Die Schattenseiten der allgegenwärtigen Erleuchtung

(c) Pixabay

Die Verbindung zwischen aquatischen und terrestrischen Lebensräumen hat nachhaltig beeinträchtigende Folgen für die Ökologie. Das zeigt eine neue Studie auf.

Die zunehmende Installation von Licht entlang von Bächen und Flüssen verändert das ökologische Setting zwischen Lebewesen im Gewässer und an Land. Außerdem werden dadurch invasive Arten begünstigt. In einer Studie der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität in Kaiserslauten-Landau haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachgewiesen, dass der Energie- und Nährstoffaustausch zwischen Gewässern und Ufern stark beeinflusst wird.

Spinnen im Mittelpunkt

Durch das Licht wird das Ökosystem im Wasser stark beeinträchtigt. Als weiterer Stress-Faktor kommt hinzu, dass sich Arten wie der aus Nordamerika stammende Signalkrebs mittlerweile stark in Europa ausbreitet.

Die Forschung hat Spinnen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt, um festzustellen, welchen Einfluss der sich ausbreitenden Krebs und die zunehmende Ausleuchtung der Lebensräume auf das Fressverhalten hat.

Invasiver Krebs wird begünstigt

Durch die nächtliche Beleuchtung haben die Spinnen eine größere Palette an erbeuteten Tieren. Auch der Signalkrebs änderte sein „Menü“ und fraß mehr Zuckmückenlarven und kleinere Krebse. Dadurch schlüpften weniger Insekten, was sich wiederum auf die Spinnen an Land auswirkte. Unter dem Strich gerieten durch das Mehr an Licht die an Land lebenden Kleintiere unter Druck, während der invasive Krebs begünstigt wurde.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass menschliche Eingriffe in aquatische Ökosysteme weitreichende Auswirkungen auf angrenzende Landökosysteme haben können“, meint der Umweltwissenschaftler Collins Ogbeide. Er ist Erstautor der Studie. Ebenfalls mitgearbeitet hat der Umweltwissenschaftler Ralf Schulz: „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Lichtverschmutzung als Umweltfaktor bislang unterschätzt wird, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung entlang von Flussufern. Sie verändert den Energiefluss und den Nährstofftransport zwischen Wasser und Land erheblich – selbst dann, wenn weitere Stressfaktoren wie invasive Arten vorhanden sind“. Künstliche Beleuchtung beeinflusse also nicht nur einzelne Arten, sondern könne ganze Ökosystemverbindungen verschieben. 

„Verstärkt in die Raumplanung einbeziehen

Für seine Studie nutzte das Forschungsteam eine spezielle Experimentalanlage in Landau. Hier wurden 16 Bächen mit angrenzenden Uferbereichen angelegt, die miteinander verknüpfte Wasser- und Landökosysteme realitätsnah simulierten. Mithilfe von Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen, die sich besonders für die Erforschung von Nahrungsnetzen eignen, verfolgten die Forschenden den Transport von Energie und Nährstoffen zwischen Wasser und Land. 

Die zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern, dass Lichtverschmutzung verstärkt in die Raumplanung bedacht werde, „um die Biodiversität an Flüssen und Bächen langfristig zu erhalten“.


Mehr:

Newsletter

Wir versenden keinen Spam. Der Newsletter wird verschickt, wenn auf news330 neue Beiträge erschienen sind. Der Bezug des Newsletters ist gratis und kann jederzeit gestoppt werden.

rss feed

https://news330.earth/feed - diesen link kopieren, im feed-reader aufrufen und abonnieren - so versäumst Du keinen Artikel!

Archiv