Weltbank: Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten

(c) Pixabay

Der erste Blick könnte optimistisch stimmen: Nach der Covid-Krise hat sich die Weltwirtschaft als robuster erwiesen als in den Jahrzehnten zuvor. Leider: Es gibt aber auch andere Blickwinkel.

Die gute Nachricht zuerst. Seit 1960 hat es fünf globale Rezessionen gegeben: 1975, 1982, 1991, 2009 und, bedingt durch die Corona-Epidemie, dann 2020. In der Weltbank-Studie „Global Economic Prospects“, die vor kurzem veröffentlicht worden ist, sind die Daten von 38 starken Volkswirtschaften und von 146 Schwellen- und Entwicklungsländern herangezogen worden.

Robuste Weltwirtschaft

Das Ergebnis: Gesamthaft betrachtet hat sich die Weltwirtschaft in den fünf Jahren nach der 2020er-Krise so gut erholt wie in noch keiner Fünf-Jahres-Periode nach einer Krise.

Die Weltwirtschaft zeigt sich also robust. Allerdings verlief die Erholung „bemerkenswert ungleichmäßig“ und ging mit einer höheren Inflation und Verschuldung einher.

Im Jahr 2025 wird das globale Wachstum im Durchschnitt auf 2,7 Prozent geschätzt, 0,4 über der Prognose, die es noch im Juni des Vorjahres gegeben hat. Die Weltbank rechnet für das laufende Jahr mit einer leichten konjunkturellen Abkühlung auf ein Wachstum von global 2,6 Prozent.

Kehrseite der Medaille

Für die Schwellen- und Entwicklungsgelder werden, global und ohne China 3,7 Prozent prognostiziert. China dürfte 2025 mit einem Plus von 4,9 abgeschlossen haben und wird für 2026 auf ein Wachstum von 4,4 und 2027 auf ein Plus 4,2 Prozent eingeschätzt.

Es gibt allerdings auch eine Kehrseite der Medaille: Denn während fast alle fortgeschrittenen Volkswirtschaften ein höheres Pro-Kopf-Einkommen aufweisen werden als vor der Pandemie, wird jedes vierte Entwicklungsland – und mehr als ein Drittel aller einkommensschwachen Volkswirtschaften – ärmer sein als vor fünf Jahren.

So lassen die Weltbank-Berechnungen vermuten, dass in den Entwicklungsländern bis Jahresende ein durchschnittliches BIP pro Kopf von etwa 6.500 US-Dollar zu erwarten sein könnte – kaum 12 Prozent des Durchschnitts der Industrieländer. Die Kluft bei einkommensschwachen Ländern ist noch deutlicher: Ihr BIP pro Kopf liegt unter 700 US-Dollar, etwa ein Prozent des Niveaus in einkommensstarken Ländern.

Umfassender Schuldenerlass

Dazu kommt noch, dass die Kosten für den Schuldendienst voraussichtlich im Jahr 2026 ihren Höhepunkt erreichen werden. Und das geschieht vor dem Hintergrund, dass der Rückgang der öffentlichen Entwicklungshilfe den finanziellen Spielraum in Ländern mit niedrigem Einkommen weiter einschränken wird. Dadurch werden wichtige Investitionen in wachstumsfördernde Sektoren wie Gesundheit, Bildung, Infrastruktur und Klimaanpassung begrenzt bleiben.

Der Weltbank-Bericht fordert, dass die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen um einen umfassenden Schuldenerlass verstärkt, insbesondere angesichts sinkender Entwicklungshilfe und zunehmender klimabedingter Störungen, die Schwellen- und Entwicklungsländer überproportional stark treffen.

Die Armutsbekämpfung könnte sich in Ländern mit niedrigem Einkommen deutlich verlangsamen, insbesondere dann, wenn klimabedingte und andere Naturkatastrophen bestehende Schwachstellen verschärfen.

Beispiele dafür seien etwa Erdrutsche im Sudan, Überschwemmungen im Südsudan und Dürre in Malawi, die die ohnehin schon prekäre Lage weiter verschärft haben.

Ernährungskrise für 140 Millionen

Die klimabedingte Zerstörung von Ernten und Lebensgrundlagen könnte viele Bevölkerungsgruppen in Ländern mit niedrigem Einkommen angesichts ihrer begrenzten Anpassungsfähigkeit und Ressourcen noch tiefer in die Armut treiben

Die Ernährungsunsicherheit in Ländern mit niedrigem Einkommen hat sich verschärft, in vielen Fällen durch Konflikte, Klimawandel, Naturkatastrophen und Bevölkerungsvertreibung. Im Jahr 2024 waren etwa 140 Millionen Menschen in diesen Ländern von einer akuten Ernährungskrise oder Schlimmerem betroffen – ein Anstieg um 30 Prozent seit 2020.

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