Aussicht auf Geld, Schutz für bedrohte Arten und neue Fakten: Das ist das Ergebnis der zweitägigen „Our Ocean Conference“, die vor kurzem in Mombasa zu Ende gegangen ist.
Lob und Tadel in Mombasa. So kann das Ergebnis einer Konferenz über den Zustand der Ozeane zusammengefasst werden. Die Konferenz hat vor zwölf Jahren zum ersten Mal stattgefunden.
„Wir sind zutiefst betroffen“
Heuer heißt es in der Abschlussdeklaration einerseits: „Wir erkennen die wesentliche Rolle von Kleinfischern, indigenen Völkern, Frauen, Jugendlichen, der Fischereiindustrie, regionalen Fischereimanagement-Organisationen und Küstengemeinschaften bei der Erhaltung der Meeresressourcen und ihrem Beitrag zur Meeres-Governance an.“
Aber andererseits sind die Realitäten auf den Ozeanen dieser Welt und insbesondere vor den Küsten der afrikanischen Länder wenig erfreulich: „Wir sind zutiefst besorgt über die Bedrohungen durch Überfischung, die Verschlechterung von Ökosystemen, den Rückgang der biologischen Vielfalt und die Unsicherheit auf See.“
Charta für Transparenz in der Fischerei
Die Geheimwaffe gegen diese Missstände klingen einfach, sind es in der konkreten Umsetzung dann aber doch nicht. „Transparenz“ lautet eines der Zauberworte, das alles ändern soll. Durch Offenlegung relevanter Daten soll es leichter ermöglicht werden, illegalen Fischern das Handwerk zu legen. Generell soll als Maßnahmen-Paket die „Charta für Transparenz in der Fischerei“ konkretisiert werden. Die Kernpunkte:
- Einrichtung oder Modernisierung digitaler Schiffsregister und Datenaustausch mit dem globalen Schiffsregister der Welternährungsorganisation (FAO Global Record of Fishing Vessels);
- Veröffentlichung von Fischereilizenzen, Genehmigungen, Zugangs-Vereinbarungen und Quoten-Zuteilungen;
- Sicherstellung, dass alle industriellen Fischereifahrzeuge über eindeutige Schiffskennungen (UVI) verfügen – und schrittweise Einführung von UVIs für Kleinfischerei-Fahrzeuge;
- Erfassung von Informationen über die wirtschaftlich Berechtigten von Schiffen und Fischerei-Unternehmen, um gezielt gegen die für Verstöße Verantwortlichen vorzugehen und sie zur Rechenschaft zu ziehen;
- Stärkung der Überwachung; und schließlich die
- Stärkung der Verantwortung des Flaggenstaates durch das Vorgehen gegen die Nutzung von Billigflaggen.
Diesem Programm geben insgesamt 16 Länder ihre Zustimmung:
- Belgien
- Chile
- Dominikanische Republik
- Frankreich (namens seiner Übersee-Territorien)
- Gabun
- Gambia
- Ghana
- Guinea
- Kamerun
- Liberia
- Panama,
- Papua Neu-Guinea
- Peru
- Somalia
- Süd-Korea
Maßnahmen sind jedenfalls hoch an der Zeit – denn die illegale Fischerei verursacht allein in den afrikanischen Küstenländer einen jährlichen Verlust von elf bis 13 Milliarden Dollar.
2030 wird ein wichtiges Jahr auf hoher See
Auf den Meeren der Welt soll 2030 ein wichtiges Jahr werden: Einerseits sollen die Küstenstaaten bis zu diesem Zeitpunkt ein Programm für ein nachhaltiges Management der Meere entwickelt haben. Und andererseits sollen bis zu diesem Jahr 30 Prozent des Ozeans unter Schutz gestellt sein.
Der Schutz von bedrohten Arten ist dabei zentral. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung haben Madagaskar und Sansibar gesetzt, indem sie sich umfassenden nationale Schutzmaßnahmen für Haie und Rochen verpflichtet haben. Mehr als ein Drittel der Arten sind inzwischen vom Aussterben bedroht, vor allem aufgrund von Überfischung und eines internationalen Handels, der über Jahrzehnte hinweg weitgehend unreguliert geblieben ist.
„Langer Weg zur Erholung“
„Haie sind ein wesentlicher Bestandteil gesunder Meeresökosysteme“, erklärte Luke Warwick, Senior Dirkctor des Programms für bedrohte Meeresarten in der WCS (Wildlife Conservation Society). „Dieser sich rasch entwickelnde globale Rechtsrahmen, gepaart mit der Durchsetzung von Vorschriften und lokalen Schutzmaßnahmen, gibt uns Hoffnung, den Rückgang der Bestände aus dem letzten halben Jahrhundert zu stoppen und diesen uralten Raubfischen den langen Weg zur Erholung zu ebnen.“
Madagaskar kündigte an, 14 Hai- und Rochenarten – darunter der vom Aussterben bedrohte Weißspitzen-Hochseehai sowie Walhaie und Mantarochen – unter den Schutz des nationalen Dekrets für Wildtiere zu stellen.
34 Arten unter Schutz
Sansibar verkündete umfassende Schutzmaßnahmen für 34 Arten in seinen Küstengewässern, darunter Hammerhaie, Fuchshaie und der endemische Sansibar-Geigenrochen.
Geld wurde schließlich auch auf dieser Konferenz zumindest in Aussicht gestellt: Laut World Resources Institute – als einer der Organisatoren der Konferenz – hat 320 Zusagen gezählt, mit denen Geld zugesichert wird. Angekündigt haben sie 104 Länder bzw. Organisationen.
6,4 Milliarden in Aussicht gestellt
In Summe sind 6,4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Die größte Summe (2,864 Mrd.) sollen demnach für eine nachhaltige „Blue Economy“ zur Verfügung gestellt werden; 1,75 Milliarden in die nachhaltige Fischerei und 1,18 Milliarden für Klimawandel-Anpassungen im und am Meer.
Mehr:
- news330-link Vertrag zum Schutz der Weltmeere ist in Kraft
- Web-link Schutz für die Hohe See
- web-link The Mombasa Declaration
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