher und Forscherinnen der Universität Bordeaux, präsentieren, und sie sorgt für einiges an Aufsehen. Es geht um die Atlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC) – die atlantische Umwälz-Zirkulation -, dessen bekannteste Strömung der Golfstrom ist. Dieser bringt Wasser aus der Karibik quer über den Nordatlantik an Küsten Großbritanniens und Norwegens. Eine Änderung von Temperatur und Salzgehalt hat nicht nur Auswirkungen auf die Fischerei, sondern auch auf das gesamte Klima in Westeuropa.

AMOC hat allerdings nicht nur Auswirkungen auf den Golfstrom, sondern ist mit allen marinen Strömungen verbunden und löst damit eine Kettenreaktion aus. Wie sie dann konkret ausfällt, lässt sich nicht bis ins Detail abschätzen.

Nur noch halb so stark

Das französische Team hat unterdessen die Modellierungen untersucht und versucht, die Unsicherheits-Faktoren zu verringern. Resultat: Bisher hatte die Annahme, dass sich AMOC um ein gutes Drittel abschwächt, mit einer (recht hohen) Schwankungsbreite von plus/minus 37%. Diese Annahme galt für das Jahr 2100 und einer Eintritts-Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent. Die Berechnungsdaten stammen vom Durchschnitt verschiedener Klimamodelle.

Für die vor kurzem in „Science“ veröffentlichte neue Arbeit haben die Forschenden nicht nur die Parameter der Klimamodelle herangezogen, sondern auch die tatsächlich beobachteten klimarelevanten Daten, insbesondere auch den Salzgehalt.

Rahmstorf: „Pessimistische Modelle sind leider realistischer“

Wieder von einer Eintrittswahrscheinlichkeit für das Jahr 2100 ausgehend, verringert sich die Schwankungsbreite auf plus/minus acht Prozent. Das Ausmaß der Abschwächung der AMOC liegt bei 51% – also bei mehr als einer Halbierung. Valentin Portmann meint, dass dies bedeutet, dass „AMOC näher an einem Tipping Point sein könnte als bisher vermutet.“

In einem Gespräch mit „The Guardian“ sagt Stefan Rahmstorf, Forscher am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, der sich mit AMOC Jahrzehnte lang beschäftigt: „Eine wichtige und besorgniserregende Studie. Es zeigt, dass die „pessimistischen“ Modelle, die von einer stärkeren AMOC-Abschwächung ausgehen, leider die realistischeren sind.“ Zu befürchten sei, dass Mitte dieses Jahrhunderts der Tipping Point überschritten werden könnte. Rahmstorf: „Das ist sehr nahe.“


Mehr:

  • news330-link Gute Fahrt!
  • web-link Observational constraints project a ~50% AMOC weakening by the end of this century 

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