Es geht nicht nur ums Klima allein: Die UNO legt einen Bericht vor, der aufgrund einer ganzheitlichen Betrachtung neue Perspektiven eröffnet und nicht nur auf den Klimaschutz schaut, sondern auch auf Luft-Schadstoffe – diese erstmalige Gesamtsicht bringt wesentliche, neue Erkenntnisse.
Wenn es draußen bald kalt und möglicherweise auch eisig sein wird und die Straßen mit Abertausenden von Tonnen Streusplitt bedeckt werden: Wer denkt in dieser Situation an die Klimaänderung, die in vollem Gange ist. Und welche Stadtverwaltung, welche Politikerin oder Politiker spannt den Bogen und stellt den Zusammenhang zwischen Klimapolitik und Schadstoff-Messstellen her?
Klimakrise und Luftschadstoffe
Die einseitige Sicht ist jedoch ein Irrweg: Denn die Schadstoffe, die die Umwelt belasten und die Gesundheit gefährden, sind von der Klimakrise nicht zu trennen. „Sie müssen gemeinsam gedacht werden“ – das ist eine der zentralen Aussagen des Berichts „Hidden Assets – The Economic and Health Case for Climate and Clean Air Action“, den das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) veröffentlicht hat.
Im ersten Schritt werden klassische Luftschadstoffe analysiert:
- Kohlendioxid
- Methan
- Bodennahes Ozon
- Kohlenmonoxid
- Flüchtige organische Verbindungen
- Fluorierte Gase
- Distickstoffoxid (Lachgas)
- Ruß (schwarzer Kohlenstoff; black Carbon)
- Stickstoffoxide
- PM2,5
- PM10
- Schwefeldioxid
- Ammoniak (NH3)
Wenn das sektorale Denken einem ganzheitlichen Zugang weicht, sodass Schadstoffe und Klimapolitik gemeinsam gedacht und analysiert werden, dann – so der Bericht – ist die Wirkung nachhaltig und es können die Probleme Schritt um Schritt gelöst werden – Voraussetzung dafür ist, dass die 25 Maßnahmen (Anm. Auflistung am Ende des Artikels) umgesetzt werden. In Finanzen ausgedrückt bedeutet dies, dass jeder US-Dollar, der für die Realisierung der 25 Lösungen ausgegeben wird, einen wirtschaftlichen Vorteil von 15 US-Dollar auslöst. Diese 14 Dollar auf der Gewinnseite entstehen durch geringere Gesundheitskosten und sinkende Umweltkosten. Allerdings: Diese Bilanz sieht lediglich dann so gut aus, wenn mit der Umsetzung der Lösung sofort begonnen und dieser Kurs mit hoher Priorität verfolgt wird.
Mehr als ein Zehntel des BIP wird verfügbar
Bis 2025 können durch dieses Maßnahmenpaket 2,8 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts bis 2035 eingespart werden; bis 2050 sind es 4,5 und 11,4 Prozent bis zum Jahr 2100. Dem stehen lediglich 0,7 Prozent des BIP gegenüber, die an Kosten in den nächsten Dekaden anfallen. Bis zum Jahr 2100 sinkt diese Größenordnung auf 0,5% ab.
Zum Vergleich: 2022 beliefen sich die Förderungen für Öl und Gas auf 2,18 % des globalen BIP, für Gesundheitsvorsorge wurden 2023 weltweit 9,3% ausgegeben und für den gesamten Ausbildungssektor 3,5%.
Der 189 Seiten umfassende Bericht rechnet auch mit anderen Zahlen. Sie gehen unter die Haut, denn sie stellen die gesundheitlichen Folgen in den Mittelpunkt. Sofern gegengesteuert werde, könnten bis zum Jahr 2050 „144 Millionen vorzeitige Todesfälle vermieden werden – und Hunderte Millionen von chronischen Erkrankungen“ – unter anderem
- 62 Millionen Asthma-Erkrankungen von Kindern
- 87 Millionen Herzattacken
- 63 Millionen chronischer Lungenerkrankungen
- 45 Millionen Schlaganfälle
- 36 Millionen Demenz-Erkrankungen.
Wenn die Schadstoffe gesenkt werden, dann würde das allein die vom Menschen verursachte Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 0,34 Grad Celsius senken.
25 Maßnahmen-Pakete
Um welche Maßnahmen geht es nun, deren Umsetzung sowohl gesundheitliche, als auch finanzielle Vorteile mit sich bringen kann?
- Energie-Erzeugung: Umstieg von fossilen auf Erneuerbare Energien
- Update für Abgas-Reinigung (Kraftwerke und Industrieanlagen)
- Öl- und Gas-Pipeline-Lecks verhindern
- kein Abfackeln von Öl und Gas mehr
- Gasbelastung bei der Kohleförderung verringern
- strengere Effizienz-Vorgaben für Industrieanlagen
- Prozessabläufe schadstoffärmer gestalten
- Ziegelbrennereien: Effizienz-Steigerungen
- Vorsichtigerer Umgang mit Lösemitteln, Vermeidung von Lecks
- Höhere Energieeffizienz in Haushalten
- Vermeidung umweltbelastenden Kochens und Heizens
- Strengere Abgasnormen bei Kraftfahrzeugen
- Häufigere Kontrolle und Wartung von Kraftfahrzeugen
- Umstieg auf Elektro-Autos
- Strengere Emissionsgrenzen für Off-Road-Vehikel
- Kontrolle von Partikelemissionen, Stickstoffverbindungen und Schwefel bei Schiffen
- Kontrolle und Verringerung der Ammoniak- und Methan-Belastung durdvh die Landwirtschaft
- Effizienterer Einsatz von Dünger
- Weniger Fleisch, mehr Gemüse auf den Teller
- Belüftung von überfluteten Reisfeldern
- Verbrennung auf dem Feld stoppen
- Effizientes Abfall-Management
- Verbessertes Abwasser-Management
- Vermeidung von Bränden in Wäldern und Mooren
- Verschärfung des Kigali-Abkommens, um den Gebrauch von Fluorkohlenwasserstoffe (HFC) zu verringern und zu beenden
Die Tiefe der Auswertung und Zuordnung der einzelnen Faktoren ist mit diesem Bericht einzigartig, die grundsätzliche Einschätzung, dass eine gesamthafte Betrachtung gewinnbringend ist, teilt auch die OECD, die bei einer gesamthaften Betrachtung von Schadstoffbelastung und Klima bis 2050 auf eine Ersparnis von 290 Milliarden US-Dollar kommt.
Mehr:
web-link Der UNEP-Report „Hidden Assets“



























































