„Klima-Heroes“ werden sie oft genannt, aber den Feuchtgebieten geht es weltweit trotzdem nicht gut. Das soll eine Zehn-Jahres-Strategie ändern.
Dieser Montag ist weltweit der „Tag der Feuchtgebiete“ – an diesem zweiten Februar werden nicht wenige Reden auf den Wert und die Einzigartigkeit von Feuchtgebieten geschwungen. Allerdings gerät dies an den anderen Tagen des Jahres nicht selten etwas in den Hintergrund.
Denn den Feuchtgebieten, die durch die internationale „Ramsar“-Konvention geschützt sind, geht es nicht wirklich gut. Seit dem Jahr 1900 sind mehr als zwei Drittel der Feuchtgebiete trocken gelegt worden. Seit 1970 sind etwa 85 Prozent der Populationen von Frischwasser-Arten verschwunden. Die Versorgung von Trinkwasser ist dadurch nicht nur punktuell in einen dramatischen Zustand gekommen.
Ein Wert von 39 Billionen
Die „Öko-Systemleistung“ von Feuchtgebieten wird auf einen jährlichen Wert von 39 Billionen US-Dollar geschätzt – durch die Trinkwasservorkommen, die Bedeutung für die Produktion von Lebensmitteln; der Lebensunterhalt von etwa einer Milliarde Menschen hängt direkt von intakten Feuchtgebieten ab.
Nicht selten werden Feuchtgebiete als „Klima-Heroes“ bezeichnet – vor allem, weil sie ein Drittel des Kohlendioxids an Land binden, insbesondere Moore. Werden sie trockengelegt, dann gelangen dieses CO2 in die Atmosphäre und treiben so die Klima-Erhitzung weiter an.
Tsunamis und Trinkwasser
Es gibt verschiedene Arten von Feuchtgebieten:
- Küsten und Deltas
- Zu ihnen gehören auch die Mangroven-Wälder, die den Übergang zwischen salzigem Meeresmilieu und Süßwasser-Feuchtgebieten darstellen. Derartige Regionen sind ausgesprochen artenreich und haben außerdem die „Öko-Systemleistung“, dass sie die Wucht von heranbrandenden Wellen mildern – etwa bei Tsunamis.
- Flüsse und Seen
- Sie sind ein wichtiges Reservoir für Trinkwasser und liefern Nahrung – direkt und indirekt für die Landwirtschaft. In Verbindung mit Auenwäldern wird ein ganz spezielles Umfeld für Artenvielfalt geschaffen – und gleichzeitig ein Auffangbecken für Hochwasser-Ereignisse.
- Moore
- Sie machen gerade einmal drei Prozent der Land-Fläche aus, speichern aber ein Vielfaches von CO2. Moore sind auch die Heimat von einer eigenen Welt an Mikroorganismen, die den ökologischen Wert und die Fruchtbarkeit des Bodens steigern. Nicht zuletzt deshalb sagt Simon Stiell, Exekutiv-Sekretär von „UN Climate Change“: „Natur und Klima sind zwei Seiten der gleichen Medaille.“
Im Hinblick auf die Ziele der Biodiversitäts-Konvention (bis 2030 ein Drittel der Flächen in solche zu verwandeln, in denen der Verlust an Artenvielfalt zumindest gestoppt wird) würde dies für die Feuchtgebiete bedeuten, dass 428 Millionen der verbliebenen Feuchtgebiete unter Schutz gestellt werden. 350 Millionen Hektar an Gebieten, die in ökologisch in keinem guten Zustand sind, müssten geschützt werden – ebenso wie weltweit 300.000 Flusskilometer der Natur zurückgegeben werden müssten.
Gratis ist das nicht: Wenn diese Zielsetzungen ernst genommen werden, dann müssen, jährlich, 275 bis 550 Milliarden Dollar investiert werden.
Nutzen für acht Millionen Menschen
Vor diesem Hintergrund hat „Wetland International“ eine Zehn-Jahres-Strategie erarbeitet. Sie zielt darauf ab, dass bis 2035 acht Millionen Menschen vom besseren ökologischen Zustand der Feuchtgebite und deren Schutz profitieren – ebenso wie 40 Schlüsselarten unter effektivem Schutz stehen.
In den kommenden neun Jahren möchte die Organisation außerdem erreichen, dass
- in 50 Ländern Feuchtgebiete in den nationalen und internationalen Programmen berücksichtigt werden
- 50 Länder sollen ihre Programme so ausrichten, dass sie die Erhaltung und Entwicklung von Feuchtgebieten fördern
- Und schließlich sollen 100 Unternehmen einen messbaren Einfluss auf positive Entwcklungen von Feuchtgebieten ausüben.
- Dafür sollen zumindest sechs Milliarden Dollar für Schutz und Restaurierung investiert werden.
Wo Atlantik und Indischer Ozean zusammenfließen
Es gibt auch gute Nachrichten: So hat die südafrikanische Regierung beschlossen, die Agulhas Ebene zu einem Ramsar-Gebiet zu erklären – das 32. von internationaler Bedeutung und das 2587. überhaupt. Die Besonderheit dieser Ebene bestehend durch das Aufeinandertreffen des Atlantiks und des Indischen Ozeans.
Und auch in Euorpa gibt es eine positive Meldung: In Montenegro ist der Schutz der Saline Ulcinj zwar schon 2019 auf dem Papier fixiert, aber in der Praxis nicht umgesetzt worden. Denn es gab keine Verwaltung. Ulcinj in Montenegro, einem der wichtigsten Rastgebiete für Zugvögel entlang der Adria-Zugroute. Erst jetzt ist der Vertrag zur Gründung der Schutzgebiets-Verwaltung unterzeichnet worden.
Verwaltung nach sieben Jahren
Über viele Jahre haben sich dafür die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur und ihre montenegrinischen Partner CZIP und MSJA eingesetzt. „Wir sind froh, dass dieser überfällige Schritt vollzogen ist“, sagt Stefan Ferger, Leiter des Programms Zugvogelschutz bei EuroNatur.

Die Sol-Landschaft im montenegrinischen Ulcinj. (c) Janinka Lutze
„Die Schutzgebietsverwaltung muss die im Managementplan vorgesehenen Maßnahmen nun schnellstmöglich umsetzen. Dazu braucht sie eine kompetente Leitung, engagierte Mitarbeitende und die nötigen finanziellen Mittel. Wir erwarten, dass die montenegrinische Regierung und die Gemeinde Ulcinj rasch die nötigen Schritte für den tatsächlichen Aufbau der Schutzgebietsverwaltung in die Wege leiten.“
1971 ist in Ramsar (Iran, damals Persien) die Ramsar-Konvention beschlossen worden, die dann 1975 in Kraft getreten ist. Mittlerweile sind der Konvention 172 Nationen beigetreten.
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