Wie Rentiere den Menschenrechten auf die Sprünge helfen

Der für viele als Frohbotschaft aufgenommene Fund von Seltenen Erden in Kiruna hat auch eine Kehrseite. Im hohen Norden Skandinaviens gibt es eine kleine Gruppe Indigener, deren Menschenrechte gefährdet sind.

Es ist eine Studie, die das „Stockholm Environment Institute“ auf den Weg gebracht hat, in der die beiden Autoren mit wissenschaftlicher Distanz darstellen, wie sich ein bergmännisches Projekt auf die in und um Kiruna in Schweden lebenden Sámi auswirken kann. Verheerend, so der Erörterungen klarer Schluss.

Was die Forscher darauf aufsetzen ist eine Handlungsanleitung, wie derartige Zuspitzungen, wie sie sich nicht nur im Norden Schwedens ereignen, entschärft werden können. Klar ist jedenfalls auch: Es wird auch Projekte geben, die abgelehnt werden, weil sie eine ethnische Minderheit sie nicht will.

Weit über die EU hinaus

Aber: Was hier erarbeitet worden ist, geht weit über Skandinavien und weit über die Europäische Union hinaus. Die Arbeit stellt prinzipielle Fragen.

Energiewende und Transformation in eine nachhaltige Welt hin oder her. Sind wir – um diese Ziele zu erreichen – bereit, unsere guten Vorsätze über Bord zu werfen. Sind wir bereit anzuerkennen, dass diese Vorsätze längst keine bloßen Vorsätze sind, sondern rechtliche Verpflichtungen, die eben verbindlich sind, wie es andere Normen eben auch sind?

Wenn wir diese Fragen verneinen, dann ist das auch eine Absage an die Werte, die wir über Jahrzehnte entwickelt haben. Dann lassen wir die Vorhaben, die wir uns gegeben haben, nur bei Schönwetter zu und befeuern damit eine Aussage, die Debatten über Umwelt und Mitwelt von Beginn an begleitet: „Umweltschutz müssen wir uns leisten können“. Die sagend bedeutet es nichts anderes, dass wir Nachhaltigkeit bloß als nettes Anhängsel betrachten.

Fakten gibt es genug

Mittlerweile haben wir Fakten genug, um wissen zu können, dass es nicht um ein „nettes Anhängsel“ geht, sondern darum, die Menschheit als nicht abtrennbares Teilchen eines Gesamt-System zu begreifen. Als ein System, das so mit- und ineinander vernetzt und verflochten ist, dass niemand behaupten kann zu wissen, was an einem Ende dieses Netzwerks geschieht, wenn an dessen anderem Faden stärker oder schwächer gezogen wird.

Der Kreis schließt sich: Kiruna ist ein Lackmustest, der uns zeigen kann, wie ernst wir es nehmen – mit unseren Vorhaben, die Gesetz sind, mit der Weisheit Indigener, mit der Nachhaltigkeit – nicht nur in Schweden, sondern überall in Europa und erst recht auf der Welt.


Mehr:

Markiert:

Newsletter

Wir versenden keinen Spam. Der Newsletter wird verschickt, wenn auf news330 neue Beiträge erschienen sind. Der Bezug des Newsletters ist gratis und kann jederzeit gestoppt werden.

rss feed

https://news330.earth/feed - diesen link kopieren, im feed-reader aufrufen und abonnieren - so versäumst Du keinen Artikel!

Archiv