Schleichende Aushöhlung der Klimakompetenz

(c) Pixabay

In einem offenen Brief appellieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, zu verhindern, dass die Klimakompetenz Österreichs ausgetrocknet wird.

Der offene Brief, der Anfang Februar verfasst worden ist, haben vor der öffentlichen Auflage 660 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschrieben. Innerhalb von einer Woche, dem Ende der Unterzeichnungsfrist, hat sich die Zahl der Unterstützerinnen und Unterstützer auf 1225 erhöht. Initiiert wurde der offene Brief vom Vorstand des „Climate Change Centre Austria“.

„Von politischer Agenda gedrängt“

„Mit großer Sorge beobachten wir, dass der Klima- und Klimafolgenforschung sowie den Institutionen und Einrichtungen, die Klimaschutz und Klimaanpassung praktisch umsetzen, die Finanzierung zunehmend entzogen wird und die Klimakrise von der politischen Agenda gedrängt wird. Als in diesem Themenfeld tätige Wissenschaftler:innen empfinden wir es als unsere Verpflichtung, auf diese gefährliche Entwicklung hinzuweisen und zu daraus resultierenden Folgen öffentlich Stellung zu beziehen“, heißt es zu Beginn des Appells. Der ist an die Spitzenpolitik gerichtet, konkret an den Bundespräsidenten, Bundes- und Vizekanzler, Ministerinnen und Minister, Landeshauptleute und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung.

„Zurecht wird internationale Kritik am Vorgehen der USA und am dortigen politischen Kurs laut wird, insbesondere an der systematischen Schwächung von Strukturen für Klimaschutz, -wandelanpassung und Klimaforschung“, so der Brief weiter.

„Grob fahrlässig“

„Aber auch in Österreich findet eine schleichende Aushöhlung der Klimapolitik und der Klimaforschung statt durch Verzögerungen, Budgetkürzungen, Prioritätenverschiebungen und politisches Wegsehen.“ Die Vorgangsweise derzeit in Österreich sei „nicht Sparsamkeit, „sondern grob fahrlässiges politisches Handeln angesichts bekannter Risiken, absehbarer Schäden und belegbarer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Folgekosten.“

Und weiter: Klima(folgen)forschung und Forschung zur sozial-ökologischen Transformation sind kein Luxus. Sie sind zentrale Voraussetzungen für Sicherheit, Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Vier Kernforderungen

Vor diesem Hintergrund fordern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insbesondere

  • eine offene, ehrliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Risiken, die vor uns liegen, und klare politische Bekenntnisse zu Wissenschaft, Evidenz und Vorsorge;
  • eine langfristig verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung der Klima- und Klimafolgenforschung sowie der Forschung zur sozial-ökologischen Transformation, über Instrumente wie Forschungsprogramme des Klima- und Energiefonds, StartClim, FTI-Strategie oder FTI-Pakt;
  • eine ausreichende Finanzierung struktureller Maßnahmen zur Klimawandelanpassung und konsequentes Handeln für Klimaneutralität;
  • die systematische Verankerung wissenschaftsbasierter Klimaziele als zentraler Bestandteil politischer Strategien, z.B. der Industriestrategie

Daniel Huppmann, Forscher an der IIASA und Vorstandsmitglied des CCCA, verweist darauf, dass der Klimawandel „wie im Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel eindringlich dargelegt, kein isoliertes Umweltproblem ist, sondern eine zentrale Herausforderung für alle Lebensbereiche in Österreich: Er betrifft Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit ebenso wie Landwirtschaft, Gesundheit und sozialen Zusammenhalt.“

Innovation und Arbeitsplätze

„Wie rasch wir Industrie und Betriebe klimafit machen, entscheidet über Innovation und Arbeitsplätze, während Dürren, Starkregen und neue Schädlinge bereits heute Ernten, bäuerliche Existenzen sowie Ernährungssicherheit und regionale Wertschöpfung gefährden und zunehmende Hitzebelastung die Gesundheit und das gesellschaftliche Miteinander unter Druck setzt.“

Die Klimadoyenne Österreichs, die emeritierte Universitäts-Professorin Helga Komp-Kolb (CCCA Vorstandsmitglied): „Klimaschutz und Klimawandelanpassung sind kein Nischenthema, kein verzichtbarer Luxus und keine ideologische Frage, sondern zentrale Voraussetzungen für Sicherheit, Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit Österreichs. “

„Vorsorge und langfristige Planung“

CCCA-Obmann Gerhard Wotawa sieht „die außergewöhnlich breite Unterstützung für eine offene und evidenzbasierte Auseinandersetzung mit dem Klimawandel, einschließlich ihrer Forschung. Für Unterstützung oder einen vertiefenden Austausch stehen wir seitens des CCCA jederzeit gerne zur Verfügung.“ Und Thomas Ertl, der Obmann des Vereins Scientists for Future Austria (SF4) sagt: „um einen breiten Konsens, der evidenzbasierte Entscheidungen, Vorsorge und langfristige Planung einfordert.“


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