Eine internationale Forschungsgruppe belegt, wie Biber den Klimawandel bremsen. Dazu wurden Landschaften, die von Biber gestaltet worden sind, mit jenen verglichen, in denen es keine Biber gibt.
2007 ist eine Biberfamilie im Niederholz bei Marthalen (Kanton Zürich) eingezogen. Seither haben die Biber den Mederbach umgebaut. Dadurch ist aus dem geraden Flussverlauf ein von Bibern geformter Mäander geworden. Es hat sich einer der größten Biberseen der Schweiz gebildet.
Aus geradem Fluss wird ein Bibersee
Diesen für Biber charakteristischen See nahmen Wissenschafterinnen und Wissenschafter unter der Leitung der University of Birmingham, der Wageningen University and Research, der Universität Bern und weiteren internationalen Partner-Institutionen nun genauer unter die Lupe. Dabei nahmen sie Messdaten zu chemischen Prozessen auf, um sie in weiterer Folge mit langfristigen Berechnungen zu kombinieren. Damit konnte eine bisher nicht da gewesene Übersicht erarbeitet werden, in welcher Weise sich der „Biber-.Umbau“ auf die klimarelevanten Daten auswirkt.
Biber bauen Dämme, wodurch Flussdämme überschwemmt und Feuchtgebiete geschaffen werden. Dadurch werden auch die Fließpfade des Grundwassers verändert, organisches und anorganisches Material wird zurückgehalten. Mit diesen pflanzlichen und tierischen Überresten, aber auch Sand, Schluff und Ton wird auch Kohlenstoff gebunden.
Mehr als zehn Tonnen pro Hektar und Jahr
Und zwar nicht so wenig: Biber binden zehnmal mehr Kohlenstoff als dies in ähnlichen Gebieten ohne Biber-Aktivitäten der Fall ist. Über die vergangenen 13 Jahre wurden in dem Feuchtgebiet bei Marthalen geschätzte 1.194 Tonnen Kohlenstoff gespeichert – 10,1 Tonnen pro Hektar und Jahr.
„Dies sind sehr hohe Werte. Bekannte Maßnahmen in der Landwirtschaft zur langfristigen Kohlenstoffeinlagerung im Boden führen meist zu weniger als einer Tonne pro Hektar und Jahr“, erklärt Bettina Schaefli vom Geografischen Institut der Universität Bern und Mitautorin der Studie. Und Joshua Larsen (University of Birmingham), Hauptautor der Studie, erklärte: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Biber nicht nur Landschaften verändern, sondern auch die Art und Weise, wie sich Kohlenstoff durch sie bewegt.“
„Durchbruch für naturbasierte Lösungen“
„Indem sie das Wasser verlangsamen, Sedimente zurückhalten und Feuchtgebiete ausweiten, verwandeln sie Bäche in leistungsfähige Kohlenstoffsenken. Diese erstmalige Studie stellt eine wichtige Chance und einen Durchbruch für künftige naturbasierte Klimalösungen in ganz Europa dar.“
Es wird mehr Kohlenstoff aufgenommen als in die Atmosphäre abgegeben – Diese Kohlenstoffsenke hält 98,3 Tonnen pro Jahr zurück – mit einer Schwankungsbreite in beide Richtungen von 33,4 Tonnen.
Die Kohlenstoffbilanz ist über den gesamten Verlauf eines Jahres nicht konstant. Es gibt ein eine kurze Periode im Sommer, in der mehr Kohlenstoff emittiert wird, über den gesamten Jahersverlauf jedoch ist das Ergebnis deutlich; es wird sehr viel mehr an Treibhausgasen, die den Klimawandel ankurbeln, gebunden.
„Methanemissionen vernachlässigbar“
Bettina Schaeffli: „Vor allem die Methanemissionen (CH₄), die in Feuchtgebieten oft ein grosses Problem darstellen, wurden als vernachlässigbar eingestuft und machten weniger als 0,1 Prozent des Kohlenstoffbudgets aus.“
Und Erstautor Lukas Hallberg (Uni Birmingham) ergänzt: „Innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt hat sich das von uns untersuchte System bereits in eine langfristige Kohlenstoffsenke verwandelt, was weit über das hinausgeht, was wir von einem unbewirtschafteten Flusskorridor erwarten würden. Dies unterstreicht das enorme Potenzial von Biber-Revitalisierungen und bietet wertvolle Einblicke in die mögliche Landnutzungsplanung, Strategien zur Wiederbewaldung und Klimapolitik.“
„Vor allem im Totholz und in Sedimenten“
Im Detail wird der Kohlenstoff in den Feuchtgebieten, die von Bibern geschaffen worden sind, in den Sedimenten und im Totholz gespeichert. Die Studie zeigt außerdem, dass „die Sedimente bis zu 14-mal mehr anorganischen und achtmal mehr organischen Kohlenstoff enthalten als die Boden der umliegenden Wälder. Das Totholz in Auwäldern entlang von Flüssen, Bächen und Feuchtgebieten enthält fast die Hälfte des gesamten langfristig gespeicherten Kohlenstoffs. „Diese Speicher könnten über Jahrzehnte hinweg bestehen bleiben, was darauf hindeutet, dass durch Biber veränderte Feuchtgebiete als zuverlässige, langfristige Kohlenstoffsenken fungieren – solange ihre Dämme intakt bleiben.“
«Wir schätzen, dass Biberfeuchtgebiete 1,2 bis 1,8 Prozent der jährlichen Kohlenstoffemissionen des Landes ausgleichen könnten, wenn sie auf alle für die Wiederbesiedlung durch Biber geeigneten Auengebiete in der Schweiz ausgedehnt würden: Sie würden dem Klima ohne aktives menschliches Eingreifen oder finanzielle Kosten zugutekommen», so Schaefli.
„Wer den Biber stärkt, stärkt den Klimaschutz“
„Der Biber ist eine Schlüsselart im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise. Er hält Wasser in der Landschaft und schützt uns vor Überschwemmungen und Dürren. Wer den Biber stärkt, stärkt unseren natürlichen Klimaschutz“, sagt WWF-Expertin Sarah Layendecker: „Wir brauchen dringend mehr naturbasierte Lösungen gegen die Klimakrise und ihre Folgen. Wenn wir den Biber bei seiner wichtigen Arbeit als Baumeister der Natur besser unterstützen, kann er uns dabei helfen, einen wichtigen Beitrag zu leisten”
Mehr:
- web-link: Studie – Beavers can convert stream corridors to persistent carbon sinks


































































