Umwelthilfe will zwei Insektizide wegklagen

(c) Pixabay

Die Zulassungen von „Decis Forte“ und „Gat Deline 2,5 EC“ sollen widerrufen werden. Dies versucht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit einer Klage gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erreichen.

Es geht um den Wirkstoff Deltamethrin, der in beiden agrochemischen Zubereitungen enthalten ist. Diese Substanz steht im Verdacht, Ökosysteme und auch die menschliche Gesundheit zu beeinträchtigen. Der Anlass für die nunmehrige Klage sind neue Arbeiten, die auf neurotoxische Wirkungen bereits bei sehr niedrigen Dosen hinweisen; mögliche Gefahren für die frühkindliche Hinrentwicklung seien nicht ausgeschlossen, so die DUH in einer Aussendung.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Der Schutz der Menschen und der Biodiversität muss endlich auch in der Landwirtschaft oberste Priorität haben. Es ist erschreckend, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veraltete Risikobewertungen nicht aktualisiert, obwohl neue Studien die Gefahren – vor allem für die Entwicklung von Kindern – längst nahelegen.“

Bundesamt: „Keine Auskunft“

„Dass diese Erkenntnisse ignoriert werden, ist aus unserer Sicht unverantwortlich und rechtswidrig. Ein Bundesamt darf nicht zum verlängerten Arm von Industrieinteressen werden, sondern muss konsequent die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher schützen. Wir werden mit unseren Klagen dafür sorgen, dass diese gefährlichen Pestizide vom Markt verschwinden – wenn nötig bis zur letzten Instanz.“

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wollte die Angelegenheit nicht kommentieren, sondern erklärte auf Anfrage von „news330“ lediglich: „Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen zu einem laufenden Gerichtsverfahren keine Auskunft erteilen können.“

Bereits im Vorjahr hat es neue Erkenntnisse gegeben. So hat das Kompetenzzentrum Wasser in Hessen (das unter anderem von zahlreichen Universitäten und Fach-Institutionen getragen wird).

Längere Intervalle sind gefährlicher

In der Bewertung der neuen Erkenntnisse heißt es: „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht nur die Konzentration, sondern auch die zeitliche Abfolge von Pestizidbelastungen entscheidend für deren Auswirkungen ist. Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass längere Intervalle zwischen einzelnen Belastungsspitzen zu einer höheren Belastung führen können, da toxische Substanzen wie Deltamethrin sich im Sediment anreichern und dort persistieren.“

Und weiter: „Für die Risikobewertung bedeutet dies:

  • Die bisher gültigen Schwellenwerte für Deltamethrin sind nicht ausreichend schützend, insbesondere für empfindliche Insektengruppen.

  • Langzeitbeobachtungen sollten in die ökotoxikologische Bewertung integriert werden, da viele schädliche Effekte erst Wochen nach der Exposition auftreten.

  • Wechselwirkungen müssen stärker berücksichtigt werden, da sie das tatsächliche Schadensbild in der Natur entscheidend mitbestimmen.“

     


Mehr:

Markiert:

Newsletter

Wir versenden keinen Spam. Der Newsletter wird verschickt, wenn auf news330 neue Beiträge erschienen sind. Der Bezug des Newsletters ist gratis und kann jederzeit gestoppt werden.

rss feed

https://news330.earth/feed - diesen link kopieren, im feed-reader aufrufen und abonnieren - so versäumst Du keinen Artikel!

Archiv