2,5 bis 3-fache Wahrscheinlichkeit von Waldbränden

(c) Pixabay

Keine vier Wochen nach den verheerenden Waldbränden in Südamerika legt das Centre for Environmental Policy am Imperial College London eine Studie über den Zusammenhang mit der Klimaänderung vor.

Zwischen 17. und 19. Jänner haben Waldbrände in Chile gewütet. Dabei kamen 23 Menschen ums Leben, mehr als 1000 Gebäude wurden zerstört und 52.000 mussten aus den betroffenen Gebieten flüchten. Das Feuer wurde durch Temperaturen von mehr als 37 Grad Celsius befeuert, zudem beschleunigten Winde von 40 Stundenkilometern die Ausbreitung der Flammen. Mindestens 8500 Hektar Wald wurden zerstört. Bereits vor zwei Jahren wüteten Feuer in Chile, wobei 120 Menschen ums Leben kamen.

3000 Jahre alte Bäume

Bereits am 5. Jänner waren erste Brände in Patagopnien ausgebrochen. Im Verlauf des Jänners breitete sich das Feuer auf 36.000 Hektar aus, , unter anderem erreichten sie die argentinische Provinz Chubut Flammen, bis zum Los Alerces Nationalpark. Dort gibt es Bäume, die mehr als 3000 Jahre alt werden können.

Lokale Umweltorganisatonen bemängeln, dass in den vergangenen Jahrzehnten der lokale Baumbestand gefällt und Kiefern gepflanzt wurden – wodurch sich das Feuer schneller hat ausbreiten können.

In lokalen Medien wurde kritisiert, dass das Budget der Zentralregierung die Mittel für den Nationalen Brandschutzdienst gegenüber 2025 um 53,6 Prozent gekürzt habe. Unter anderem wurden die Flugstunden zur Überwachung gestrichen – 2023 waren 5100 geplant, allerdings wurden nur 3058 verbraucht. 2026 sind nun bloß 3100 Flugstunden budgetiert.

Analyse der Waldbrände

Vor diesem Hintergrund haben 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Forschungseinrichtungen die Waldbrände analysiert und sind der Frage nachgegangen, ob und inwieweit die Brände durch den Klimawandel verstärkt worden sind. Darüber legen sie nun einen Bericht vor: „Climate change fuels the destruction of world’s oldest trees“.

Dabei wurden die reale Welt verglichen mit einem Szenario, in der es die Erwärmung von 1,3 Grad Celsius seit dem Jahr 1900 nicht gegeben hätte. Verglichen wurde mit den globalen Durchschnittstemperaturen in den Jahrzehnten (1850 bis 1900) vor der IndustrialisierungDabei werden folgende Feststellungen getroffen:

  • Die Wahrscheinlichkeit des heißen, trockenen und windigen Wetters an den beiden Tagen mit den intensivsten Feuern war in Chile durch das Mehr von 1,3 Grad dreimal wahrscheinlicher. Die fünf Tage intensiven Feuers in Patagonien sind durch den Klimawandel mit einer 2,5-fach höheren Wahrscheinlichkeit aufgetreten.
  • Der Regen hat in der untersuchten Region in Chile im Frühsommer (November bis Jänner) um 25 Prozent abgenommen, in Patagonien um 20 Prozent.
  • La Niña und die Antarctic Oszillation können Wetterbedingungen hervorrufen, die heißes und trockenes Wetter begünstigen. Die genaue Auswirkungen können allerdings unterschiedlich sein – vor allem aufgrund des Zeitpunkts der Feuer. Die Antarktische Oszillation ist ein Gürtel starker Westwinde und Tiefdruckzonen um die Antarktis.
  • Kiefer-Monokulturen, die sowohl in Chile, als auch in Argentinien anstatt lokaler Arten gesetzt wurden, sind bei Feuern verwundbarer.
  • Und schließlich wurden ökonomische Barrieren festgestellt: „In Argentinien wurden Budgets der Feuerwehren zusammengekürzt, was sich bei der Bekämpfung der Feuer in Patagonien bemerkbar machte. Durch die gesunkene Zahl der Forst-Bediensteten haben auf lokaler Ebene die Systeme für Evakuierung geschwächt.“

Für Clair Barnes, Forscherin am Centre for Environmental Policy am Imperial College London ist klar: „Unsere Analyse zeigt einen klaren und gefährlichen Fingerabdruck des Klimawandels.“

„Es ist häufig eine Frage der Vorbereitung, die über das Ausmaß eines Desasters entscheiden.“

Friederike Otto, Professorin für Klimawissenschaften am
Centre for Environmental Policy, Imperial College London

Juan Antonio Rivera, Argentinisches Institut für Schnee, Gletscher und Umweltwissenschaften an der Universität von Cuyo: „Wir sehen, wie Waldbrände die Elerce-Bäume gefährden. Die Kombination der menschengemachten Erwärmung und natürlicher Phänomene wie La Niña beschert uns eine Trockenheit, die Waldbrände befeuert. Für Chile und Argentinien ist die Austrocknung der Landschaft keine Prognose mehr, sondern eine Krise, die dringend einer Antwort bedarf, um unsre einzigartige Biodiversität und die Menschen, die hier leben, zu schützen.“

Und Friederike Otto, Professorin für Klimawissenschaften am Centre for Environmental Policy, Imperial College London: „Es ist häufig eine Frage der Vorbereitung, die über das Ausmaß eines Desasters entscheiden. Klimawandel zu ignorieren macht alles nur noch schlimmer. Wenn das Risiko von Waldbränden steigt, ist proaktive Investition in das Management von Feuer entscheidend, wenn es um den Schutz von Siedlungen und des Natur-Erbes geht.“

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