1,75 Milliarden für mehr Moore in Deutschland

(c) Pixabay

90.000 Hektar Wald – in etwa die Größe Berlins – sollen bis Ende 2029 wieder vernässt werden. Die Förderungen für das Revival der Moore betragen 1,75 Milliarden Euro.

Der Geldhahn Deutschlands wird ein bisschen aufgedreht: Bis Ende 2029 sollen 1,75 Milliarden zu jenen fließen, die einst trocken gelegte Moore wieder zu vernässen. Diese Strategie hat der deutsche Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) vor kurzem vorgestellt.

Moore sind in den vergangenen Jahrzehnten konsequent trocken gelegt worden – um sie in Ackerboden umzuwandeln, auf denen dann meist intensiv Landwirtschaft betrieben worden ist. Konkret hat das auch bedeutet, dass die Böden auslaugten, nährstoffarmer wurden und durch die Bodenverdichtung (aufgrund des Einsatzes schwerer Landmaschinen) die Vitalparameter sinken ließen.

„Eine Trendwende“

Diese Entwicklung will Schneider nun jedenfalls bremsen, er selbst spricht von einer „Trendwende“. Zu einem gewissen Grad ist sie das auch, zumal die Praxis vergangener Jahrzehnte umgedreht wird: Der neue Zeitgeist lautet Wiedervernässung.

Minister Schneider: „Über Jahrhunderte hinweg wurden Moore in Deutschland entwässert. Die Folgen erleben wir heute: Grundwasserspiegel sinken ab, Wälder vertrocknen, Treibhausgase entweichen und heizen den Planeten auf. Dieses Förderprogramm leitet jetzt eine echte Trendwende ein. Mit diesem Angebot können wir den Moor-Regionen in Deutschland und vor allem den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben eine echte Zukunftsperspektive geben.“

„Längst überfälliger Schritt“

Moore sind wesentlich für die Bildung von Torf, der quasi ein Turbo für die Gesundung des Bodens darstellt. Das Greifswald Moor Centrum sieht „erstmals eine echte Chance zu einem Durchbruch für skalierten Moorklimaschutz in Deutschland.“

Damit werde das Engagement vieler gewürdigt: „Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnnen haben die Klimawirkung nasser Moore belegt, Umweltverbände und Stiftungen haben sich politisch dafür engagiert. Landwirte und Landwirtinnen haben die nachhaltige nasse Landwirtschaft (Paludikultur) ausprobiert, Unternehmen erste Produkte aus Biomasse von Moorpflanzen entwickelt. Und engagierte Menschen in der Verwaltung haben letztlich einer komplexen Förderrichtlinie den Weg geebnet.“

Franziska Tanneberger, Expertin am Greifswald Moor Centrum, ergänzt: „Die Voraussetzungen für einen Durchbruch beim Moorklimaschutz sind nun so gut wie lange nicht!“

„Die neue Förderrichtlinie zur Paludikultur ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt. Jetzt kommt es darauf an, dass Landwirte und Landwirtinnen durch Beratung begleitet werden, damit das Geld zügig in Maßnahmen fließen und eine Wirkung in der Fläche erzielen kann,“ sagt Sophie Hirschelmann, Expertin der Michael Succow Stiftung/Greifswald Moor Centrum. „Gleichzeitig muss klar sein, dass die Richtlinie nur einen Baustein darstellt: Für die Betriebe ist es ebenso entscheidend, tragfähige Vermarktungswege für die entstehende Biomasse zu haben. Hier braucht es zum Beispiel gezielte Marktanreizprogramme, damit Paludikultur auch wirtschaftlich eine echte Perspektive bietet.“

Wirtschaftliche Perspektiven

Wirtschaftliche Perspektiven von Paludikultur werden schon heute von vielen Unternehmen gesehen. Dazu gehört die Produktion von Bau- und Dämmstoffen, Papier und Verpackungen, Substraten und Bodenverbesserern, aber auch Ausgangsstoffen für die energetische Nutzung oder für Design- und Alltagsprodukten. Die Nutzung von Photovoltaikanlagen auf vernässten Flächen ist ebenso möglich.

„Die Abkehr von der entwässerungsbasierten Moornutzung – welche ja über Jahrhunderte gesellschaftlich gewünscht und gefördert wurde – stellt in mehrfacher Hinsicht einen Paradigmenwechsel dar,“ sagt Sabine Wichmann, Universität Greifswald.

90 Prozent trockengelegt

Zum Grundsätzlichen der Moore heißt es beim Greifswald Moor Centrum: „In Deutschland sind über 90 Prozent der Moorflächen trockengelegt, auf einem Großteil der Fläche wird Landwirtschaft betrieben. Entwässerte Moorböden setzen den normalerweise unter Wasser gebundenen Kohlenstoff in ihren Torfen als klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre frei. So machen trockengelegte Moorböden zwar nur sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus, sind aber für rund ein Drittel der Emissionen aus Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Bodennutzung verantwortlich.

Durch Wiedervernässungen lassen sich die CO2-Emissionen effektiv schnell stoppen. Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) empfiehlt, bis 2045 rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Moorflächen wiederzuvernässen, was etwa einer Million Hektar entspricht“ – mehr als das Zehnfache dessen, was das Bundesumweltministerium in der konkreten Förderaktion einplant.

Das Bundesamt für Naturschutz definiert Paludikultur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“) als die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore. „Diese Bewirtschaftungsform ist vorrangig auf degradierte, wiedervernässte Moorböden ohne Schutzstatus ausgerichtet. Zum Anbau eignen sich vor allem nachwachsende Rohstoffe wie Schilf, Röhricht, Großseggenried, Torfmoose oder Schwarzerlen die als Substratrohstoff für den Gartenbau, als Rohstoff für die Bau- und Möbelindustrie oder als Energieträger verwertet werden können.


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